Donnerstag, 19. Mai 2016

Der Morgenstern

Der einsame Mann erhebt sich, wenn das Meer noch dunkel ist
und die Sterne flimmern. Ein lauer Hauch .
steigt vom Ufer empor, dort wo das Bett des Meers ist,
und sänftigt das Atmen. Dies ist die Stunde, in der nichts
geschehn kann. Selbst die Pfeife hängt erloschen
zwischen den Zähnen. Von Nacht spricht das leise Rauschen.
Der einsame Mann hat ein großes Reisigfeuer entzündet
und betrachtet den roten Widerschein am Boden. Bald wird
auch das Meer, wie das Feuer, rot erglühn.


Nichts Bittreres gibt es als den Dämmer eines Tages,
an dem nichts geschehn wird. Nichts Bittreres gibt es,
als nutzlos sein. Müd hängt am Himmel
ein grünlicher Stern, vom Tag überrascht.
Er sieht, noch dunkel, das Meer und die Feuerstelle,
an der der Mann, um nur was zu tun, sich wärmt;
sieht’s und sinkt schläfrig zwischen die düsteren Berge,
wo ein Bett aus Schnee ist. Erbarmungslos langsam
verrinnt die Stunde dem, der nichts mehr erwartet.


Lohnt es der Mühe, daß die Sonne aufgeht über dem Meer
und der lange Tag beginnt? Morgen wird wieder
diese laue Dämmerung sein mit dem durchsichtigen Licht,
und es wird wie gestern sein, und nichts wird geschehen.
Der einsame Mann möchte schlafen, nichts als schlafen.
Wenn der letzte Stern am Himmel erlischt,
stopft er langsam die Pfeife und gibt ihr Feuer.



Cesare Pavese




Und jede Menge neue Musik ... eine der schönsten Geschenke, mit der man mich beglücken kann. Danke an alle, die da gut zu mir waren und sind:





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