Freitag, 31. Mai 2013

Kraftvoll

die grünen frühlingsaltäre
vor denen du zur ruhe kommst
die unnachahmliche frische
mit der die flüsse
ihr blut kraftvoll durch die adern
der wälder treiben
und im gewitter der blattkaskaden
mit ihrem drängen
ein ganzes leben erneuern



Hermann Josef Schmitz


Ein Wochenende voll grüner Frische wünsche ich.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Frühling

Aufbruch!
Unsterblicher Frühling!
Die schattigen Halden
Beschrieben mit Runen
Des schmelzenden Schnees.
Die Bäume noch nackt,
Doch atmend, doch sehnend
In zärtlicher Scham, -
Denn wiederum sind sie
In schweigsamem Austausch
Mit Wolken und Licht.


Unsterblich im Feldweg
Des Altbauern Spur,
Wenn er im Frühwind
Die Fluren umgeht,
Zu prüfen die Male
Und Wunden des Winters
Am Leib seiner Erde.


Das Kind ihm zur Seite
Gleicht all jenen Kindern,
Die warfen im Frühling
Zur Sonne den Ball.


Ins flachsene Haar
Stäubt die heilige Hasel
Unsterbliche Pollen.



Erika Burkart

Mittwoch, 29. Mai 2013

Dienstag, 28. Mai 2013

Ode an Mikis Theodorakis

Große quadratische Abwesenheit
voll von Schwalben,
Hände die Nester blühen lassen
atmende Körper
geschorener Kopf
Hände -


Deine Abwesenheit belastet uns so,
daß wir durch sie
unsere Existenz spüren.
Mikis,
aus deiner „Vorstadt“, aus deinem „Traum“
lebt ein Volk
das ohne Traum
täglich seine Haut wechselt.


Wir finden unser Leben nicht falsch
deshalb haben wir es nicht geändert.


Vassilis Vassilikos
(geschrieben zum Zeitpunkt, als Theodorakis einer der Angeklagten bei den Prozessen 1967 war; und irgendwie jetzt wieder aktuell)

Montag, 27. Mai 2013

Halten

auch in der dunkelheit
leuchten die blütensterne
an den wegrändern
ihre prophezeihungen
in unschuldigem weiß
kann nichts die nacht entern
wenn an den übergängen
ruhig gewordene hände
die bebende seele
in wortloses halten hüllen
und das gewesene
einen inneren abstand gewinnt
auch in verlöschendem bewusstsein
bleibt es das was dich trägt



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 26. Mai 2013

Innen sind deine Augen Fenster


Innen sind deine Augen Fenster
auf ein Land, in dem ich in Klarheit stehe.
Innen ist deine Brust ein Meer,
das mich auf den Grund zieht.
Innen ist deine Hüfte ein Landungssteg
für meine Schiffe, die heimkommen
von zu großen Fahrten.


Das Glück wirkt wie ein Silbertau,
an dem ich befestigt liege.


Innen ist dein Mund ein flaumiges Nest
für meine flügge werdende Zunge.
Innen ist dein Fleisch melonenlicht,
süß und genießbar ohne Ende.
Innen sind deine Adern ruhig
und ganz mit dem Gold gefüllt,
das ich mit meinen Träumen wasche
und das mich einmal aufwiegen wird.


Du empfängst Titel, deine Arme umfangen Güter,
die an dich zuerst vergeben werden.


Innen sind deine Füße nie unterwegs,
sondern schon angekommen in meinen Samtlanden.
Innen sind deine Knochen helle Flöten,
aus denen ich Töne zaubern kann,
die auch den Tod bestricken werden …



Ingeborg Bachmann


Samstag, 25. Mai 2013

Nichts als Zuversicht

die schattenkante
geht am morgen
wenn die reise
durch die nachtmeere
im lichthafen ankert
dein ungesprochenes wort
und deine liebe
die sich fühlt wie
ein glitzernder kamm
deine flatternde hand
hinter den geschlossenen augen
nichts als zuversicht



Hermann Josef Schmitz



Und ein älteres Buch von Hanns-Josef Ortheil kann ich heute empfehlen:








 

Freitag, 24. Mai 2013

Das Wichtigste ...

Ein Weiser wurde gefragt, welches die wichtigste Stunde im Menschenleben sei, welcher der bedeutendste Mensch, und welches das notwendigste Werk, das man zu tun habe.
Die Antwort des Weisen lautete: „ Die wichtigste Stunde ist stets die Gegenwart, also die Stunde jetzt. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht. Und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“

Meister Eckart


Genau in diesem Sinne ein schönes und bedeutendes Wochenende.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Veränderung

ein tag der an den rändern überzuquellen droht
der dichterin schon wieder vergangener tod
ihr verlust und der nachlass ihrer worte
die sie gerade noch geschrieben hatte
gegen die trauer und den abschied
hilft in den akuten zeiten kein trost
nur ein postfach im anderen herzen
in das du deine worte schicken kannst
eine ehrliche haut ist besser
als eine falschaussage
die zum eigenen vorteil gerinnen würde
hinter dem feedback ehrlicher augen
lauert die seltene chance
das sich etwas zum licht hin wendet
etwas dessen schatten dir nicht bewusst war



Hermann Josef Schmitz




Mittwoch, 22. Mai 2013

Vertrauen

„Ich musste erst mühsam lernen,
meiner Intuition, meinem inneren Kind
zu vertrauen. Ein guter alter Freund
von mir, der als Psychologe arbeitet,
hat mich ermutigt, mehr auf mein
Inneres zu hören und die Architektur
nicht als Ordnungsmacht zu begreifen.“



Frank O. Gehry

Dienstag, 21. Mai 2013

Versprechen

es sind die leichten
lufthände nach dem regen
die den duft
der gebrochenen blüten
als versprechen
in deinen atmenden
mund legen
 

Hermann Josef Schmitz









Montag, 20. Mai 2013

Sommerbeginn

Heute sind wir mit dem Reiher
durch das Sumpfgras
gezogen


dann stand er still
Zeit auch


Und das Gras wuchs
in die duftende Sonne


und wuchs und wuchs


Da fiel die Liebe
in uns hinein


und wir wussten



Ulrich Moser aus "Ziegen auf wilder Minze"

Sonntag, 19. Mai 2013

Gesättigt

ein berührter italiener der auf der bühne begeistert weil sein herz groß ist und er mehr zu sagen hat als die botschaften die es in anderen formen der musik verbindet über die sprachen hinweg es braucht wenig licht und manchmal nur eine silbe um zu wissen an welchem platz deine heimat beginnt inmitten der fremden fügst du dich in fremde räume erkennst den klang der zu ihren stimmen gehört noch nicht er weidet die nacht aus und du erinnerst dich an pfingstrosen und ihre schamrote türen an das brennglas aus regen und zwischen den tönen das fremde meer und die jahrtausendalten verletzungen die über die lippenschienen fahren sie in einem nachtzug schatten legen sich wie weiches dunkles moos auf dein gesättigtes herz dort trage ich dich unweit meiner sehnsucht dort trage ich leicht in deiner anmut



Hermann Josef Schmitz 



Es war ein grandioses Konzert gestern mit Pippo Pollina, nach 3 1/2 Stunden war Schluss und wir sind immer noch tief berührt. Konstantin Wecker kam spät, aber er kam mit einer unglaublichen Wucht und Energie. Darüber hinaus ein wunderbares, begeistertes Publikum (wir natürlich auch) und ein Spagat zwischen Laut und Leise, der gelang.

Und heute mal wieder zwei Bücher, die ich an Herz legen mag. Markus Werner lese ich bereits zum zweiten Mal, Alexa von Heyden kannte ich nicht, aber es lohnt sich, "Hinter dem Blau" zu lesen und es lässt einen nicht mehr los.




Samstag, 18. Mai 2013

Amsterdamer Fragment

Morgens, zwischen Bruchstücken
immer helleren Schlafs,
leuchtet Laub
vor einer Backsteinfront.
Eine Frau im Slip
steht auf einem Sonnenfleck
und feilt ihre Nägel.
Unter der Dusche, später,
findet sich keine Geschichte,
die zu den gelben Blättern paßt,
zur umgestürzten Musicbox
im leeren Restaurant,
der unruhigen Möwe
auf dem Eisengeländer.
Die Person, die sich erinnert,
ist aus dem Bild gegangen.
In einer unsichtbaren Nebenstraße
Fahrradklingeln.



Rainer Malkowski



Wir freuen uns heute Abend auf das Konzert von Pippo Pollina, der heute 50 wird und im Volkshaus in Zürich illustre Gäste dabei hat, u.a. Konstantin Wecker.

Habt ein schönes Pfingstwochenende und viele bewegte Momente.

Freitag, 17. Mai 2013

Entkommen

an deinen lippenrändern
feuer entzünden
ohne ankündigung
gewohnheiten entkommen



Hermann Josef Schmitz












Donnerstag, 16. Mai 2013

Schönheit

„Die Schönheit des Sonnenuntergangs begreift man nicht, solange man die Sonne und die Wolken, den Himmel und den Horizont begutachtet. Denn Schönheit ist kein ‚Ding‘, sondere eine besondere Weise des Sehens.“


Anthony de Mello

Heute gehen Geburtstagsgrüße an die liebe Karin in Lohn-Ammannsegg. Möge Dein Tag ein wunderbarer sein und das neue Jahr Dir viel Schönes und Ermutigendes schenken.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Der Blick

Schaust du mich aus deinen Augen
Lächelnd wie aus Himmeln an,
Fühl ich wohl, daß keine Lippe
Solche Sprache führen kann.


Könnte sies auch wörtlich sagen,
Was dem Herzen tief entquillt,
Still den Augen aufgetragen,
Wird es süßer nur erfüllt.


Und ich seh des Himmels Quelle,
Die mir lang verschlossen war,
Wie sie bricht in reinster Helle
Aus dem reinsten Augenpaar.


Und ich öffne still im Herzen
Alles, alles diesem Blick,
Und den Abgrund meiner Schmerzen
Füllt er strömend aus mit Glück!



Joseph von Eichendorff



Dienstag, 14. Mai 2013

Aufwachsen


die nächte
die nie vollständig dunkeln
du die du mich
unbedingt liebst
hinter der regentür
steht die zeit
trommelgrün
öffnet sich ihr gelassen
eine unberührte landschaft
in der mein wildes herz
nährboden finden wird


Hermann Josef Schmitz


Montag, 13. Mai 2013

Ratloses Herz

das verschmutzte licht
in den städten
sind die fenster der nacht
längst zur blindheit
geführt worden
da nimmt es den blick
auf die sterne
schattiert den himmel
und lässt dich zurück
mit ratlosem herz



Hermann Josef Schmitz








Sonntag, 12. Mai 2013

So

Auf der rechten Seite
so liegen dass
die Knie das Kinn
fast berühren. Sich den
Rücken freihalten für einen
nicht zu weichen
schmiegsamen Bauch.
Beine auch die mit meinen
scharf in die Kurve gehen
zwanzigfach Zeh'n
ganz unten. Ums Herz
in der linken Brust eine
Hand die den Schlag spürt
und bleibt im Nacken
ein schlafender Mund Speichelfäden.
Morgens aufwachen.
Immer noch da sein.
So.



Ulla Hahn

Samstag, 11. Mai 2013

Schattenwärme

unter diesem leisen grau
flattern die gelben felder
sommerliedern gleich
aufgeregt vermischt
sich frisches grün
und bricht durch
dunkle tannenbäume
unter diesem leisen grau
flattern die hellen schatten
halten die wärme fest
einen ersten nachmittag lang



Hermann Josef Schmitz



Und auch dieses Jahr sind die Literaturtage Solothurn wieder sehr zu empfehlen. Wir kamen gestern in den Genuss einer Lesung im Dunkelzelt, bei der Yvonn Scherrer, blinde SRF-Radiojournalistin, einen Text des anwesenden Hansjörg Schertenleib vorlas ... die Atmosphäre ist immer wieder beeindruckend.







Freitag, 10. Mai 2013

Glück

„Es ist eine Poesie, die einem gehört und die eigentlich nicht veröffentlichbar ist, es sei denn, man findet Synonyme. Manchmal, gar nicht so selten, sitze ich da und denke: Es geht mir so gut!“


Klaus Maria Brandauer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 4./5.5.2013
auf die Frage: „Glück – was ist das für Sie?“





Mit einigen Impressionen aus einem wunderbaren Himmelfahrtstag wünsche ich Euch ein leuchtendes Wochenende und die Gedanken, die Klaus Maria Brandauer sitzend beschreibt.

















Donnerstag, 9. Mai 2013

Hinter der Wimperngrenze

das ungesprochene wort
auf deinen lippenbänken
liegen meine finger
fügen sich in den schwung
dieses unmerklichen zitterns
hinter der wimperngrenze
flattert dein auge


Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 8. Mai 2013

Frühling I

Mit dem Akazienduft
fliegt der Frühling
in dein Erstaunen


Die Zeit sagt
ich bin tausendgrün
und blühe
in vielen Farben


Lachend ruft die Sonne
ich schenke euch wieder
Wärme und Glanz


Ich bin der Atem der Erde
flüstert die Luft


Der Flieder
duftet
uns jung



Rose Ausländer


Dienstag, 7. Mai 2013

Sprunggrün

sprunggrün
wachsen die wälder
über sich hinaus
ihre einsamkeit
ist ein wunder
an den sonntagabenden
wenn die menschen
sich aus dem leben
gezogen haben
fällt eine leuchtspur
aus flieder und raps
in dein gedächtnis



Hermann Josef Schmitz


Heute gehen besondere Wünsche zum Geburtstag nach Talheim und Leingarten.
Von Herzen alles Gute, weiterhin viele kreative und leuchtende Ideen und Menschen, die bereichernd sind.





Montag, 6. Mai 2013

Das Licht

Es hat mich begleitet,
beinahe jeden Tag.
Es zeigte mir das Meer und die Tiere,
den Schnee auf den Bergen
und im Waldschatten den Farn.
Ich habe mich für das Licht
nicht bedankt.
Es wies auf die Gegenstände
und lehrte mich sprechen.
Es lehrte mich lesen und schreiben
nach der Natur.
Ich habe mich für das Licht
nicht bedankt.
Einmal zog es sich zurück,
und ich konnte im Spiegel
meine Augen nicht finden.
Aber dann kehrte es wieder,
und ich habe mich
flüsternd bedankt.



Rainer Malkowski


Sonntag, 5. Mai 2013

Berechnung

auf der fähre
die dich zu denen führt
denen du so gerne
zugehören würdest
kannst du dir
mit zuneigung
schon lange
kein billet mehr
zum anderen ufer
kaufen


Hermann Josef Schmitz

Samstag, 4. Mai 2013

Erweitern

„Natürlich gibt es viele Beziehungen, in denen es um gegenseitige Bestätigung geht und nicht um Liebe. Liebe hat nichts mit Bestätigung zu tun. Wenn man liebt, fühlt man sich aufgehoben. Bestätigung ist nur Bestätigung, aber nie Geliebtsein. Sie kann nichts Wirkliches bewegen. Liebe erfüllt den Menschen und erweitert ihn.“


Martina Gedeck


Dazu der Tipp für einen wohl sehr sehenswerten Film in der ARD am 8. Mai um 20:15 Uhr:
Die Auslöschung

Freitag, 3. Mai 2013

Abseits

wie gut
die unberechneten dinge sein können
das überraschende lachen
zwischen wolkenbändern
und regenbäumen
die aus dem himmel klettern
das gras in der weite
mit seiner eigenen ordnung
liegen felder und wiesen
im wachsen geformt
von den wundern
die unbegreifbar bleiben werden
die unbegreifbar bleiben müssen
wie gut die
kleinen wunder sein können
wenn du ins abseits gelangst

Hermann Josef Schmitz



Genießt das Wochenende mit vielen kleinen Wundern.



Donnerstag, 2. Mai 2013

Liebeskraft

Ich habe einen ganz entsetzlich großen Fonds an Liebeskraft in mir, und jedesmal wenn ich auf die Straße trete, fange ich an, irgend etwas, irgend jemand lieb zu gewinnen.


Robert Walser