Samstag, 14. Februar 2026

Cézanne

I

Montagne Saint-Victoire


die blicke unzählig tagelang sich veränderndes licht und kein blick wie der andere sich veränderndes blau zaghaft in mancher stunde später üppig nachts stahlblau und unter den sternen kalkgebirge eine bedeutung bekommen eine deutung hinter den unzähligen versuchen eines gelingens unverändert bleibt die landschaft der stein wächst jahrtausendelang nur im stein und die bäume überdauern die jahrhunderte zwischen sich veränderndem licht zaghafte gräser sie werden sich fügen still werden wenn die strengen luftzüge den grat der gebirge beschwören nichts kann der vollendung eine kränkung zufügen hinter dem letzten farbstrich stunden tage monate bis die zeit reifte jetzt ist die zukunft gegenwart um gegenwart und ein bewundern legt sich auf das hellen gestein



II

Madame Cézanne à la chaise jaune


hinter dem scheuen maskierten blick
liegt ein inneres verzeihen
dem scheinbar immerwährenden gehorsam
schuldet sie schon lange nichts mehr
als wären es die strengen zeiten
die den blick einzwängten
es sind die ungelebten träume sehnsuchtsvoll
aber der gelbe sessel bleibt ihr schatz
der alles ungesagte hinter ihr birgt
und den geregelten atem dieser tage schützt
ein gescheitelter blick ins ungewisse
unberührt die augen die gepanzerte haut
wohin wandern die tage des anfangs
am ende der sehnsucht
wenn die fragen bleiben
ohne eine suche nach antworten



Hermann Josef Schmitz


Aus Gründen bin ich vorsichtig geworden mit dem Veröffentlichen von Fotos, die künstlerisches Eigentum dokumentieren, und daher gibt es hier nur die Innenseite des Katalogs als Hinweis auf die Cézanne-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen. Ich bin nicht der Cézanne-Fan, aber sowohl das sich wiederholende Motiv 
Montagne Saint-Victoire als vor allem auch das Bild Madame Cézanne à la chaise jaune (ich hatte das vor einigen Jahren schon einmal gesehen, weil es zur Sammlung der Fondation gehört, haben mich sehr angesprochen und einmal mehr zum Schreiben inspiriert. Zu dem Bild Madame Cézanne à la chaise jaune musste ich trotz sehr voller Räume 3x zurückkehren, es hat für mich etwas Faszinierendes, dessen Ursprung ich gar nicht beschreiben kann. Aber das ist eben manchmal so.



Donnerstag, 12. Februar 2026

Februarstille

diese februarstille am morgen
noch schlingert die luft in den stundenkurven
die vogelstimmen scheinen wie ausgelöscht
die entblößte landschaft kennzeichnen
schürfwunden und zerklüftungen
diese februarstille am morgen
noch sind die atemzüge ungeordnet
gleiten die träume ins irrlicht der mündungen
zeichnen versionen von aufsteigender hoffnung
ein bild von wilden vögeln und wilden rosen  



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 10. Februar 2026

Februar I

mäandernde flussreste unter den steinen liegen die geschichten der jahrtausende ihr fließen ihr flüchten nur scheinbar begraben heute hat die traurigkeit einen milden verlauf niemand bedroht die aufgefrischten gefühle die im alltag nach ihrer bewährung suchen im schaufenster hat sich die angst verkleidet aber es gibt keine ausverkaufspreise für sie einer hydra gleich füllen sich die regale immer wieder neu heute kaufe ich nichts auch nicht gegen meinen willen sondern traue den verwirrungen mit einer unbekannten leichtigkeit mäandernden flussinseln zugleich eine flüchtigkeit und ein innehalten zwischen den kieseln haben sie sich eingerichtet bis die schneekristalle sich wandeln und von den bergen ein uferloses treiben entsteht ein schwemmen alle furchen füllt heute hat die traurigkeit einen milden verlauf und der himmel arbeitet sich ins blaue hinein


Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 8. Februar 2026

Angepasst

nur ja keine schwierigkeiten bekommen
den eigenen ruf bewahren wie ein geputztes auto
der diffusion gehorsam folgen
immer einen schuldigen in petto haben
und sich ganz schön aus dem schneider machen


nur ja gut dastehen und dabei gut aussehen
wenn sie dich auf ihren lackierten partys
nach deiner berechtigung in der welt fragen
immer einen grund für die verantwortung anderer finden
vergessen auf welche kosten du dein leben führst



Hermann Josef Schmitz