in den versehrten innenhöfen sucht sich das herz
quoten sind die einzig verbliebene währung geworden jede bewegung wird an einen
zweck gekoppelt sie leuchten die innenhöfe bis in die hintersten winkel aus während
die geheimnisse aus dem lot kippen während die messbaren und sichtbaren
ergebnisse zu gewollten unwahrheiten werden sie bieten keine kreuzungen mehr
für entscheidungen an die bedienungsanleitungen zählen nach denen es vorzugehen
gilt reichweiten zählen marktanteile werbebudgets und nicht der kluge reine
gedanke der absichtslos und doch gewollt etwas in gang bringt der nicht zu
messen ist der nicht auf währungskonten einzahlt der aber eine haltung erzeugt
eine innere ausrichtung der die versehrten innenhöfe heilen kann dort wo ein
gedanke zu einem seufzenden loslassen wird dort wo ein herz aufgehen kann ein
herzschlag sich zu beruhigen vermag und dennoch zu einem aufbruch ins leben kommen
will dort wo die begegnung zur liebe wird zur liebe des anderen seines herzens
und seiner aufrichtigen gedanken
Hermann Josef Schmitz
Wortgarage
Montag, 27. April 2026
April II
Samstag, 25. April 2026
Aber immer wieder
ein schlaftrunkener morgen ist das noch
vögel stolpern über letzte winterflechten
hinter dem verblassenden fiebertraum
aber wechselt das licht die seite
aus allen poren sprießt glänzendes grün
tulpen öffnen das geheimnis dieses morgens
nie mehr werden die kommenden tage so sein
aber immer wieder werden sie zurückkehren
Hermann Josef Schmitz
Donnerstag, 23. April 2026
Kirschblütentage
an den hügeln
blühen jetzt die kirschbäume
wärest du jetzt hier
noch ein einziges mal
füllte sich dein herz
ständest du still
vor dem späten glück
eines einzigen tages
bereit zu gehen
an den hügeln
blühen jetzt die kirschbäume
und ich erinnere mich
an jenen wintertag
an dem du das licht
und die wärme
der kirschblütentage ersehntest
für H.
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 21. April 2026
Zuhause
die blüte des frühen morgens
wiegt sich zaghaft im lauf der stunde
dort wo alles denken wieder beginnt
wenn schwere träume die häfen verlassen
legt sich ein warmes blau
über den lauf der stunde
finden dich worte von selbst
hier an diesem glücklichen ort
wo die blüte des frühen morgens
dem lauf ihrer wiederkehr folgt
Hermann Josef Schmitz
Sonntag, 19. April 2026
Albufeira
I
muschelsäume und ein nie gehörtes tosen dort wo sich die wellen brechen ziehen
wolken mit einer seltenen eleganz über den himmel hinweg sand trägt die farben
der felsen salzluft dingt auf die haut legt sich in die verschwiegenen
atemworte mit leichtem schritt wanderst du von ufer zu ufer und schenkst mir
verführungen zum leben
II
schaumnetze sich überschlagende wellen und immer dieses schleifen das knistern
der kiesel muscheln sandperlen lichtströme luftfäden eine graue wolkenstadt dazwischen
blausilber und der flug der möwen mit flüchtigem schattengewand
III
später werde ich an diese stunde denken wenn die grauen wolken überhand nehmen
wollen später werde ich den geruch der salzluft noch immer erahnen später wird
diese stunde immer noch unsere stunde sein
Hermann Josef Schmitz
Damit enden die Algarve-Texte ... es gibt aber genug andere Poesie, die weiter zuverlässig hier Platz findet.