Donnerstag, 27. Juli 2017

Dieser Sommertag

dieser sommertag voller versprechen
wiegt sich stunde um stunde in seligem lichtbogen
und lebt immer wieder neu in unseren herzen


am himmel tragen wir die zuneigung
wie ein geflüstertes wort
am wasser atmen wir hand in hand
wie die adern der offenen feuer
auf gräsern und in wäldern lieben wir uns
wie ein wiederkehrender aufbruch


dieser sommertag voller versprechen
wechselt die seiten wie ein neues gedicht
und schreibt sich innig in unsere seelen


in den augen ankern wir voller lust
wie die geheimnisse unter dem tiefen blau
in den händen ufert der horizont
wie ein vergehender wellengesang
auf der haut setzen wir die segel neu
wie in einem meer zitternder herzschläge


dieser sommertag voller versprechen
ist ein geschenk und ein neuanfang
ist große liebe und freiheit zugleich



                                                           für Annemarie


Hermann Josef Schmitz



Danke für alle Begegnung und Berührung in diesem zurückliegenden Jahr, Danke für Deine große Freiheit, die Du lebst und schenkst und Danke für Deine große und unbedingte Liebe.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Sommerregen

nachts marschierten die regenherden
aus den dunkel gewordenen wolkenstädten
die wälder hielten den atem an
die müden gespräche verstummten
leise verbrannte der geruch geernteter felder
die schwarzen kiesel wurden festlich im glanz
und dann endlich kühlten die fiebrigen wundstellen
auf der ausgezehrten haut langer sommertage



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 25. Juli 2017

Viva!

Mein Wünschen sprudelt in der Sehnsucht meines Blutes
Wie wilder Wein, der zwischen Feuerblättern glüht.
Ich wollte, Du und ich, wir wären eine Kraft,
Wir wären eines Blutes
und ein Erfüllen, eine Leidenschaft,
Ein heisses Weltenliebeslied!


Ich wollte, Du und ich, wir würden uns verzweigen,
Wenn sonnentoll der Sommertag nach Regen schreit
Und Wetterwolken bersten in der Luft!
Und alles Leben wäre unser Eigen;
Den Tod selbst rissen wir aus seiner Gruft
Und jubelten durch seine Schweigsamkeit!


Ich wollte, dass aus unserer Kluft sich Massen
Wie Felsen aufeinandertürmen und vermünden
In einen Gipfel, unerreichbar weit!
Dass wir das Herz des Himmels ganz erfassen
Und uns in jedem Hauche finden
Und überstrahlen alle Ewigkeit!


Ein Feiertag, an dem wir ineinanderrauschen,
Wir beide ineinanderstürzen werden,
Wie Quellen, die aus steiler Felshöh'sich ergiessen
In Wellen, die dem eignen Singen lauschen
Und plötzlich niederbrausen und zusammenfliessen
In unzertrennbar, wilden Wasserheerden!



Else Lasker-Schüler

Montag, 24. Juli 2017

Oeschberg

zwischen den stillen wegen
schreiben die blumenvölker
ihre leuchtenden geschichten
wir üben uns im leisen gehen
damit nichts ihr flüstern erschreckt
und alles wird demütig
beim anblick der weite
bäume blaue halmschwünge sterne
und alle gedanken lösen sich auf
in dieser schönheit des sommers
über die drahtlosen zäune hinaus
treiben wolken zur dämmerung



Hermann Josef Schmitz


Mitten im Sommer ist ein Spaziergang durch den Park der Kantonalen Gartenbauschule Oeschberg besonders lohnend und einer der friedvollsten Plätze, die wir kennen.


Auf meiner Linkliste kommt endlich mal wieder eine neue Besucherin an: allerlei.Herz  















Sonntag, 23. Juli 2017

Werte

Die guten Dinge des Lebens
Sind alle kostenlos:
Die Luft, das Wasser, die Liebe. 
Wie machen wir das bloß, 
Das Leben für teuer zu halten, 
Wenn die Hauptsachen kostenlos sind? 
Das kommt vom frühen Erkalten. 
Wir genossen nur damals als Kind 
Die Luft nach ihrem Werte 
Und Wasser als Lebensgewinn, 
Und Liebe, die unbegehrte, 
Nahmen wir herzleicht hin. 
Nur selten noch atmen wir richtig 
Und atmen die Zeit mit ein, 
Wir leben eilig und wichtig 
Und trinken statt Wasser Wein. 
Und aus der Liebe machen
Wir eine Pflicht und Last.

Und das Leben kommt dem zu teuer,

Der es zu billig auffasst.



Eva Strittmatter

Samstag, 22. Juli 2017

Glück

luft holen und luft holen
über die verlorene zeit hinweglaufen
und wieder und wieder daran glauben
das der neue tag voller zärtlichkeit beginnt



Hermann Josef Schmitz

Freitag, 21. Juli 2017

Hinter der Tür

Hinter der Tür
ziehst du an dem Sehnsuchtsseil
bis Tränen kommen
In dieser Quelle spiegelst du dich -


Nelly Sachs


Auf ein Wochenende, dessen Sehnsuchtsseile die Freude wachsen lassen.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Im Juli II

nur einen makel hat diese zeit
es ist das schneiden und fallen der ähren
das mich immer und immer
wie einen leisen tod nimmt
nur einen makel hat diese zeit
es sind die zurückgebliebenen ruppigen felder
die in nichts und in gar nichts
einen trost hinterlassen können



Hermann Josef Schmitz



Und darauf freuen wir uns sehr - an einem Samstag in Köln bei meinem absoluten Lieblingsmusiker. Perfekt!



Mittwoch, 19. Juli 2017

Du liebe Zeit

Da habe ich einen gehört
wie er seufzte: Du liebe Zeit!


Was heißt da Du liebe Zeit?
Du unliebe Zeit, muss es heißen
Du ungeliebte Zeit!
von dieser Unzeit, in der wir
leben müssen. Und doch
Sie ist unsere einzige Zeit
Unsere Lebenszeit


Und wenn wir das Leben lieben
können wir nicht ganz lieblos
gegen diese unsere Zeit sein


Wir müssen sie ja nicht genau so
lassen, wie sie uns traf



Erich Fried

Dienstag, 18. Juli 2017

Sommerglück

einmal nahm ich
den schwung deiner leuchtenden augen auf
wie neugeboren schritten wir
in der sommerlandschaft grosse stille
deine haut war unschuldig
und glich den blüten an den feldern aus gold
einmal nahm ich
den glanz deiner leisen lippen auf
wie aufgebrochen lehnten wir
am luftzaun nahe den klaren flussläufen
deine hände führten die worte
hinaus in die verzögerte weite des lebens
einmal nahm ich
den klang deiner liebeserklärungen auf


Hermann Josef Schmitz