Dienstag, 23. Juni 2015

Einsam

Wenn der Tag zuende gebrannt ist,
Ist es schwer nach Hause zu gehn,
Wo viermal die starre Wand ist
Und die leeren Stühle stehn.


Besser sich mit den Verirrten
Laut vereint zum Weine finden.
Elend lässt sich mit Gift bewirten,
Und ein Lahmer führt einen Blinden.


Freundin, Verlorne, ich könnte dich bitten,
Aber du wirst mich um Geld erhören.
Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
Um uns tiefer noch zu zerstören.


Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
Durch die leeren Pausen zu gehn.
Und einsam der Tageswende
In die erlöschenden Augen zu sehen!



Berthold Viertel


Ich habe mir mal wieder eine umfassende Sammlung von Gedichten gegönnt, mehr als 1.000 Seiten. Und darin auch Berthold Viertel entdeckt.

Und günstig erstanden bei einem meiner Lieblingsverlage: Froelich und Kaufmann




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