Sonntag, 15. Juli 2018

14072018 // S 10 // 1:14:48

wortlose lichtungen nur der hall deiner eigenen schritte läuft hinter dir her selbst der fluss scheint zu schweigen herzschläge bauen atemsätze noch wirft sich kein schatten über die wege dann und wann ferne hinter einer biegung kleine zweifel ein müder gedanke aber es bleibt ausreichend zeit steine bleichen an kühlen ufern ein regengebet zwischen den dunkel gewordenen bäumen lichtgarben gepresster himmel eine bienenherde später im echinaceastrauch sonnenaltäre und kommende tage aus der zeitangel gehoben für später wenn die schritte schneller werden und der hall im gewebe der stimmen ungehört bleibt wortlose lichtungen leere bücher sehnsucht ein unruhiger schlaf hinter dem zeitscheitel kentert ein schatten federn muskeln atmen hände spüre ich meine sehnsucht nach einem hafen nach einer brücke nach dir


Hermann Josef Schmitz



Spannende Wolken- und Lichtstimmungen gestern Abend am Brienzer See ... und schönste Zeit zu Viert.













Samstag, 14. Juli 2018

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang

Nenn ich dich Aufgang oder Untergang?
Denn manchmal bin ich vor dem Morgen bang
und greife scheu nach seiner Rosen Röte -
und ahne eine Angst in seiner Flöte
vor Tagen, welche liedlos sind und lang.


Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen;
in meinem Armen schlafen Wälder ein, -
und ich bin selbst das Klingen über ihnen,
und mit dem Dunkel in den Violinen
verwandt durch all mein Dunkelsein.



Rainer Maria Rilke

Freitag, 13. Juli 2018

Wer soll denn sagen wie Dein Leben geht

hinter den schnitträndern beginnt die leidenschaft
unbeschwert wandern die worte ins grüne
bedenkenlos legt sich der himmel ins gras
rückwärts schaust du den fremden argumenten nach
und findest keinen gefallen daran
wer soll denn sagen wie dein leben geht
wenn du es nicht selbst in die hand nehmen magst
auf den schnitträndern der leidenschaft
tragen wasserflügel einen flüchtigen traum



Hermann Josef Schmitz



Ein wunderbarer Tag ein Montreux, zwei tolle Konzerte von der Swiss Band und The Gardener and the tree. Nach dem Konzert konnten wir noch mit dem sympathischen und stimmgewaltigen Sänger Manuel Felder sprechen :-).


Habt ein luft-, licht- und liebesreiches Wochenende.
















Donnerstag, 12. Juli 2018

Sprich auch du

Sprich auch du,
sprich als letzter,
sag deinen Spruch.


Sprich -
Doch scheide das Nein nicht vom Ja.
Gib deinem Spruch auch den Sinn:
gib ihm den Schatten.


Gib ihm Schatten genug,
gib ihm so viel,
als du um dich verteilt weißt zwischen
Mittnacht und Mittag und Mittnacht.


Blicke umher:
sieh, wie's lebendig wird rings -
Beim Tode! Lebendig!
Wahr spricht, wer Schatten spricht.


Nun aber schrumpft der Ort, wo du stehst:
Wohin jetzt, Schattenentblößter, wohin?
Steige. Taste empor.
Dünner wirst du, unkenntlicher, feiner!
Feiner: ein Faden,
an dem er herabwill, der
um unten zu schwimmen, unten,
wo er sich schimmern sieht: in der Dünung
wandernder Worte.



Paul Celan

Mittwoch, 11. Juli 2018

08072018 // S 01 L // 58:20

keinen raum suchen auch keinen turm und kein buch aber hinter der gestohlenen stunde einen schatten der mit mir läuft am gatter zum wasser die stummen fische ein tiegel aus licht verschwundene wolken hin und wieder suchen immer noch suchen heimat worte mich selbst und meinen schatten suchen meinen umriss den staub ungeregneter tage und hinter die gedanken schweifen den grund für die geheimnisse nicht entschlüsseln eine liegengebliebene frage wieder finden eine zuneigung ein betörendes wort und raumlos bleiben auf diesem weg den bäumen entlang als würde ich zum anfang des tages reisen die aufgeriebene luft dein entblößter traum am offenen gewinde des morgens aus den schienen der gelaufenen stunde entgleisen mitten auf die spur deines unberührten tages deiner lippen deiner karte aus fingern und wimperngestein


Hermann Josef Schmitz



The Gardener and the tree - Indie-Folk aus der Schweiz. Sie spielen morgen Abend am Jazz Festival in Montreux und wir freuen uns auf ein hoffentlich tolles Konzert am Genfer See.




Dienstag, 10. Juli 2018

Morgenglück

Aneinander erwachen
Aus ahnendem Traum,
Die Augen aufmachen
In klingendem Raum.


Die Hände fühlen
Und schlafeswarm
Hinüberspülen
In deinen Arm.


So süß gebettet,
So Blut an Blut,
So sanft gerettet
Aus Nacht und Flut.


Im Grenzenlosen
So still zu zweit...
Der Tag weht Rosen
So leicht, so weit...



Eugen Roth
Und einige Impressionen von unserem Abendglück - dem Spaziergang durch den Park der Kantonalen Gartenbauschule Oeschberg.