Freitag, 20. Juli 2018

An den Mond

Füllest wieder Busch und Tal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;


Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.


Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh- und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud' und Schmerz
In der Einsamkeit.


Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd' ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.


Ich besaß es doch einmal,
was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!


Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!


Wenn du in der Winternacht
Wütend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.


Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,


Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.



Johann Wolfgang von Goethe



Sommerzeit ist für mich auch immer besonders intensive Lesezeit. Hier ein kleiner Überblick der gelesenen Bücher aus den letzten 1 1/2 Wochen. Am besten hat mir von den 3 Krimis "Einsiedeln" gefallen und von den anderen 4 Romanen mit Abstand "Skizze eines Sommers", die berührende Geschichte eines 16-jährigen in Potsdam vor der Wende.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende, viel Leichtigkeit und Genuss in diesem flirrenden Licht.