Mittwoch, 28. Februar 2018

Störungsmeldungen

eine zeit die den unterbrüchen
und einschnitten nicht entkommt
aufgeschriebene verzweiflungen
und aussichtslose auswege
in die niemand abbiegen will
eine verwirrung neben der nächsten
aufgeschnittene schmerzen
und ungenaue heilungsaussichten
flüchtige wolken wie verlorene sätze
hoffnungen aus scherbenglas
kältekammern über flussnebeln
phantomschmerzen wenn du daran denkst
heimat als ungelesener schriftsatz



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 27. Februar 2018

Tristesse

Die Schatten wandeln nicht nur in den Hainen,
davor die Asphodelenwiese liegt,
sie wandeln unter uns und schon in deinen
Umarmungen, wenn noch der Traum dich wiegt.


Was ist das Fleisch - aus Rosen und aus Dornen,
was ist die Brust - aus Falten und aus Samt,
und was das Haar, die Achseln, die verworrnen
Vertiefungen, der Blick so heiß entflammt:


Es trägt das Einst: die früheren Vertrauten
und auch das Einst: wenn du es nicht mehr küßt,
hör garnicht hin, die leisen und die lauten
Beteuerungen haben ihre Frist.



Und dann November, Einsamkeit, Tristesse,
Grab oder Stock, der den Gelähmten trägt -
die Himmel segnen nicht, nur die Zypresse,
der Trauerbaum, steht groß und unbewegt.



Gottfried Benn





Montag, 26. Februar 2018

Ab und zu

die zeit nicht anhalten können
aber ihren rhythmus ab und zu verändern
in dem das zahlengefüge voranschreitet
und den takt seines regimentskommandeurs aufbrechen


die zeit nicht anhalten können
aber ihr ab und zu eine andere länge geben
eine neue tiefe und eine besondere dichte
und das licht aus dem schatten des gewöhnlichen schälen


die zeit nicht anhalten können
aber ab und zu schriftblumen säen
die die räume und atemzüge überdauern
und unter der winterhaut den herzschlag beschleunigen



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 25. Februar 2018

Von der Liebe

Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.

Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettertn kann
wie der Nordwind den Garten verwüstetet.

Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.

Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

All dies wird die Liebe mit dir machen,
damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.

Aber wenn du in deiner Angst nur die Ruhe und die Lust der Liebe suchst,
dann ist es besser für dich, deine Nacktheit zu bedecken
und vom Dreschboden der Liebe zu gehen.
In die Welt ohne Jahreszeiten,
wo du lachen wirst, aber nicht dein ganzes Lachen,
und weinen, aber nicht all deine Tränen.

Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.

Liebe besitzt nicht, noch läßt sie sich besitzen;

Denn die Liebe genügt der Liebe.

Und glaube nicht, du kannst den Lauf der Liebe lenken,
denn die Liebe, wenn sie dich für würdig hält, lenkt deinen Lauf.

Liebe hat keinen anderen Wunsch, als sich zu erfüllen.

Aber wenn du liebst und Wünsche haben mußt, sollst du dir dies wünschen:
Zu schmelzen und wie ein plätschernder Bach zu sein,
der seine Melodie der Nacht singt.

Den Schmerz allzu vieler Zärtlichkeit zu kennen.
Vom eigenen Verstehen der Liebe verwundet zu sein;
Und willig und freudig zu bluten.

Bei der Morgenröte
mit beflügeltem Herzen zu erwachen
und für einen weiteren Tag des Liebens dankzusagen;

Zur Mittagszeit zu ruhen
und über die Verzückung der Liebe nachzusinnen;

Am Abend mit Dankbarkeit heimzukehren;
Und dann einzuschlafen
mit einem Gebet für den Geliebten im Herzen
und einem Lobgesang auf den Lippen.



Khalil Gibran



Die ersten beiden Banner hängen am Eingang von Schloss Jegenstorf noch in bitterer Kälte. Aber wir hoffen natürlich, dass in 3 Wochen der Frühling den ersten Durchbruch schafft und freuen uns, wenn's losgeht.