Montag, 14. April 2014

Die Unermeßliche

Siehst du diese Hände? Sie haben
die Erde gemessen, haben Mineral
von Mineral gesondert, Getreide von Getreide,
haben den Frieden gemacht und den Krieg,
haben die Distanzen
aller Meere und Flüsse überwunden,
und dennoch:
wenn sie hingehn
über dich, du Kleine,
Weizenkorn, Lerche,
so kommen sie nie an ein Ende,
halten inne, benommen,
wenn sie zu den Zwillingstauben gelangen,
die ruhen oder fliegen auf deiner Brust,
sie gehen eilig deine Beine entlang,
kauern sich ein im Licht deiner Hüfte.
Für mich bist du ein Hort, reicher,
unermeßlicher als das Meer mit seinen Schwärmen,
und du bist weiß und blau und weit
wie die Erde, wenn sie zur Weinlese lädt.
In diesem Gelände,
zwischen deinen Füßen und deiner Stirn,
weile ich, wandernd, wandernd,
mein Leben lang.



Pablo Neruda

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