Dienstag, 30. April 2013

Ersatz

Eingenistet in den Sälen ist mein Signum der Ersatz
für deren Arbeit und für eine frühere Bestellung
jenen Weg verlor ich aus den Augen statt Ertrages
sammle ich die Schneckenhäuser die ein Kind


verstreute heute regnen Blütenblätter fort vom Wind
und gestern? War das Zweiersofa Prellbock jeden Tages
gegenwärtig konsumieren wir die Bäume die durch Fällung
nicht mehr wachsen deren Fasern unser Stundenschatz.



Birgit Heid

Montag, 29. April 2013

Text-il

Den Starken

In unserem Leben begegnen uns immer wieder die Menschen, die von Grund auf stark sind. Gemeint sind die, die uns mit grossem Herzen begegnen, uns durch ihre Ideen, ihre Inspiration, ihre Energie und insgesamt durch ihr Sein bereichern. Es sind die, die uns tragen, wenn unser Weg zu schwer geworden ist. Es sind die, die uns Wege zeigen, wenn wir vor Absperrungen stehen und die Zahlenkombinationen verloren haben. Es sind die, deren Gedanken wie wärmende Flügel sind, unter denen sie uns tragen können. Diesen starken Menschen zu begegnen ist immer ein Gewinn.

Allzu leicht vergessen wir, dass dieses Starksein nicht verständlich ist und das es genährt sein will. Wir nehmen das in Anspruch, was sie uns geben und wir geben viel zu häufig viel zu wenig zurück. Starke Menschen brauchen auch das Gefieder, unter dem sie sich wärmen können. Sie brauchen auch den Morgen, an dem wir sie aus dem Regenschatten erlösen. Sie brauchen anerkennende Worte und schützende Hände, sie brauchen unsere Solidarität, weil sie sonst irgendwann nicht mehr stark sein können. Weil ihre Sonne aufgebraucht ist, der Fluss an der Mauer der Selbstverständlichkeit stockt und ihr Herzschlag aus der Bahn geworfen wird.


Hermann Josef Schmitz


Jutta Hellbach hat eine wunderbare Form gefunden, zwei meiner Texte aus 2008 und 2009 in einer anderen Form zu gestalten. Das sieht klasse aus und ich danke Dir von Herzen für diese Umsetzung.













lichtgefülltes blau
legte sich wie ein geschmeide
auf die moosgrünen baumhälse
reckten sich zueinander
auf der lichtung
lagen schattenflecken
aus grauem schnee
nahm dem pochenden gras
das aufatmen
in den erinnerungen
war die zeit hier
eine andere gewesen
und die bäume
trostreiche begleiter am weg


Hermann Josef Schmitz


Sonntag, 28. April 2013

Vollständig frei ...

„Ich bin keine Schriftstellerin. Ich will nicht über mich reden, sondern durch mich. Es gibt viele große Themen, aber es kommt darauf an, sie auf ein Minimum zu reduzieren, in einen Satz zu fassen. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel geschrieben, denn ich möchte so schreiben können, wie ich spiele, und das braucht Zeit. Manchmal entdecke ich ein paar Blätter mit Notizen, die ich vor drei Jahren verfasst habe, und verliere sie dann wieder. Das ist wie mit meinen Rollen im Film: Ich muss Dinge vergessen, um mich vollständig frei zu fühlen. Ich muss alles hinter mir lassen können, um weiterleben zu können.“


Charlotte Rampling (aus dem Interview im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 26.04.2013)

Und in eigener Sache freuen wir uns, wenn Ihr am nächsten Wochenende in Mannheim bei uns abbiegt :-)

Mehr dazu auch noch mal hier.



Samstag, 27. April 2013

Sammler

dann kam einer
der trug das licht
in seinem wortbündel
und verlor keinen satz
über die erschütterungen
und ein anderer blieb
mit geschärftem hörsinn
parkte an den blauen lippen
zwischen nacht und tag
und sammelte aufgänge


Hermann Josef Schmitz

Freitag, 26. April 2013

Grünes Zelt

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächtger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäftge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Joseph von Eichendorff


Auf das es gelinge, an diesem Wochenende auch in diesen wunderbar erwachenden Wäldern zu sein.




Donnerstag, 25. April 2013

Über Lichtflure laufen

über lichtflure laufen
entgegen dem aufwachenden grün
vor der erfüllung stehen
die verwobene herzlandschaft
in der regenbäume wachsen
über lichtflure laufen
früher als sonst prägt
der tag deine heimat
ein vermächtnis ohne wiederkehr
losgelöst das vergessen



Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 24. April 2013

Feuer

Wenn mein Haus
in Flammen stünde,
was würde ich retten?
Zuerst das Feuer.



Jean Cocteau


Und hier findet Ihr die wunderbaren Werke, die im Feuer entstehen: Glasgarage

Es ist immer wieder so schön und leidenschaftlich, was Du, meine Herzliebste, im Feuer zauberst.






 



Dienstag, 23. April 2013

Aufgeregnet

aufgeregnete gräser
im lichten knospenfeld
zwischen den schrunden
am vieljährigen ufer
liegt zwischen den wassern
ein anderer klang
als vor monaten
in aufgeregneten gräsern


Hermann Josef Schmitz







Montag, 22. April 2013

Vom zweiten bis zum sechsten Tage:

VOM ZWEITEN BIS ZUM SECHSTEN TAGE:
die eine Wüste, unbegrenzt.
O Flüge, langes Flügelschlagen!
Ein Pfeilschuß – siebentausend Werst!


Und sie, die nach Ägypten flogen,
die Schwalben, vier, vier Tage lang,
das Wasser unter sich – sie hingen oben,
und keine Schwinge tauchte, trank.



Ossip Mandelstam

Sonntag, 21. April 2013

Herausfallen


dann flattern pläne
aus den blicken deiner augen
und eine sanfte schließe
sperrt den fluss des regenblaus
dann glätten lang vertraute hände
die kurve deines müden atems
und aus dem sterngewinde
fällt ein dunkler stein



                                                                             für Annemarie


Hermann Josef Schmitz



Und allen mittelprächtigen Kritiken zum Trotz haben wir uns den "Nachtzug nach Lissabon" angeschaut und waren berührt. Wir finden ihn durchaus sehenswert.





Samstag, 20. April 2013

Winkt dir die Liebe

Winkt Dir die Liebe, so folge ihr,
sind auch ihre Wege hart und steil.
Und umfahren Dich ihre Flügel,
so ergib Dich ihr,
mag auch das unterm Gefieder
verborgene Schwert Dich verwunden.


Und redet sie mit Dir,
so trau' ihrem Wort,
mag auch ihre Stimme Deine Träume erschüttern,
wie der Nordwind den Garten verwüstet.


Liebe gibt nichts als sich selber,
und nimmt nichts als aus sich selbst heraus.
Liebe besitzet nichts und lässt sich nicht besitzen,
denn Liebe genügt der Liebe



Khalil Gibran





Freitag, 19. April 2013

Unvertäut

die die im leben unvertäut geworden sind
weil nichts und niemand sie hält
die spüren längst nicht mehr
wie sehr sie in der hand von menschen
zu einem instrument geworden sind
die die im leben unvertäut geworden sind
verwechseln ihr gefühl von freiheit
mit der einsamkeit der leeren räume
in denen niemand eine leiter hält
zu einem herz das sich im gleichklang wiegt
die die im leben unvertäut geworden sind
auf deren lippen niemand mehr nistet
für die ferne nicht mehr beschreibbar wird
bleiben auf einem grund schwarzer worte
und ihre heimat führt ins vergessen


Hermann Josef Schmitz


Auf das das Wochenende Euch neu begegnen lässt.


Donnerstag, 18. April 2013

Bekenntnis

Mein Herz glaubt
immer noch an Wunder,
sonst hätte es längst
die Wirklichkeit
zu seiner Religion gemacht.



Hans Kruppa


Mittwoch, 17. April 2013

Un-geschützt

wir stehen am fenster
fest umschlungen
ohne die sicherheit
einer zweiten haut
und schmiegen uns
im vertrauen auf jetzt
bricht das blau aus den steinen
und dein herz bleibt
eine leise herrlichkeit



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 16. April 2013

Gehn wir in warme Länder fort

wir sind bettler und wolln wenig
und reicht uns einer einst ein wort
so selbstverständlich wie das wasser
gehn wir in warme länder fort



Jan Skácel

Montag, 15. April 2013

Vorhang auf



an der biegung
beruhigt sich der mürrische fluss
tauseide liegt
auf dem erwachenden grün
das werben der vögel
schreddert die luft
zwischen vernarbten ufern
wechseln federfähren ohne passagiere



Hermann Josef Schmitz




Eindrücke aus einem wunderbaren leuchtenden Tag …








Sonntag, 14. April 2013

Riding on a cloud


„Der Jazz wird immer eine Minderheitensache bleiben. Aber er ist in der Lage, dass er den Menschen Kraft gibt. Für die Begeisterung, die er entfachen kann, wird es immer ein Publikum geben.“


Klaus Doldinger








Heute Abend in Luzern … um 19:00 Uhr … und wir haben Karten und freuen uns auf ein wunderbares Konzert mit dem Grandsigneur des deutschen Jazz.

Samstag, 13. April 2013

Er kommt ...

in schattenmäntel
ungeschützter bäume
eingehüllt äst licht
noch zitternd grün
die blütenstämme
und blaue seide
flattert ungewiss



Hermann Josef Schmitz







Freitag, 12. April 2013

Keines mehr, das trifft


Noch niemals konnte ich mir werter sein,
Als seit dein Bild in meinem Herzen lebt,
So wie ein Stein, in den man Züge gräbt,
Von höhrem Wert ist als ein roher Stein.


Und wie ein Blatt mit Schrift, mit Malerein
Man mehr beschaut als eins, das nichts belebt,
So ich, seit über mich dein Blick sich hebt
Und mei
ß
elnd schlägt: es macht mir keine Pein.


So tief geprägt kann sicher ich durch Zeit
Und Raum, als waffne mich ein Zauber, gehn;
Die Übel schwinden – keines mehr, das trifft,


Vor Wasser bin und Feuer ich gefeit,
Mit deinem Zeichen mach ich Blinde sehn,
Mit meinem Speichel heil ich jedes Gift.



Michelangelo


Ich schicke schönste Wochenendgrüsse aus dem blauen Haus und wünsche Euch lichtdurchlässige Tage.


Donnerstag, 11. April 2013

Sturmläuten

unter dem trächtigen himmel
stehen die botschafter der dunklen zeiten
zur abfahrt bereit
verschoben das späte schattengeäst
auf den geweißten schuppenwänden
hinter dem aufgeweckten grün
die schnabelschwärme
die am staubigen fenster sturm läuten


Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 10. April 2013

Notwendigkeit der Poesie

Man betrachte nur die Liebe. Nirgends wird wohl die Notwendigkeit der Poesie zum Bestand der Menschheit so klar, als in ihr. Die Liebe ist stumm, nur die Poesie kann für sie sprechen.


Novalis

Dienstag, 9. April 2013

5 Jahre Wortgarage

5 Jahre Wortgarage – und ich freue mich immer wieder selbst daran, hier eine Plattform gefunden zu haben, die viel mehr ist als ein Platz, eine Garage für Worte, Texte, Poesie, Prosa. Es bleibt der Platz für die Begegnungen mit dem Leben. Die Begegnungen mit mir selbst, von mir mit der Natur, mit den Geschehnissen und vor allem mit den Menschen sich ausruhen können. Ein Punkt zum Anhalten, zum Schauen, zum Hören, zum Lesen.

Jedes neue Jahr der  Wortgarage ist auch innigste und liebevollste Verbindung zu meiner Herzensdame, die ihre Kunstwerke in der Glasgarage präsentiert. Die Blogs sind für uns, die wir an verschiedenen Plätzen leben, immer wieder Orte zum Begegnen und Freuen, zum Innehalten und Einparken, um dann weiter durch das Leben zu reisen. Ich danke Dir, meine wunderbare Annemarie von ganzem Herzen dafür und freue mich, dass wir auch hier weiter zusammen unterwegs sein können.

Die Wortgarage ist seit 1.1.2013 an einem neuen Platz und mein ursprüngliches Vorhaben, auch mal Pausen einzulegen, hat nicht funktioniert. Dafür bedeutet es mir zu viel, ist es eine meiner Leidenschaften.

Ich danke allen, die mich hier erkannt und unerkannt besuchen, die sich aus der Weite kommend ein wenig dem Hinterlegten nähern. Die sich eigene Gedanken dazu machen, Texte in ihre Seele fügen, Musik hören, Filme schauen oder sich an Bildern freuen. Es ist schön, dass es Euch gibt.

Auf das nächste Jahr hier, auf schöne Begegnungen und neue Inspirationen – auf die Verführung zum Leben: Jeden neuen Tag.


Herzlichst


Hermann Josef Schmitz

Der Weg zum Glück

Halte dein Herz frei von Angst und Sorge.
Lebe einfach, erwarte wenig, gib viel.
Erfülle dein Leben mit Liebe, verbreite Fröhlichkeit.
Vergiss dich selber, denke an andere.
Sei so, wie du es von anderen wünschst.



Norman V. Peale


Montag, 8. April 2013

Ankommen

auf deinen lippenwiesen
habe ich mich satt getrunken
in deinen atemwäldern
der verschwendung hingegeben
am licht der worte aufgeschwungen
bin ich in deinen sanften gründen
bei mir angekommen



Hermann Josef Schmitz









Sonntag, 7. April 2013

Dich

Dich nicht näher denken
und dich nicht weiter denken
dich denken wo du bist
weil du dort wirklich bist


Dich nicht älter denken
und dich nicht jünger denken
nicht größer nicht kleiner
nicht hitziger und nicht kälter


Dich denken und mich nach dir sehnen
dich sehen wollen
und dich liebhaben
so wie du wirklich bist



Erich Fried

Samstag, 6. April 2013

Die Schamlosen

die schamlosen
ohne doppelboden
flüchtig ihre muskelspiele
und wie immer überflüssig
ihre kritische nähe
bleischwer dein schweigen
wenn die argumente ausgegangen sind
die schamlosen
mit ihren verrätselten hinweisen
die keine parkplätze
für depressionen freihalten
wenn du den boden verlierst
unter den füssen kein ausstieg
die schamlosen
deren nächte
hoffnungslose verzeichnisse bleiben


Hermann Josef Schmitz


Und schon bin ich wieder mit 100 Einträgen in der neuen Wortgarage :-).



Freitag, 5. April 2013

Freue dich

Gib dem Himmel
Dein Glück in die Hände.
Alles geht weiter,
Sei heiter,
Sei heiter!


Mascha Kaléko


Ich wünsche Euch in diesem Sinne ein glückliches Wochenende.

Donnerstag, 4. April 2013

Verlorene Ordnung

unerwünschte fehlzeiten in den bilanzen der dauerstarken zählen pausen zu den übeln der nachlässigkeit in welchem format willst du sterben wenn du dir die berechtigung nehmen lässt schwach zu sein ist eine vorübergehende und wiederkehrende form des lebens in dem es um viel mehr gehen will als um den anspruch der modernen bändiger denen nichts bleibt als ihre tabellen die sie über schlaflose nächte trösten wenn an den strassen die holzkreuze verwittern wenn das vergessen sich schneller einstellt als der schmerz vergeht wenn etwas längst die ordnung verloren hat wenn sie methoden finden die zeit weiter zu beschleunigen und dabei nur dich beschleunigen wenn du nicht mehr den ausgang findest wenn es nur noch auswege gibt und die unsicherheit zwischen deinen worten wucherndes gift dir den atem nimmt wo wirst du bleiben ohne doppelten boden das flatternde herz ein scheuer vogel der zu lange in der kälte geblieben die flügel entwärmt müde und ohne anschluss geworden


Hermann Josef Schmitz






Mittwoch, 3. April 2013

Das dritte

Wenn die Verhältnisse bleiben,
Wie sie sind, bin ich frei.
Frei, zu leben, zu schreiben.
Ich brauche nur drei
Dinge: Gewissen,
Daß ich andern nichts nehme -
Ich brauch keine seidenen Kissen
Und kann auch ohne bequeme
Stühle auskommen.
Das zweite: ich darf ohne frommen
Augenaufschlag sagen,
Was ich sehe in unseren Tagen.
Das dritte wäre Liebe,
Damit ich leben bliebe.



Eva Strittmatter



Dienstag, 2. April 2013

Ungewiss

in den ungeschliffenen himmel
ragen schneewimpern
flackernd die vergehende flugzeit
ihre ankunft ein ungewisse herzspalte
im gesicht der fremden tulpen
eingeschweißte sorglosigkeit


Hermann Josef Schmitz

Montag, 1. April 2013

Franz Quintenlümmel



Der Musikus Franz Quintenlümmel,
unbeleckt vom Ordnungsfimmel,
stolpert über seine Geige,
fällt auf seine Sprechwerkzeuge,
ist nicht seine Zähne bloß,
sondern auch die Geige los;
und statt Mozart und Beethoven
gibt's ein Feuerchen im Ofen.



Peter Horton