Freitag, 28. Februar 2014

Das Fremde ist mir fremd geblieben

das fremde ist mir fremd geblieben
es hat mein herz nur kurz berührt
ich konnte nicht die landschaft in mein herz einfügen
sie war zu karg und ohne überwuchs
das fremde ist mir fremd geblieben
und wenn ich überlege hatte das den reiz
es zu betrachten in der fremde aus der ferne
und sich daran zu reiben als es aus dem auge war



Hermann Josef Schmitz


Möge das Liebevolle nahe sein an diesem Wochenende.

Donnerstag, 27. Februar 2014

Immer Lust an Lust sich hängt

Alle Dinge können sehen. Sag nicht, daß sie blind dastehen.
Sag nicht, daß sie dunkel gehen. Häuser, Bäume, Wege, Wind,
Stühle, Tische, Bett und Spind, alle Dinge sehend sind.
Alle Dinge können denken. Nicht nur Stirnen Geist dir schenken,
Alle Dinge Geister lenken. Kleiner Mücken grauer Zug,
Spinnwebfaden leis im Flug; jeder Grashalm denkt genug.
Und es lieben alle Dinge. Wie die Vögel mit Gesinge
Liebt sich alle Welt im Ringe. Eines hin zum andern drängt,
Jedes seine Lust sich fängt. Immer Lust an Lust sich hängt.



Max Dauthendey

Mittwoch, 26. Februar 2014

Stumm vor Glück

das ist der platz mit dir
an dem ich mich vergessen mag
aus kargen spätwinterhäfen
fahren schiffe ins blaue land
mit geschlossenen augen
lausche ich dem spiel deiner lippen
das licht ohne knoten
der ort stumm vor glück



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 25. Februar 2014

Ein Rest Wirklichkeit

Ihr habt uns den
Himmel gelassen,
einen Rest Wirklichkeit
aus Minze und Wind,
die monotone Stimme
des Distelfinks
in einem von Baggern
geräumten Gehölz.


Das wird bleiben,
wie Kälte bleibt
und Hitze unterm
tödlichen Schirm,
den die Glutwolke spannt.


Befristet zwar sind auch sie,
aber die Frist wird
von Leben und Tod gesetzt,
nicht von den Verwaltern
der Zeit.



Peter Jokostra



Auch die neue Pippo Pollina-CD ist ein wunderbarer Klanggenuss.



Montag, 24. Februar 2014

Blau

die himmelsläden öffnen wieder länger
auf weiten fluren gebärdet sich das erste grün
die wiesen liegen da wie rauher samt
als hohe säulen stehen scheinbar leere bäume
sie halten das gewölbe fest und gegen jeden wind
ein erster sonnenbauer erntet unschuldweiße blüten
ein platz mit krokusleuchten hellt die seele auf
und unerreichbar weit im königsfeld bleibt kühl zurück
der winter der nie seine kurve fand



Hermann Josef Schmitz




Sonntag, 23. Februar 2014

Passat

"Die Passatwinde glitten ohne Unterlaß gegen Süden. Sie strichen über den Dünensand, daß es raschelte wie Seide. Das waren keine europäischen Winde, die sich drehten, die bisweilen aussetzten; nein, sie lasteten auf uns, unaufhörlich wie der Luftstrom eines Schnellzugs. Besonders nachts wehten sie uns oft so hart an, daß wir uns, nach Norden gewandt, gegen sie stemmen mußten und doch das Gefühl hatten, von ihnen fortgetragen zu werden, einem unbekannten Ziele zu. Welche Hast, Welche Unruhe!"

Antoine de Saint-Exupéry aus "Südkurier"

Samstag, 22. Februar 2014

Wuchernder Herzton

in der ferne
glänzt des gipfels lippenpaar
legen neben mir deine worte
eine haut über die stille
steht das licht heute höher
über scheinbar leeren bäumen
wuchert sehnsuchtssättigend
dein herzton an meiner seite



Hermann Josef Schmitz

Freitag, 21. Februar 2014

exil im pfefferkorn

silben zählen solln verleger
schlüssel schwenkt, wer nichts bewegt.
du sei zigeuner, lastenträger,
der im dezember leim in knospen trägt.


als unschuldsathlet in melodischen sümpfen
zu sterben – eine beschämende bilanz!
statt vor dem tod die nase zu rümpfen,
bestell dir weiber in die ambulanz.


ruh sanft im pfeffer, grüß im traum
all jene, die du eisen tragen siehst,
zement und glas, in jenem raum,
aus dem der liebe gott geflohen ist.



Mircea Dinescu


Aktueller denn je – aus dem gleichnamigen Buch:
























Ein liebevolles Wochenende für Euch.