Dienstag, 30. Juni 2015

Ufern will ich mit Dir

ufern will ich mit dir
am ungefähren fluss
die träume abstreifen
wie eine müde haut
ufern will ich mit dir
im stillen dunkelzimmer
den atem beruhigen
und das flackernde herz



Hermann Josef Schmitz




Gerade zu Ende gelesen:



Montag, 29. Juni 2015

Zumuten

„Als ich noch als Zeitungsredakteurin gearbeitet habe, wurde jeder Beitrag daran gemessen, wie viel Realität man den Lesern beim Morgenkaffee zumuten kann. Solange der Leser sein Müsli herunterbekommt, macht die Zeitung einen guten Job. Als Schriftstellerin lege ich es darauf an, dass die Leser ihren Kaffee über den Tisch spucken.“


Ayelet Gundar-Goshen

Sonntag, 28. Juni 2015

Noch stehen die Bäume still

einer konnte dem wuchern der raine
nicht mehr zusehen
und hat die schönsten ränder
aus jungem grün abgeschnitten


dann hat ein anderer
zäune aufgestellt
wegspuren geglättet
ufer gesäubert


noch stehen die bäume still
aber die stille ist anders geworden



und du fragst dich
wohin treibt das blut
aus den adern der gräser


später kommen zu viele
trockenen fusses
zum ziel



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 27. Juni 2015

Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte;
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.


Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis'
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.


Christian Morgenstern

Freitag, 26. Juni 2015

Grün

grün atmen
nichts als grün atmen
und gehen
und sich ein bisschen verlieren
und grün atmen
nichts als grün
und dazwischen das licht
einer blauen blume



Hermann Josef Schmitz



Ein paar Eindrücke, die quasi vor meiner Haustür grünen ... ich genieße die Zeit, wenn es reift und die Landschaft ein üppiges Wachsen ist.

Habt ein schönes Wochenende mit viel Zeit im Grünen ...







Donnerstag, 25. Juni 2015

Gedicht

Zerstörte Landschaft mit
Konservendosen, die Hauseingänge
leer, was ist darin? Hier kam ich



mit dem Zug nachmittags an,
zwei Töpfe an der Reisetasche
festgebunden, Jetzt bin ich aus



den Träumen raus, die über eine
Kreuzung wehn. Und Staub,
zerstückelte Pavane, aus totem



Neon, Zeitungen und Schienen
dieser Tag, was krieg ich jetzt,
einen Tag älter, tiefer und tot?



Wer hat gesagt, daß sowas Leben
ist? Ich gehe in ein
anderes Blau.



Rolf Dieter Brinkmann

Mittwoch, 24. Juni 2015

Wunsch

anhalten
und den tag
vorbeiziehen lassen
ihm nachschauen
wie einer wandernden wolke
die ihre regentropfen mitnimmt
innehalten
und im luftbogen
stehen bleiben



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 23. Juni 2015

Einsam

Wenn der Tag zuende gebrannt ist,
Ist es schwer nach Hause zu gehn,
Wo viermal die starre Wand ist
Und die leeren Stühle stehn.


Besser sich mit den Verirrten
Laut vereint zum Weine finden.
Elend lässt sich mit Gift bewirten,
Und ein Lahmer führt einen Blinden.


Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten,
Aber du wirst mich um Geld erhören.
Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
Um uns tiefer noch zu zerstören.


Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
Durch die leeren Pausen zu gehn.
Und einsam der Tageswende
In die erlöschenden Augen zu sehen!



Berthold Viertel


Ich habe mir mal wieder eine umfassende Sammlung von Gedichten gegönnt, mehr als 1.000 Seiten. Und darin auch Berthold Viertel entdeckt.

Und günstig erstanden bei einem meiner Lieblingsverlage: Froelich und Kaufmann




Montag, 22. Juni 2015

Ohne Titel

verschmähte stille
verstimmte sätze
ein bevölkerter schweigemarsch
sichelgras ohne atem
stimmbrüche
schattenknoten
nichts als verzweiflung



Hermann Josef Schmitz