Freitag, 22. September 2017

Das Sommergehäuse ist entwohnt

das sommergehäuse ist entwohnt
von seinen wänden blättert schattenlicht
das sommergehäuse ist entwohnt
in stillen räumen liegen ungesagte worte
ein augenblick ein unbekanntes atmen
das sommergehäuse ist entwohnt
die türen stehen weit ein erstes fenster bricht
die wilden lüfte wuchern und zünden regenfeuer an
und wie ein unbemerkter stein verwittert leise sehnsucht



Hermann Josef Schmitz



Ich wünsche allen die hier lesen, ein Wochenende, an dem sich das Sommergehäuse nochmal bewohnt und die Sehnsucht voller Freude wuchert.

Donnerstag, 21. September 2017

Reue

Die Tugend will nicht immer passen,
im ganzen läßt sie etwas kalt
und daß man eine unterlassen,
vergißt man bald.


Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,
der von vergangnen Zeiten träumt,
an die Gelegenheit zum Laster,
die er versäumt.



Wilhelm Busch

Mittwoch, 20. September 2017

Über die Zeit hinaus

wortreihen und die stille als weites leben in dem sich wortreihen entzünden wie feuer und der schwung der stimme die sich in die räume legt an schiffen und flüssen vorbei und eine sehnsucht weckt eine reine sehnsucht wie einen traum aus wildem gras und dazwischen entnommenes holz und zurückgebliebenes das im vergehen neu gewachsen ist helle fenster und große wolkengehäuse am hang der berge die schauen zwischen dem dunkler werdenden grün hier bin ich mitten in einem neuen ort mit dir vertraut und bewohnt ist mein herz von der fülle deiner liebe und wir sitzen und atmen die worte und sie zeichnen die bilder neu und wir schauen wie das licht sich verändert die schiffe ziehen und ein engel wartet bis es dunkel wird und hören zwischen die zeilen schauen die muster auf dem rücken kleiner und großer welten das licht spiegelt sich durch die fenster wirft schatten sammelt sich in spiegeln in augen und das staunen über solch eine fülle von farben worten feuern und der liebe zum leben nährt die stunden über die zeit hinaus


Hermann Josef Schmitz



Wie versprochen Teil II der Bilder und der durch diese wunderbare Veranstaltung inspirierte Text.

















Dienstag, 19. September 2017

Das ist die Sehnsucht

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.


Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.



Rainer Maria Rilke



Wir sind immer noch beeindruckt von der Ausstellung "LINES" von  Marianne Büttiker (auf meiner Linkliste) und  Sammy Deichmann im  Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist. Wir durften am Sonntag an der Lesung und der Führung durch die beiden teilnehmen und waren beeindruckt, berührt, beseelt, umarmt und bereichert. Und besonders haben wir uns nach so vielen Jahren des virtuellen Kennens gefreut, Marianne Büttiker persönlich kennenzulernen.

Hier ist der erste Teil der Impressionen, einen zweiten gibt es morgen:  
























Montag, 18. September 2017

Und jeder Schritt ist mehr als eine Zeile eines Lebens

die ausdruckslose luft
streift jedes körperteils bewegung
und jeder schritt ist mehr
als eine zeile eines lebens
am wegrand blüht jetzt
was so lange warten musste
und gibt dem grauen himmel
einen leisen schein
und jeder schritt ist mehr
als eine zeile eines lebens
die kanten werden weicher
ins schattenlose wächst das licht
und was zu trösten scheint
wie eines grünes baumes leuchten
ist leises gift
das in den blättern liegt
und jeder schritt ist mehr
als eine zeile eines lebens



Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 17. September 2017

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.


O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.



Friedrich Hebbel

Samstag, 16. September 2017