Montag, 6. Oktober 2014

Eines Tages

Es ist kein Garten so fernab gelegen,
Dass nächtens nicht der wilde Schrei der Welt
Gleich einem wunderbaren Feuerregen
Vernichtend auch auf seine Saaten fällt.


Und keinem ist der Kreis so fest gezogen,
Dass eines Tages nicht ein wilder Geist
Ihm mit der Urgewalt der Meereswogen
Furcht und Erbarmen aus dem Herzen reißt.


Ein wölfisch Wesen springt aus Lammesmienen,
Und keiner lebt, der nicht in sich entdeckte
Ein fremdes ungeheures Element.


Und weil er lebt, muss er dem Chaos dienen
Und einem Neuen, das die Zeit erweckte,
Und dessen Sinn und Ende niemand kennt.



Marie Luise Kaschnitz



Sehenswert heute Abend auf Arte um 20:15 Uhr: Die Wand

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