Dienstag, 23. Januar 2018

Unter der Haut

unter dem vergehen des lichtstoffes
lauschten die träume
unter der haut
schliefen die verborgenen wünsche
und die augen und hände 
legten ihre zärtlichkeit
in das wiederkehrende atemmuster



Hermann Josef Schmitz



Die Flyer für die Osterausstellung 2018 sind von der kreativen Isabelle Hofer erneut sehr sehr schön gestaltet worden. Jetzt geht's knapp 2 Monate vor Start in die Aktivitäten.

Wir freuen uns schon sehr ... auf eine spannende Ausstellung mit vielen freudigen Besuchern.


Montag, 22. Januar 2018

Mehr als ein Leben

„Es ist mit dem Schreiben wie mit dem Lesen. Wir lesen, weil wir mehr als ein Leben leben wollen, und wir schreiben, weil wir mehr als ein Leben leben wollen.“


Bernhard Schlink
im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 20./21.01.2018

Sonntag, 21. Januar 2018

Zuversicht

ein januar in trübem silber
ein dunkler mund in dem die träume warten
wie die zugvögel auf einen frühling
ein januar in müdem wind
ein satz in dem die hoffnung sich erregt
wie in einem unbekannten anfang
ein januar in leerem schnee
ein gang durch einen kaum begangenen weg
an dessen ende sich ein neuer tag eröffnet
ein januar in hellem silber



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 20. Januar 2018

Ich wäre gern

Eines Tages Abends, vor ziemlich langer Zeit, berief Gott eine Versammlung ein.
Von allen Lebewesen war ein Abgesandter aus jeder Gattung geladen.
Nachdem sie alle zusammengekommen waren und Gott sich viele Klagen angehört hatte, stellte er seine einzige schlichte Frage: „Und, was möchtest du nun gerne  sein?“
Unverblümt und frei heraus gab jeder seine Antwort darauf:
Die Giraffe sagte, sie wäre gern ein Pandabär.
Der Elefant wünschte sich, eine Mücke zu sein.
Der Adler eine Schlange.
Der Hase wäre gern eine Schildkröte gewesen und die Schildkröte eine Schwalbe.
Der Löwe bat darum, Kätzchen sein zu dürfen.
Der Otter Wasserschwein.
Das Pferd eine Orchidee.
Und der Walfisch wäre gern eine Drossel gewesen …
Schliesslich war der Mensch an der Reihe, der zufällig gerade vom Weg der Wahrheit kam.
Er überlegte eine Weile, dann hatte er endlich die Erleuchtung und rief:
„Herr, ich wäre gerne … glücklich.“



Vivi García



Das zweite Buch von Arto Paasilinna, das ich gelesen habe. Liest sich gut und ist auch wieder schräg und handelt von der Rache eines zu Unrecht Beschuldigten, kommt aber nicht an
"Der Mann mit den schönen Füßen" heran.


Freitag, 19. Januar 2018

Du lebst weiter

immer hüten die stillen luftrosen
das gedenken am strassenrand
unter den himmeln bleibt ein riss
aus ungeschriebener traurigkeit
aber die erinnerungen bleiben unversehrt
nichts schönt sich und nichts verblasst
du lebst weiter in einer fuge
aus staunendem lachen und demut zum leben




                                                                                              für M.


Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 18. Januar 2018

Niemand sucht aus

Man sucht sich das Land seiner Geburt nicht aus,
und liebt doch das Land, wo man geboren wurde.


Man sucht sich die Zeit nicht aus, in der man die Welt betritt,
aber muss Spuren in seiner Zeit hinterlassen.


Seiner Verantwortung kann sich niemand entziehen.


Niemand kann seine Augen verschließen, nicht seine Ohren,
stumm werden und sich die Hände abschneiden.


Es ist die Pflicht von allen zu lieben
Ein Leben zu leben,
ein Ziel zu erreichen.


Wir suchen den Zeitpunkt nicht aus, zu dem wir die Welt betreten,
aber gestalten können wir diese Welt,
worin das Samenkorn wächst, das wir ins uns tragen.



Gioconda Belli

Mittwoch, 17. Januar 2018

Undecim

aufs neue verzweigen die wege
eine unbekannte weite öffnet sich
und unberührt zeigt uns die landschaft
herzblüten fingeraugen schwingendes wolkenglas
wir trauen den verzweigungen im wachsen der jahre
fügen uns ein und werden doch weiter
entmündigen die härte und bleiben uns eigen
bäume gräser gelesene wasserbücher
ordnen sich neu wachsen wuchern verzweigen
öffnen sich lichtlinien ungebändigt
wir wagen das bekenntnis für eine neue reise
flüstern die liebesworte mit einem neuen ton
wir wagen die zärtlichkeiten wie eine wiederkehr
entdecken das versprechen wie eine losung zum lieben
aufs neue erfinden sich unsere wegsteine
aufs neue wagen wir uns
aus den unbekannten schatten
des kommenden jahres




                                                                                  für Annemarie


Hermann Josef Schmitz



Wie schön, auf ein weiteres gemeinsames Jahr zurückschauen zu dürfen. Wie schön, sich mit Dir auf das nächste gemeinsame Jahr zu freuen. Ich danke Dir, meiner herzgeliebten Frau, für die Worte seinerzeit, die etwas in meinem Leben zum Blühen gebracht haben, um das ich nur ahnte. Und ich danke Dir für alles, was wir im zurückliegenden Jahr erleben durften. 

Du bist die, die ich meine und Du bleibst mir immer Verführung zum Leben ...

Dienstag, 16. Januar 2018

Orientierung

Mein Herz, diese Sonnenblume
auf der Suche
nach dem Licht.


Welchem
der lang vergangenen Schimmer
hebst du den Kopf zu

an den dunklen Tagen?



Hilde Domin

Montag, 15. Januar 2018

Das hält

der stille unbewohnte ast
streift unentwegt den fluss des wassers
die graue luft aus schweigen
trägt schwer am moos der weiten flügel
in einer unscheinbaren nacht
vermisst der traum den strand der sterne
mich hält der schwung von deiner schulter
an der die heimat ruht in der ich wohne



Hermann Josef Schmitz



Tiefgang und Heiterkeit ... ein geschriebenes Roadmovie vom Aufbruch einer 71-jährigen. Hat mir gut gefallen.