I
Montagne Saint-Victoire
die blicke unzählig tagelang sich veränderndes licht und kein blick wie der
andere sich veränderndes blau zaghaft in mancher stunde später üppig nachts
stahlblau und unter den sternen kalkgebirge eine bedeutung bekommen eine
deutung hinter den unzähligen versuchen eines gelingens unverändert bleibt die
landschaft der stein wächst jahrtausendelang nur im stein und die bäume
überdauern die jahrhunderte zwischen sich veränderndem licht zaghafte gräser
sie werden sich fügen still werden wenn die strengen luftzüge den grat der
gebirge beschwören nichts kann der vollendung eine kränkung zufügen hinter dem
letzten farbstrich stunden tage monate bis die zeit reifte jetzt ist die
zukunft gegenwart um gegenwart und ein bewundern legt sich auf das hellen gestein
II
hinter dem scheuen maskierten blick
liegt ein inneres verzeihen
dem scheinbar immerwährenden gehorsam
schuldet sie schon lange nichts mehr
als wären es die strengen zeiten
die den blick einzwängten
es sind die ungelebten träume sehnsuchtsvoll
aber der gelbe sessel bleibt ihr schatz
der alles ungesagte hinter ihr birgt
und den geregelten atem dieser tage schützt
ein gescheitelter blick ins ungewisse
unberührt die augen die gepanzerte haut
wohin wandern die tage des anfangs
am ende der sehnsucht
wenn die fragen bleiben
ohne eine suche nach antworten
Hermann Josef Schmitz
Aus Gründen bin ich vorsichtig geworden mit dem Veröffentlichen von Fotos, die künstlerisches Eigentum dokumentieren, und daher gibt es hier nur die Innenseite des Katalogs als Hinweis auf die Cézanne-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen. Ich bin nicht der Cézanne-Fan, aber sowohl das sich wiederholende Motiv Montagne Saint-Victoire als vor allem auch das Bild Madame Cézanne à la chaise jaune (ich hatte das vor einigen Jahren schon einmal gesehen, weil es zur Sammlung der Fondation gehört, haben mich sehr angesprochen und einmal mehr zum Schreiben inspiriert. Zu dem Bild Madame Cézanne à la chaise jaune musste ich trotz sehr voller Räume 3x zurückkehren, es hat für mich etwas Faszinierendes, dessen Ursprung ich gar nicht beschreiben kann. Aber das ist eben manchmal so.
