Sonntag, 29. März 2015

Präludium

Das Erwachen ist ein Fallschirmsprung aus dem Traum.
Frei vom erstickenden Wirbel, sinkt
der Reisende der grünen Zone des Morgens entgegen.
Die Dinge flammen auf. In der zitternden Position der Lerche
nimmt er die unterirdisch schwingenden Lampen
der mächtigen Baumwurzelsysteme wahr. Doch auf der Erde
steht – in tropischem Schwall – das Grün, mit
erhobenen Armen, lauschend
dem Rhythmus von einem unsichtbaren Pumpwerk. Und er
sinkt dem Sommer entgegen, wird hinabgelassen
in dessen blendenden Krater, hinab
durch Schächte von grünfeuchten Altern,
bebend unter der Sonnenturbine. Dann wird
diese senkrechte Fahrt durch den Augenblick aufgehalten, und die Flügel
breiten sich aus zum Ruhen des Fischadlers über einem strömenden Gewässer.
Der friedlose Ton
der Bronzezeit-Lure
hängt überm Bodenlosen.


In den ersten Stunden des Tages kann das Bewußtsein die Welt umfassen,
wie die Hand einen sonnenwarmen Stein ergreift.
Der Reisende steht unter dem Baum: Wird,
nach dem Sturz durch den Wirbel des Todes,
ein großes Licht sich entfalten über seinem Kopf?


Tomas Tranströmer (15.04.1931 – 26.03.2015)

Leuchtende Impressionen des 2. Wochenendes unserer Osterausstellung in Jegenstorf:















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