zuerst
verschwanden die schwünge der hände
formten sich keine worte und noten mehr auf papier
dann verschwanden die in gedanken entstandenen lieder
wurden von maschinen zu kalten gebilden geformt
später verschwanden die zärtlichkeiten der poesie
verschwanden intuitive tonfolgen der geruch von eleganz
dann blieben beliebige kunstwerke ohne seele
für beliebige menschen die keine geschichten mehr suchten
Hermann Josef Schmitz
Bin bisschen im Rückstand mit der Vorstellung gelesener Bücher - hier sind die nächsten 5 aus diesen Wochen:
«Pudels Kern» von Rocko Schamoni
Vor vielen Jahren habe ich «Dorfpunks» von Rocko Schamoni gelesen, einen
wunderbaren Roman über seine Jugend in den 70er und frühen 80er Jahren. In «Pudels Kern» schreibt Schamoni nach seinem Wegzug aus Schleswig-Holstein über
seine ersten Jahre in Hamburg und seinen Versuchen als provozierender
Schlagerentertainer Fuß zu fassen. Das Buch beinhaltet eine Fülle von Anekdoten
von Jemandem, der in die große weite Welt der Musik eintaucht, mit den Toten
Hosen, den Ärzten und anderen heute so großen Bands auf der Bühne steht und doch
nie ganz rauskommt. Es ist eine Fülle von Geschichten, die humorvoll, traurig,
energetisch und kaputt sind. Vor allem ist «Pudels Kern» ein ehrliches und
aufrichtiges Buch voller Spurensuche, Sinnsuche und eines, das sowohl den Erfolgen
wie den Niederlagen des jungen Rocko Schamoni ein Gesicht gibt.
«Frau Komachi empfiehlt ein Buch» von Michiko Aoyama
Was für ein wunderbares Buch, das ich viel zu lange auf meinem Bücherstapel
liegen hatte. Und leider nicht mehr weiß, wer es mir 2025 geschenkt hatte.
Frau Komachi ist eine Bibliothekarin in einer kleinen Tokioter Bücherein. Sie
hat ein Händchen oder vielmehr einen Sinn dafür, bei 5 Menschen mit einer
einzigen Frage zu erkennen, was sie wirklich suchen. Ihre Buchempfehlungen führen
zu einer oftmals großen und großartigen Veränderung von Lebensumständen. Das zu
lesen, macht Freude, hat mir den einen und anderen Gedankenhorizont geöffnet
und enthält einige sehr wahrhafte Impulse zu einem besseren und herzlicheren
Umgang mit Menschen.
«Das Licht ist hier viel heller» von Mareike
Fallwickl
Nach «Dunkelgrün fast schwarz» der zweite Roman von Mareike Fallwickl.
Vorab: Er kommt nicht an das Debut heran, dass 2024 zu meinen Top 20-Büchern
gehörte. «Das Licht ist hier viel heller» handelt an vielen Stellen vom
Scheitern in Beziehungen und auf dem Weg zur Rückkehr in den Erfolg. Den sucht der
lange – aber inzwischen nicht mehr – erfolgreiche Hauptprotagonist als Schriftsteller.
Als er Briefe einer Frau erhält, die an den Vormieter gerichtet sind, die er
aber liest, öffnet sich für ihn ein Weg für einen neuen Roman inmitten der beginnenden
#metoo-Bewegung. Und während er hier zwar nicht abschreibt, aber die Inhalte
übernimmt, weiß er zum einen nicht, dass seine Tochter, die an den Wochenenden mit
ihrem Bruder bei ihm mehr oder weniger abhängt, diese Briefe auch liest. Briefe
in einem Spannungsfeld von Liebe und Brutalität, die sie in ähnlicher Form
erlebt hat. Und dann wird es ein richtig guter Roman.
«Einatmen Ausatmen» von Maxim Leo
Nichts hat in dieser Zeit einen ambivalenteren Ruf als der Begriff und
das Business um Achtsamkeit.
Maxim Leo hat einen humorvollen, nachdenklichen und manchmal auch eigenwilligen
Roman darübergeschrieben. Die Hauptdarstellerin soll Vorstandschefin in einem
Konzern werden. Was ihr fehlt, ist Empathie und an verschiedenen Stellen die
notwendige Sensibilität in der Führung. Um diese Kompetenzen zu entwickeln,
soll sie ein 2-wöchiges Achtsamkeits- und Selbstoptimierungs-Training bei einem
absoluten Erfolgscoach auf Schloss in Brandenburg absolvieren. Damit ist sie
zunächst einmal heillos überfordert. Im Verlauf des Romans entwickelt sich dann
ihre Persönlichkeit und der Roman nimmt eine nicht unbedingt vorhersehbare
Wende. Maxim Leo schreibt an verschiedenen Stellen immer wieder mit einem
Unterton zu einer Branche, die sich im übertriebenen Maße das Thema der
Achtsamkeit und der Glücksfindung zu eigen gemacht hat. Das hat mir besonders gefallen,
weil ich der Überzeugung bin, dass wir vieles von dem, in uns selbst haben.
«Die Passion des stillen Rächers» von Andrea Camilleri
Der Kauf von «Die
Passion des stillen Rächers» habe ich aus einer Box mit reduzierten Büchern
gefunden. Weil ich inzwischen viel lese, hat die Anzahl der gelesenen Krimis
deutlich abgenommen, mögen tue ich sie zwischendrin aber immer wieder.
Der 8. Band um den sizilianischen Commissario Montalbano ist eine leichte nicht
mafiöse Lektüre für zwischendrin. Ein guter aber durchschaubarer Plot um eine
Entführung, die sich bald auflöst. Dass dahinter aber eine andere Geschichte
steckt, lässt Montalbano nicht los und lässt ihn weiter ermitteln. Bis er auf
die wahren Gründe stößt und dann zu einer eigenwilligen und irgendwie guten Lösung
gelangt.
Wortgarage
Sonntag, 2. August 2026
Künstlich
Freitag, 31. Juli 2026
Den Traum erfüllen
auf
deine schlafende haut
legt sich das schattenmuster
der sommerbäume im wind
später wirst du den traum erfüllen
jenen der die zeit auslöscht
die gedanken bloßlegt
und den himmel verzehrt
Hermann Josef Schmitz
Ich wünsche Euch ein traumerfüllendes Wochenende.
Mittwoch, 29. Juli 2026
Wir fanden keine Antworten mehr
wir
schwiegen aufmerksam
und blieben doch hilflos in unseren antworten
wenn wir etwas von bedeutung zu sagen hatten
zwischen all den befürchtungen einer brennenden zeit
die eine unkenntlichkeit zurückließ wie nie
flüchteten menschen und fanden gründe
für ihre eigene unschuld
(gleichzeitig hatten sie die schuldigen präsent)
andere verdienten am verkauf des klimas
und ihre aussagen trieften vor zynismus
längst war überforderung in die gedanken gewandert
alles folgte einem fremden plan
jetzt nur nicht auffallen nichts unterwandern
mitschwimmen sich an die regeln halten
wir schwiegen aufmerksam
und fanden keine antworten mehr
Hermann Josef Schmitz