Montag, 31. August 2015

Ohne Titel

es war immer der rand des lebens
der für uns gar nicht fassbare
ausgefranste rand ihres lebens
in dessen schatten sie sich
ohne identität bewegten
es waren immer
die dunklen verliese und katakomben
die ihnen geblieben waren
dort falteten sie die zeit
in kleine tüten
um in ihr aushalten zu können
es war immer die hoffnung
die sie vorantrieb
die sie nichts unversucht liess
als wegzukommen
von diesem rand
an dem ihr leben permanent wankte
es war immer die sehnsucht
von einem leben
in dem sich die lügen verloren hatten
und jeder neu aufgefaltete tag
einen rand hatte
der keine erbschrift der vergangenheit trug
es waren immer die raunenden flüsterer
die blieben
als sie längst gegangen waren


Hermann Josef Schmitz

1 Kommentar:

  1. "dort falteten sie die zeit
    in kleine tüten
    um in ihr aushalten zu können"

    eine Überlebenstechnik, gut in Worte gefasst.
    Ich grüße

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