Sonntag, 2. August 2026

Künstlich

zuerst verschwanden die schwünge der hände
formten sich keine worte und noten mehr auf papier
dann verschwanden die in gedanken entstandenen lieder
wurden von maschinen zu kalten gebilden geformt
später verschwanden die zärtlichkeiten der poesie
verschwanden intuitive tonfolgen der geruch von eleganz
dann blieben beliebige kunstwerke ohne seele
für beliebige menschen die keine geschichten mehr suchten



Hermann Josef Schmitz


Bin bisschen im Rückstand mit der Vorstellung gelesener Bücher - hier sind die nächsten 5 aus diesen Wochen:


«Pudels Kern» von Rocko Schamoni

Vor vielen Jahren habe ich «Dorfpunks» von Rocko Schamoni gelesen, einen wunderbaren Roman über seine Jugend in den 70er und frühen 80er Jahren. In 
«Pudels Kern» schreibt Schamoni nach seinem Wegzug aus Schleswig-Holstein über seine ersten Jahre in Hamburg und seinen Versuchen als provozierender Schlagerentertainer Fuß zu fassen. Das Buch beinhaltet eine Fülle von Anekdoten von Jemandem, der in die große weite Welt der Musik eintaucht, mit den Toten Hosen, den Ärzten und anderen heute so großen Bands auf der Bühne steht und doch nie ganz rauskommt. Es ist eine Fülle von Geschichten, die humorvoll, traurig, energetisch und kaputt sind. Vor allem ist «Pudels Kern» ein ehrliches und aufrichtiges Buch voller Spurensuche, Sinnsuche und eines, das sowohl den Erfolgen wie den Niederlagen des jungen Rocko Schamoni ein Gesicht gibt.


«Frau Komachi empfiehlt ein Buch» von Michiko Aoyama

Was für ein wunderbares Buch, das ich viel zu lange auf meinem Bücherstapel liegen hatte. Und leider nicht mehr weiß, wer es mir 2025 geschenkt hatte.
Frau Komachi ist eine Bibliothekarin in einer kleinen Tokioter Bücherein. Sie hat ein Händchen oder vielmehr einen Sinn dafür, bei 5 Menschen mit einer einzigen Frage zu erkennen, was sie wirklich suchen. Ihre Buchempfehlungen führen zu einer oftmals großen und großartigen Veränderung von Lebensumständen. Das zu lesen, macht Freude, hat mir den einen und anderen Gedankenhorizont geöffnet und enthält einige sehr wahrhafte Impulse zu einem besseren und herzlicheren Umgang mit Menschen.


«Das Licht ist hier viel heller»
von Mareike Fallwickl

Nach «Dunkelgrün fast schwarz» der zweite Roman von Mareike Fallwickl. Vorab: Er kommt nicht an das Debut heran, dass 2024 zu meinen Top 20-Büchern gehörte. «Das Licht ist hier viel heller» handelt an vielen Stellen vom Scheitern in Beziehungen und auf dem Weg zur Rückkehr in den Erfolg. Den sucht der lange – aber inzwischen nicht mehr
 erfolgreiche Hauptprotagonist als Schriftsteller. Als er Briefe einer Frau erhält, die an den Vormieter gerichtet sind, die er aber liest, öffnet sich für ihn ein Weg für einen neuen Roman inmitten der beginnenden #metoo-Bewegung. Und während er hier zwar nicht abschreibt, aber die Inhalte übernimmt, weiß er zum einen nicht, dass seine Tochter, die an den Wochenenden mit ihrem Bruder bei ihm mehr oder weniger abhängt, diese Briefe auch liest. Briefe in einem Spannungsfeld von Liebe und Brutalität, die sie in ähnlicher Form erlebt hat. Und dann wird es ein richtig guter Roman.


«Einatmen Ausatmen»
von Maxim Leo

Nichts hat in dieser Zeit einen ambivalenteren Ruf als der Begriff und das Business um Achtsamkeit.
Maxim Leo hat einen humorvollen, nachdenklichen und manchmal auch eigenwilligen Roman darübergeschrieben. Die Hauptdarstellerin soll Vorstandschefin in einem Konzern werden. Was ihr fehlt, ist Empathie und an verschiedenen Stellen die notwendige Sensibilität in der Führung. Um diese Kompetenzen zu entwickeln, soll sie ein 2-wöchiges Achtsamkeits- und Selbstoptimierungs-Training bei einem absoluten Erfolgscoach auf Schloss in Brandenburg absolvieren. Damit ist sie zunächst einmal heillos überfordert. Im Verlauf des Romans entwickelt sich dann ihre Persönlichkeit und der Roman nimmt eine nicht unbedingt vorhersehbare Wende. Maxim Leo schreibt an verschiedenen Stellen immer wieder mit einem Unterton zu einer Branche, die sich im übertriebenen Maße das Thema der Achtsamkeit und der Glücksfindung zu eigen gemacht hat. Das hat mir besonders gefallen, weil ich der Überzeugung bin, dass wir vieles von dem, in uns selbst haben.


«Die Passion des stillen Rächers»
von Andrea Camilleri

Der Kauf von «Die Passion des stillen Rächers» habe ich aus einer Box mit reduzierten Büchern gefunden. Weil ich inzwischen viel lese, hat die Anzahl der gelesenen Krimis deutlich abgenommen, mögen tue ich sie zwischendrin aber immer wieder.
Der 8. Band um den sizilianischen Commissario Montalbano ist eine leichte nicht mafiöse Lektüre für zwischendrin. Ein guter aber durchschaubarer Plot um eine Entführung, die sich bald auflöst. Dass dahinter aber eine andere Geschichte steckt, lässt Montalbano nicht los und lässt ihn weiter ermitteln. Bis er auf die wahren Gründe stößt und dann zu einer eigenwilligen und irgendwie guten Lösung gelangt. 

Freitag, 31. Juli 2026

Den Traum erfüllen

auf deine schlafende haut
legt sich das schattenmuster
der sommerbäume im wind
später wirst du den traum erfüllen
jenen der die zeit auslöscht
die gedanken bloßlegt
und den himmel verzehrt



Hermann Josef Schmitz


Ich wünsche Euch ein traumerfüllendes Wochenende.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Wir fanden keine Antworten mehr

wir schwiegen aufmerksam
und blieben doch hilflos in unseren antworten
wenn wir etwas von bedeutung zu sagen hatten
zwischen all den befürchtungen einer brennenden zeit
die eine unkenntlichkeit zurückließ wie nie
flüchteten menschen und fanden gründe
für ihre eigene unschuld
(gleichzeitig hatten sie die schuldigen präsent)
andere verdienten am verkauf des klimas
und ihre aussagen trieften vor zynismus
längst war überforderung in die gedanken gewandert
alles folgte einem fremden plan
jetzt nur nicht auffallen nichts unterwandern
mitschwimmen sich an die regeln halten
wir schwiegen aufmerksam
und fanden keine antworten mehr



Hermann Josef Schmitz