Mittwoch, 30. April 2014

Sekundenzeiger

dass ich als ich
ein und zwei ist
dass ich als ich
drei und vier ist
dass ich als ich
wieviel zeigt sie
dass ich als ich
tickt und tackt sie
dass ich als ich
fünf und sechs ist
dass ich als ich
sieben acht ist
dass ich als ich
wenn sie steht sie
dass ich als ich
wenn sie geht sie
dass ich als ich
neun und zehn ist
dass ich als ich
elf und zwölf ist
dass ich als ich.



Hans Arp

Dienstag, 29. April 2014

Laufen II

still grüßen die bäume und steine
ein schatten schwenkt um im wechsellicht
und an himmelsläden vorbei flanieren wolken
die grünen etagen sind neu beschriftet
an der reuse das sammelalbum aus blütenstaub
hinter dem stakkato der atemzüge
denke ich an dich wie du jetzt schläfst
das ist mein land in dem ich bleiben wollte



Hermann Josef Schmitz




Blick vom blauen Haus ins Grüne:



Montag, 28. April 2014

Wolken

Über dem Dach meines Hauses
sammeln sich Wolken
besonders die grauen
besonders die schwarzen.
Ich halte Ausschau nach den weißen
wie Schiffe so stark und so schön.
Über dem Dach meines Hauses
liegt mal der Tag, mal die Nacht
der reißende Strom der Sterne
der versiegende Strahl des Mondes.


Elisabeth Borchers




Zuletzt gelesen – teilweise sehr berührend und sinnlich – das Ende eher lau:




Sonntag, 27. April 2014

Laufen I

I

der blick weitet sich
auf den langen ebenen
gerätst du in die landschaft
die schritte fügen sich ein
noch sind die ränder
nicht beschnitten
du verlängerst den blick
weitest den atem
die gedanken laufen von selbst


II

noch sind die schatten
der uferbäume unsichtbar
später auf der höhe
der morgenröte
kentert das licht
an den glatten stämmen


III

nach dem nächtlichen regen
lodern die bäume wie nie zuvor



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 26. April 2014

Leichtigkeit

„Während ich mich der Freundschaft der Jahreszeiten erfreue, bin ich überzeugt, dass das Leben mir nicht zur Last werden kann.“


Henry David Thoreau



Freitag, 25. April 2014

Lichtfänger

regen bricht die knospen auf
leiser himmel glänzt auf steinen
grasfransen glätten die harten wegränder
bäume bereiten sich zu einer weiten kuppel
von den bergen kommend gleitet ein fluß unbemerkt ins meer



Hermann Josef Schmitz


Auch wenn die Sprache und die beschriebenen Handlungen manchmal hart sind, ist es ein bemerkenswert gutes Buch und weckt auch Erinnerungen an die eigene Jugend.






Entgegen allen Prognosen wünsche ich Euch Momente des Lichtfangens an einem wunderbaren Wochenende.
Wir  freuen uns auf die heutige Vernissage und die Vorstellung des neuen Buches in Aarau von
Brigitte Fuchs.



Donnerstag, 24. April 2014

Neuer Frühling


Eine Kleinigkeit ist anders dieses Jahr:
An der Bohlenbrücke hat ein Baumpilz angesetzt.                       
Tief korallenrot und wunderbar
Wird ein Rest von Zellulose umgesetzt.                                         
Diese Farbe, diese Farbe!
Und die Form ist auch sehr schön:
Blumenhaft. Wie um die Narbe
Eines Blütenstempels stehn                                                                                                                                                                                             

Keimlinge, von Tau befeuchtet.
Rund wie Tropfen oder Perlen.
Und ihr neues Feuer leuchtet
Neben den bekannten Erlen.
Ohne Ende Möglichkeiten:
Aus der alten Erde heben
Sich die Keimlinge zu Zeiten:
Aufspringt rot der Funke
Leben.


Eva Strittmatter