Freitag, 21. September 2018

Sonnuntergang

Nun steh ich vor gewaltigem Schein
Und staune in′s Abendrot hinein.
Am Walde lehnt mein Rücken an:
Der Wald raunt nur noch dann und wann,
Ob alle die Stämme beisammen sind
Und ängstlich geht der Wächter Wind.


Und vor mir sinkt die Stadt hinunter
Wie ein unglaubhaft Traumeswunder.
Von Dörfern Rauch zieht dicht und schwer
Wie über Kohlenmeiler her.
Mich aber flügelt gewaltiger Schein
In die gleißenden Abendrotwirbel hinein.



Hugo Ball

Mit der Empfehlung von zwei gelesenen Büchern, die mich auf unterschiedlichste Art und Weise ansprechen, wünsche ich ein wortreiches und lichtvolles Wochenende.




Donnerstag, 20. September 2018

Ankommen

in räumen wohnte ich
zwischen den zeilen
nährte sich meine gewissheit
heimat reifte jahr um jahr
in den wäldern deines herzens



Hermann Josef Schmitz

Mittwoch, 19. September 2018

Die Nacht wächst wie eine schwarze Stadt

Die Nacht wächst wie eine schwarze Stadt,
wo nach stummen Gesetzen
sich die Gassen mit Gassen vernetzen
und sich Plätze fügen zu Plätzen,
und die bald an die tausend Türme hat.


Aber die Häuser der schwarzen Stadt, –
du weißt nicht, wer darin siedelt.


In ihrer Gärten schweigendem Glanz
reihen sich reigende Träume zum Tanz, –
und du weißt nicht, wer ihnen fiedelt ...



Rainer Maria Rilke

Dienstag, 18. September 2018

14092018 // S 01 M // 48:23

lichtkämme schattenlinien in der kurve ein herzschlag aufgeregte atemschritte ein neugieriges erwachsenwerden und durch die jahre kommen immer lernen sehen erfahrungen sammeln spüren und an einem unerwarteten tag weniger werden daran denken mit einer grossen ferne aber betroffen sein eine bewegung abbrechen müssen einen gedanken erinnern einen anderen nicht finden lichtschwellen hinter den träumen in die sich vergangenheit igelt unanfassbar wird schwer den morgen lostritt wie einen unerwünschten schwung und dann lichtungen gedanken die sich auflösen leichtigkeit eine aufkommende schnelligkeit und der innere blick auf die schrittfolgen und später auch diesen blick verlieren mich einfügen in den leisen zerfall den ersten geruch aufnehmen der den herbst ankündigt das schöne weichgewordene blau ab und zu wolkenherden die eine spur aufnehmen und wieder vergehen mich einfügen und mich freuen über die sich verlierenden gedanken die pulsierenden muskeln mich freuen auf deine lippen deinen schwung im blick und deine aufkommende nähe lichtkämme schattenlinien spätsommer und treibgut aus luft


Hermann Josef Schmitz