Mittwoch, 8. November 2017

Gedicht XV

Mir gefällt es, wenn du schweigst, als
wärst du in der Ferne.
Du hörst mich dann, als käme mein Wort weither geflossen.
Deine Augen, so scheint es, sind heimlich fortgeflogen,
und ein Kuss hat, so scheint es, dir deinen Mund verschlossen.
Weil jedes Ding erfüllt ist vom Leben
meiner Seele,
tauchst du auf aus den Dingen, erfüllt von meinem Wesen.
Ein Falter wie aus Träumen, ähnelst du meiner Seele,
und das Bild deines Daseins lässt das Wort Schwermut lesen.
Mir gefällt es, wenn du schweigst, als
wärst du nicht zugegen.
Du bist dann wie ein Falter, weinend, dass man dich wiege.
Und du hörst mich von weitem, kein Laut kann dich berühren:
Lass drum, dass jetzt mein Schweigen in deinem Schweigen liege.
Lass, dass ich zu dir rede mit deinem
eigenen Schweigen,
klar wie die stille Lampe, schlicht wie ein Fingerring.
Wie Nachtluft bist du, lautlos, von Lichtern überfunkelt.
Du schweigst mit Sternestille, ein fernes, kleines Ding.
Du gefällst mir im Schweigen, denn da bist
du wie ferne.
Entrückt, von Schmerz gezeichnet, als längst du schon im Grabe.
Es genügt mir ein Wort dann, ein Lächeln nur, ein kleines.
Und ich bin fröhlich, fröhlich, dass ich dich bei mir habe.



Pablo Neruda