Samstag, 30. April 2016

Glanz

in der graugebliebenen stunde des nachmittags
zähle ich die blüten der apfelbäume
bis ich die zahlen im gewirr der reihen verliere
aber den glanz an den rändern der zahlen der blüten
streiche ich über das grau der gebliebenen stunde am nachmittag



Hermann Josef Schmitz




Freitag, 29. April 2016

Die Amseln haben Sonne getrunken

Die Amseln haben Sonne getrunken,
aus allen Gärten strahlen die Lieder,
in allen Herzen nisten die Amseln,
und alle Herzen werden zu Gärten
und blühen wieder.



Nun wachsen der Erde die großen Flügel
und allen Träumen neues Gefieder;
alle Menschen werden wie Vögel
und bauen Nester im Blauen.


Nun sprechen die Bäume in grünem Gedränge
und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
in allen Seelen badet die Sonne,
alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
liebend zusammen.



Max Dauthendey


Das wünsche ich allen, die hier lesen: trinkbare Sonne, strahlende Lieder und blühende Herzen. Auf ein schönes und warmes Wochenende.

Donnerstag, 28. April 2016

Bis auf Weiteres

zwischen den gelben feldern
und den meeren aus gras
leben wir von ferne zu ferne
im versprechen und sehnen
einer glättet die tränenufer
ein anderer näht des tages enden zusammen



Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 27. April 2016

Heute

Heute, nur heute
werde ich keine Angst haben.
Ganz besonders werde ich
keine Angst haben
mich an allem zu freuen,
was schön ist,
und ich werde an die Güte
glauben.



Johannes XXIII.

Dienstag, 26. April 2016

Meer am Morgen

das licht öffnet
die ufer wie scheue knospen
unbeschwert kommen und gehen
die wellen wie flügel
ich atme die nacht aus
wie ein vergessen
und klopfe an
die versprochene stunde



Hermann Josef Schmitz

Montag, 25. April 2016

Mutiger

"Vielleicht sind duldsame Menschen mutiger als ungestüme. Letztere wollen doch immer nur, so scheint es, eine gewisse Angst überrennen."


Robert Walser

Sonntag, 24. April 2016

In die Weite

ich will verschwinden
aus den spiegelglasstädten
will aus den straßen gehen
an deren ecken und winkeln ich falle
mich in die weite aufmachen
mit dem blick auf ungerade horizonte
ich will dir wieder nahe werden
zwischen windgeformten blütenbäumen
und ohne lichtverzerrung
still und staunend deinen lippen folgen



Hermann Josef Schmitz








Samstag, 23. April 2016

Regen

Du gehst. Und der Asphalt ist plötzlich nass
und plötzlich ist das Grün der Bäume neu
und ein Geruch wie von ganz frischem Heu
schlägt dir in dein Gesicht, das heiß und blass
auf diesen Regen wohl gewartet hat.


Die Gräser, welche staubig, müd und matt
sich bis zur Erde haben hingebeugt,
sehen beglückt die Schwalbe, welche nahe fleugt,
und scheinen plötzlich stolz zu sein.


Du aber gehst. Gehst einsam und allein
und weißt nicht, sollst du lachen oder weinen.


Und hier und da sind Sonnenstrahlen, welche scheinen,
als ginge sie der Regen gar nichts an.



Selma Meerbaum-Eisinger

Freitag, 22. April 2016

Wieder

wieder steht die ferne da
mit ihren großen händen


wieder fällt das lufthaus
im stillen zimmer in sich zusammen


wieder schnüre ich
die sehnsuchtsschuhe


wieder laufe ich
der zeit entgegen hin zu dir



Hermann Josef Schmitz




Ich wünsche Euch ein Wochenende voller Nähe und stillen Zimmern.

Donnerstag, 21. April 2016

Du

Wir wohnen
Wort an Wort



Sag mir
Dein liebstes
Freund



Meines heisst

Du



Rose Ausländer


In der Ferienwoche blieb auch Lesezeit für diese zwei Bücher, die mich auf ihre jeweils eigene Weise gepackt haben: