Sonntag, 7. Juni 2015

Vertrag

Lieber Leser,
Ich willige ein meine Haut umzustülpen,
jedes verlorene Wort erneut zu erfinden, zu schleifen,
zu stehlen, zu tun was auch immer getan werden muss
um deine Lungenflügel zu versengen.
Ich werde auf Glück verzichten
Mich wieder und wieder erstechen
und meinen Kopf in zahllose Öfen senken.
Ich werde rückwärts in die Zukunft hin verblassen
und dir erzählen was ich sehe.
Sollte es trostlos sein, werde ich lügen
Auf dass die Wunder
dein Leben im Griff halten
Ist es fantastisch sende ich
Botschaften in deine Träume
die aufglühen werden (/und sie werden aufglühen)
als silberner Bretterverschlag in den Wäldern (/als silberne Hütte im Wald)
von Mondblumenreben (/Stechabpfelreben) erstickt,
lass mich am Leben, Leser.
Dieser Hals hat sich in jahrelanger Arbeit
gestählt um dieser Axt zu widerstehen
Und dieser Körper, mager wie er sei (/schmal wie er ist)
hat so viele Glieder an Kriege verloren, so viele
Augen und Herzen der Romantik geopfert, aber liebe mich,
und ich folge dir überall hin -
in die staubigen Ecken der Kindheit
zu jedem Niedergang und Aufstieg,
bis deine Haut zu meiner wird,
lass uns Zwillinge sein, lass unser Blut
im Gleichtakt aufeinander folgen
wie Donner und Blitz.
Und wenn du deinen weichen Kopf
zur Ruhe legst, geliebter Leser,
Verspreche ich dir immer da zu sein,
durch das Verlies
deiner Gehörgänge zu summen
als unsterblicher Moskito,
der dich der Raserei zutreibt,
dem Aufglühen,
der Wut.
(/der dich in Richtung Wildheit treibt,
in Richtung Glut.)



Tishani Doshi

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