Sonntag, 4. Januar 2015

Der nicht gegangene Weg

Zwei Wege trennten sich im fahlen Wald
und, weil ich nicht auf beiden konnte gehn
und einer bleiben, macht' ich lange Halt
und schaute auf des einen Wegs Gestalt,
soweit ich durch die Büsche konnte sehn.


Ging dann den andern - der, genauso schön,
den größer'n Anspruch hatte auf Gebrauch,
denn Gras wuchs drauf und brauchte Drübergehn -
obgleich die Wand'rer, muß ich schon gestehn,
gebrauchten einen wie den andern auch.


Sie lagen vor mir, beide gleich, zuhauf
mit Blättern, die kein Tritt noch aufgestört.
Ich hob mir einen Weg für später auf!
Doch Wege führ'n zu and'rer Wege Lauf:
Ich wußte wohl, daß keiner wiederkehrt.


Und seufzend werd' ich einmal sicherlich
es dort erzählen, wo die Zeit verweht:
Zwei Waldeswege trennten sich und ich -
ich ging und wählt' den stilleren für mich -
und das hat all mein Leben umgedreht.



Robert Frost

1 Kommentar:

  1. Robert Frost lese ich ja am liebsten auf Englisch :)

    Stopping by Woods on a Snowy Evening

    Whose woods these are I think I know,
    His house is in the village though.
    He will not see me stopping here,
    To watch his woods fill up with snow.

    My little horse must think it queer,
    To stop without a farmhouse near,
    Between the woods and frozen lake,
    The darkest evening of the year.

    He gives his harness bells a shake,
    To ask if there is some mistake.
    The only other sound's the sweep,
    Of easy wind and downy flake.

    The woods are lovely, dark and deep,
    But I have promises to keep,
    And miles to go before I sleep,
    And miles to go before I sleep.


    Robert Frost

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