I
der sprache folgen und
spüren wie das herz sich an einer immer wieder verschlossenen stelle öffnet
geschichten folgen der aufopferung von menschen im glauben an das gute inmitten
der ungerechtigkeiten trägt der große fluss die jahrhunderte an seinen ufern
entlang unter den groß gewachsenen bäumen zwischen unbekannten eine verbindung
erkennen und den einen moment nicht verpassen in dem der tag dir ein siegel
anbringt ein siegel aus einer nicht fassbaren sicherheit die dir bleibt dort wo
du dich in deinen jungen jahren suchtest dem leben eine spur legtest und der
sprache folgtest wie heute wenn sich die bestimmungen neu verfestigen ein
geduldiger traum nicht aufhört zur sehnsucht zu werden im scherenschnitt des
großen domes
II
es ist die sprache und es sind die geschichten die auch nach so vielen jahren
nichts von ihrem glanz und ihrer bedeutung verloren haben es sind die langen reisen
voll unbestimmter pläne an deren rändern die musik aus deiner stadt wie ein geländer
blieb nicht sichtbar und doch immer da es ist ein großes herz dessen gefühl
sich in der großen stadt zwischen alle straßenschluchten legt
Hermann Josef Schmitz
Wortgarage
Donnerstag, 16. Juli 2026
Köln
Dienstag, 14. Juli 2026
Köln, Tel-Aviv-Straße
die stadt
schläft niemals ganz
zu ruhelos sind viel zu viele menschen
noch vor der ersten hellen stunde
legt sich ein fremdgemachter spiegel
ungefragt auf die erwachenden gedanken
legt einen schatten in den letzten traum
und von den großen litfaßsäulen
versprechen sie dir lebensfreude
mit worten die sie der poesie gestohlen haben
die stadt schläft niemals ganz
doch von den hohen kirchentürmen
legt sich wenn du den glocken folgst
ein stillsein aus jahrhunderten in diesen morgen
nur jene die vom muff und mief vergangener zeiten reden
haben längst ihr staunen über diesen klang verloren
sie suchen alles was sie stört und stören könnte
und gehen doch unter in ihrem dröhnen diesem lärm
von werbung die von litfaßsäulen
pure lebensfreude verspricht
Hermann Josef Schmitz
Sonntag, 12. Juli 2026
Juli I
im
unendlichen blau schaukeln die weißen schatten aber sie die sie die zeit nur
noch im zersprungenen spiegel sehen haben aufgehört sich im staunenden
schweigen zu üben sie leben in dem was sie leben nennen eingehüllt in fremde
systeme verknüpft mit bildmaschinen denen sie die bestimmung übereignet haben
im unendlichen blau schaukeln die weißen schatten aber sie die sie längst den
übermut und die spontaneität verloren haben neue abgründe aufgetan zerreden die
letzte ungetrübte ungefilterte schönheit schon versiegen die quellen die
antagonisten finden schon lange keinen platz mehr in den gedanken wenn es
ungemütlich wird wuchert die wut aus den gesichtslosen gesichtern finden sie gründe
genug für das vermeintliche unrecht immer nur schön die komfortzonen polstern
immer nur schön den eigennutz füttern im unendlichen blau schaukeln die weißen
wolken die worte sind lau und leblos geworden die raststätten des lebens sehen sie nur
im vorbeifahren es gilt die zeit im zersprungenen spiegel auszunutzen dort wo
sich schon lange die wahrheit verfälscht dort wo die maßlosigkeit sich selbst
denkmäler baut inmitten einer unberechenbar gewordenen zeit
Hermann Josef Schmitz
Freitag, 10. Juli 2026
Bei uns und mit uns
wir gingen
durch
helle und verschattete tage
mal sprachen wir zueinander
dann schwiegen wir
immer blieben wir
bei uns und mit uns
Hermann Josef Schmitz
Auf ein liebevolles Wochenende mit vielen Gelegenheiten im Schatten.
