Samstag, 5. Dezember 2015

Zugvögel

Wenn ich mich in Gedanken versenke an uns Zwei,
Dann ist's, als ob das Eismeer mir vorgezaubert sei:
Am grauen Himmelsbogen erglänzt kein einz'ger Stern,
Als gelber Fleck nur zeigt sich der Mond in weiter Fern',
Und hin streicht über Wellen und sturmgepeitschte Schollen
Ein Vöglein, dessen Flügel es nicht mehr tragen wollen;
Sein Männchen fliegt indessen, in voller Kraft und heiter
Mit der Genossen Kette zum fernen Westen weiter.
Es blickt ihm nach das Vöglein; nicht Freude mehr, nicht Schmerz,
Nur Träume des Vergangnen ziehn plötzlich durch sein Herz,
Dann brechen ihm die Augen, die müden im Verscheiden -
So hat auch mich betroffen der Trennung bittres Leiden:
Ich muß in Nacht und Düster verlassen hier vergehen,
Du aber schwingst, vergessend, dich auf zu lichten Höhen!



Mihail Eminescu




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen