verwahrloste sehnsüchte und bleierne stille die
sich über den halbherzigen traum legt längst ist der blick für das schöne und
auf das schöne verloren gegangen blütenknospen im feuchten gewand eines ersten
hellen morgens könnten den gleichschritt brechen und zum innehalten verführen
aber sie lassen sich mit falscher liebe ködern die verführenden leben vom
geschäftsmodell trauriger beziehungen und zum glücklichsein gibt es anleitungen
in hochglanzbüchern die verwahrlosten sehnsüchte aus einer zeit als sich die
erinnerung wie eine berührende bordüre an die schönen innenräume legte wuchern
von tag zu tag und bleiben zu oft unerfüllt unter der haut wachsen narben sie würden
im licht blühen und würden sich in worte kleiden während ich den tag öffne
wächst in mir ein stolzer gedanke in deinen schlaf zu dir denke ich einmal mehr
an das was wir haben und lege die fehlenden wünsche in den kassiber der
unnötigkeit verwahrloste sehnsüchte lösen sich und ich folge ihnen und folge
deiner liebe weil ich meinen und deinen weg aufs neue entdecken mag
Hermann Josef Schmitz
Höchste Zeit, hier wieder
gelesene Bücher vorzustellen 😊:
«Die Unbekannte» von Guillaume Musso
Guillaume Musso stand als Empfehlung schon lange auf meiner Liste von zu
lesenden Autoren. «Die Unbekannte» ist ein Krimi und für mich doch irgendwo
keiner, auch weil das Ende so ganz anders ist.
Eine Polizistin wird aufgrund missachteter Dienstvorschriften in die «Abteilung
für ungewöhnliche Fälle» versetzt. Die verwirrte Unbekannte, die aus der Seine
gerettet wurde, wird in die Psychiatrie eingeliefert und entwischt dort aber
wieder der Begleitperson. Ihre DNA gehört einer weltberühmten Pianistin, die
aber nachweislich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
Allen bürokratischen Hindernissen zum Trotz und mit viel Energie macht sich die
Polizistin an die Aufklärung. Und das ist auf jeden Fall lesenswert.
«Die schönste Version» von Ruth-Maria Thomas
Ein sehr schonungsloser und dennoch empathischer Roman ist das Debut von
Ruth-Maria Thomas. Die Geschichte von der Studentin Jella, die in einer
gewaltsamen Beziehung lebt und zuvor schon einmal von einem Bekannten
vergewaltigt worden war. Am Beginn des Romans zeigt die Hauptdarstellerin ihren
Partner an, nachdem er sie beinahe getötet hatte. Daraus entwickelt Thomas
Rückblenden in verschiedenen Strängen bis hin zur Sozialisierung als Teenager
in der Nachwendezeit. Ich musste im Lesen zwischendrin pausieren, den Kopf
innerlich schütteln ob der alten Patriarchat-Muster und -Wirkungen.
«Yoga Town» von Daniel Speck
Auch «Yoga Town» stand schon eine Weile auf meiner Liste der zu lesenden
Bücher. Der Roman von Daniel Speck beginnt im Jetzt mit dem Verschwinden einer
Ehefrau, die 1968 mit einem Hippie, seinem Bruder und dessen Freundin nach Rishikesh,
dem Geburtsort des Yogas, gefahren ist. Lou, der Ehemann, reist ob des
Verschwindens, mit seiner Tochter (einer Yoga-Lehrerin) an diesen Ort. Dort ist
er damals den Beatles begegnet (und die liebe ich ja bis zum heutigen Tag) und
dort entfaltet sich diese Zeit von 1968 und alles, was die 4 Reisenden damals erlebten,
aufs Neue. Und dort gibt es dann auch die Verbindung zu dem Verschwinden von Lou’s
Ehefrau.
Manchmal bisschen langatmig, aber auf jeden Fall sehr lesenswert.
«Zauber der Stille» von Florian Illies
Seit wir uns 2024 intensiver mit Caspar David Friedrich beschäftigt
haben, wartete «Zauber der Stille» von Florian Illies darauf, gelesen zu werden.
Und mit einem zeitlichen Versatz war es dann nochmal ein schönes Erinnern an
die Begegnungen mit Friedrich im Museum, im Dom von Greifswald und an kleinen,
beinahe unbemerkten Plätzen. Illies ist Kunsthistoriker und spannt im Buch
einen Bogen vom Leben des Caspar David Friedrich bis in die Gegenwart, von den „Beziehungen“,
die die Bilder in verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Menschen herstellten,
über ihr Verschwinden und auch das Beinahe-Verschwinden von Friedrich in bestimmten
Zeitdekaden. Und wie ein roter Faden geht es auch um seine vergeblichen Versuche, von Johann
Wolfgang Goethe gemocht zu werden. Da schmunzelte ich beim Lesen immer mal
wieder.
Es hat mir sehr gefallen, wie Illies diese Miniaturen angelegt hat, eines der
besonderen Bücher dieses Jahres, das weiß ich jetzt schon.
«Seit er sein Leben mit einem Tier teilt» von Bodo
Kirchhoff
Und wenn es auch einige Lesende enttäuschen mag, kann ich dieses Kirchhoff-Buch
leider nicht auf die Liste der besonderen Bücher 2025 nehmen. Und ich kann es
noch nicht mal richtig begründen. Die Sprache von Kirchhoff ist unverändert
großartig (ich habe in den letzten 30 Jahren sicher 15 Bücher von ihm lesen
dürfen). Ein alternder Schauspieler, der mit seiner Hündin am Gardasee lebt,
begegnet innerhalb kurzer Zeit mehreren Frauen: einer gestrandeten
Reisebloggerin (deren Mutter später auch noch dazukommt), einer Journalistin,
die ihn porträtieren will und dazu Frauen aus seiner Vergangenheit, u.a. seine
verstorbene Frau. Der Roman birgt viel Tragik, viel Schicksal und viel
Verlust. Vielleicht ist es das, was mich gerade nicht angesprochen hat.
