Sonntag, 30. November 2014

Wir wären so gerne geblieben

wir wären so gerne geblieben
in den letzten wäldern des sommers
doch die arkaden sind leer geworden
leise berühren sich die lichten zweige
ein bleistiftgrauer nebel schändet
unentwegt das kurzatmige licht
in diesen tagen aus genügsamkeit
flackern die sterne im verlassenen zimmer



Hermann Josef Schmitz


Ich wünsche Euch einen schönen 1. Adventssonntag.





Samstag, 29. November 2014

Spiegel der Muse

Sich zu schmücken begierig, verfolgte den rinnenden Bach einst
Früh die Muse hinab, sie suchte die ruhigste Stelle.
Eilend und rauschend indes verzog die schwankende Fläche
Stets das bewegliche Bild; die Göttin wandte sich zürnend;
Doch der Bach rief hinter ihr drein und höhnte sie: Freilich
Magst du die Wahrheit nicht sehn, wie rein sie mein Spiegel dir zeiget!
Aber indessen stand sie schon fern, am Winkel des Seees,
Ihrer Gestalt sich erfreuend, und rückte den Kranz sich zurechte.



Johann Wolfgang von Goethe

Freitag, 28. November 2014

Zärtlich

in der stille
lagen meine finger
eine handbreit
neben deinem herzschlag
lauschten
spürten sich hinein
umfassten den rhythmus
mit unendlicher zärtlichkeit



Hermann Josef Schmitz



Das ist das Titelgedicht zu meinem neuen Lyrikband, der seit einigen Tagen auf dem Markt ist und an dem ich mich sehr freue.



Donnerstag, 27. November 2014

Deine Hand

„Deine Hand ist in meiner, solange du sie dort lässt.”


Franz Kafka



Wir freuen uns auf unseren nächsten gemeinsamen Markt.
Zum ersten Mal sind wir in diesem Jahr in Fraubrunnen im Schlosshof (Bernstrasse 5 - 3312 Fraubrunnen) in einem wunderschönen Umfeld.




Mittwoch, 26. November 2014

Vom Leben schwelgen

deine nimmersatten augen leuchten durch und durch
die hände wiegen wie ein weites feldermeer im wind
und hinter einer großen wolkenschar ein lippengleicher horizont
dann wendet sich das aufgegangene jahr zur seite
legt große liebe sich voll schwelgen über eine sternennacht
sonatengleich bist du und leuchtend voller hunger
auf tage die im verborgenen lichtweit blühen
willst wachsend kommen aus der dämmerung des neuen morgens
will ich dich lieben wie aufs neue in der frühe
wenn sich ein frisches blatt aufspannt
so wortlos glatt wie eine stille wasseroberfläche
nur hinter glas geschrieben ein verschwiegenes lächeln
und hinter deines herzenswand dem leben zugewandt voll mut und ehrfurcht
will ich dich schauen aus der weite
will nicht genug bekommen von deinen nimmersatten augen
ein leuchten durch und durch wie weites feldermeer
und lippengleich des horizontes wendepunkt
legt meine große liebe sich an deine unbegrenzte seelenseite



                                                                                  für Annemarie


Hermann Josef Schmitz

Heute hat meine wunderbare und geliebte Annemarie Geburtstag und ich freue mich so sehr mit Dir an diesem besonderen Tag. Ich wünsche Dir einen leuchtenden und segensreichen Tag zum Genießen, Freuen und Feiern. Ich wünsche Dir Vergnügungen, Begegnungen und Hingabe, die für ein ganzes Jahr reichen und die auch das ganze Lebensjahr hinweg sein mögen.

Und ich wünsche Dir immer wieder das Gleichgewicht in allen Situationen, die es erfordern, die Behütung auf jedem Weg, den Du gehst, die Gesundheit, die Dich hält und die andauernde Freude an den schönen Dingen des Lebens.

Das neue Jahr möge Dir seine Hand reichen, Dir die Menschen an die Seite stellen, die es gut mit Dir meinen und eine Landschaft bereiten, in der Du Dich mit all Deinem Geist und Deiner Kreativität wiederfindest.

Ich wünsche Dir ein Jahr voller Liebe, voller Leidenschaft, voller Glaskunst und der Verführung aller Sinne.

Von Herzen alles Gute und meine liebsten Glückwünsche.




Dienstag, 25. November 2014

Sonnett XVII

Ich liebe dich nicht, wie ich eine Rose aus Salz lieben würde,
einen Topas, einen Nelkenpfeil, der das Feuer entfacht:
ich liebe dich, wie man die dunklen Dinge liebt,
heimlich, zwischen Seele und Schatten.


Ich liebe dich wie die Pflanze die nicht blüht und die

in ihrem Innern andrer Blumen Licht versteckt,
und dank deiner Liebe lebt in meinem Leibe dunkel
das dichte Arom, das aufstieg aus der Erde.


Ich liebe dich und weiß nicht wie noch wann noch wo,
ich liebe dich geradezu ohne Fragen noch Übermut,
so lieb ich dich, weil anders ich nicht lieben kann,


vielmehr auf diese Weise, in der ich und du nicht sind,
so nah, dass deine Hand auf meiner Brust ganz mir gehört,
so nah, dass ich in meinem Schlaf deine Augen schließe.


Pablo Neruda

Montag, 24. November 2014

Das wäre dann der Tag

mittendrin dieser plötzliche gedanke
der von endlichkeit sich füllt
und der mich fast stehen lässt
vor vergehenden transparenten bäumen
niemand würde den verlust erklären können
aber du könntest die schatten mit gold füllen
aus blauen feldern fiele es für kurze zeit
das wäre dann der tag der wie gemacht
alles würde leicht die stundenpläne
blieben ungefüllt zurück wie ausradiertes blatt
dahinter ein geheimnis nur
mit dem du die vergangenheit bestechen würdest


Hermann Josef Schmitz