Dienstag, 11. November 2014

Feuerbohnen

Die roten Feuerbohnen frieren im Frühherbstwind,
über ihnen sammeln sich die ersten ängstlichen Vögel.
Zerraufter noch als das Bohnenlaub ist das Haar meiner Schwester.
Bald wird sie weinen und den kommenden Winter verfluchen,
weil er den Armen leerere Schüsseln und kalte Stuben bringt.
Gerne möcht ich meine Hände auf ihre zornigen Augen legen,
aber sie hat ein zartes und leicht erschreckbares Herz -;
das würde alles von mir wissen, alles mit mir teilen wollen.
Doch es ist besser, mit den zäheren Dingen zu teilen,
welche keinen Zorn und keine Verwünschungen kennen.
Ich möchte nicht, daß du verwunschen würdest,
der du mich jetzt schon hungern und frieren läßt.
Darum tausche ich nur leise durch das zerbrochene Fenster
mit Feuerbohnen und Wandervögeln
die unscheinbaren Zeichen der langen Geduld.



Christine Lavant  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen