Montag, 27. März 2017

Das Zeugnis der Muschel

Jahrmillionen verfließen,
auch die Meere vertrocknen.
Einmal mitten im Festland
ergräbst du vielleicht eine Muschel.


Klein und zerbrechlich
hat sie den Ozean
überdauert.
Und aus dem leeren Gehäuse
flutet er zu dir zurück
ins Herz

als unendliche Woge.



Christine Busta

Sonntag, 26. März 2017

Abschied

noch dieser eine blick in den spiegel
und ein letzter gedanke an rückkehr
ein letztes winken am fenster hinaus
bis das spüren der berührung leise verblasst
ein anderer gedanke an heimkehr
über die augen zieht wie ein konzentrat
die straße sich öffnet mit ihren beschilderten anweisungen
noch dieser eine blick in den spiegel
und wissen wie du verschwindest aus dem augenwinkel
später dann und wann ein stilles lächeln
wenn eine unerkannte blume im fortbewegen aufgeht
etwas das flüchtig war bewusster wird
und die hoffnung sich nährt auf tage die kommen mit dir



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 25. März 2017

Bitte an einen Delphin

                                                                                           Für Christine Busta


Jede Nacht
mein Kissen umarmend wie einen sanften Delphin
schwimme ich weiter fort.


Sanfter Delphin
in diesem Meer von Herzklopfen,
trage mich


wenn es hell wird,
an einen gütigen Strand.
Fern der Küste von morgen.



Hilde Domin

Freitag, 24. März 2017

Bereit für die Reise

wenn das wasser zu stark wird
werden die steine bereit für die reise
schnell fallen sie aus den stockwerken ihrer gewohnheit
reiben sich im fließen des wassers
und des eigenen bewegens
schauen den vorbeistehenden ufern zu
wie ihnen ein warmer flaum wächst
und im inneren tief in ihrem inneren
formen sich worte die immer bleiben
wenn das wasser zu stark wird
wenn es von den bergen kommend
die gesänge des schnees davonträgt
über die herabhängenden äste schnellt
werden die steine bereit für die reise



Hermann Josef Schmitz




Auf ein schönes erstes Frühlingswochenende mit Blüten, weiten Himmeln und offenen Armen.




Donnerstag, 23. März 2017

Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.


Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob's Gedanken oder Träume? -


Schließ ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.



Joseph von Eichendorff




Und dazu poste ich Tagblumen – weiße Krokusse im Garten der Liebsten.



Mittwoch, 22. März 2017

... und hebt dich aus den dunklen träumen

von einem himmel der unendlich scheint
fällt ohne unterlass
durch wolkentürme und durch regenbäume
und ganz oft über glatte blaue bahnen
das unberührte licht in deinen meeresschoss
und wirkt dort wie ein leises feuer
verwächst mit einem leisen zittern deiner haut
und hebt dich aus den dunklen träumen



Hermann Josef Schmitz



Und wieder einmal inspiriert, auch wenn es nicht offensichtlich scheint, durch die schöne Poesie von Isabella Kramer.

Dienstag, 21. März 2017

Er ist's

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
—  Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!



Eduard Mörike

Montag, 20. März 2017

Blaues Licht

fast unbekannt das blaue licht
das sich verfängt im schnee der gipfel und auf grünen matten
und milde sich auf müde ufersteine legt
sie schauen blinzelnd aus den winteraugen
und ihre haut ist grau und bleich
doch bald wenn dieses blaue licht
sich bleibend in die ufersäume flicht
dann wird aus diesen steinen wie von neuem
ein schimmer und ein raues flüstern in die weite ziehen



Hermann Josef Schmitz


In meiner Linkliste ist imago-logisch schon lange, sein Post vom 5. März hat mich zu dieser Poesie verleitet. Und seiner Liebsten von Seelenruhig gratulieren wir heute ganz herzlich zu ihrem Geburtstag.

Und allen wünsche ich einen wunderbaren Start in den Frühling.

Sonntag, 19. März 2017

Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.



Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer

Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.



Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.



Georg Trakl



Wir haben neue Postkarten im Sortiment - nicht nur an der Osterausstellung im Schloss Jegenstorf.






Samstag, 18. März 2017

Vorfrühling

ganz leise wie aus einem stummen fenster
wuchs schattenloser wald aus blauen himmeln
ging aus der stille in das wachsen grüner wiesen
und als am nächsten morgen
sich die blüten weiter nicht versteckten
als sich der fluss mit einem sternenkleid
an seine aufgewachten ufer schmiegte
da keimte leises freuen über deinen herzschlag
und blieb als erster frühlingsschein in dir



Hermann Josef Schmitz



Schon länger bei mir, die DVD auch gesehen und endlich auch die 3 CDs auf dem Weg in die Schweiz gehört und auf der Rückfahrt wieder und wieder ...