Dienstag, 15. November 2016

Die Lagune

Die Nacht ist sanft und zart,
Als ob sie aus dem weichen
Vlies eines schwarzen
Schafes bestünde.


Kein Mond. Ich streife im Dunkeln
Auf dem verzauberten Feld umher.
Ich atme die Frische von Binsen,
Weiden und Ulmen.


An der Lagune gehe ich entlang
Und spüre dich, Geheimnis des Wassers!
Das Wasser ist ein lebendiges Wesen,
Das mich betrachtet und schweigt.


In dieser Nacht scheint
Die Lagune Gedanken nachzuhängen.
Meine Seele streckt sich an ihr
Serpentinengleich aus.


Wie ich das Wasser liebe!
Wie ich das Wasser liebe!
Ihm zu neigt sich
meine Seele wie die Binse.


Vielleicht war ich in einem
Anderen uralten Leben,
Bevor ich Fleisch wurde,
Zisterne, Brunnen oder Fluss ...



Juana de Ibarbourou

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