Montag, 10. Februar 2025

Februar II

landschaft werden im leben flüchtige landschaft so wie unsere tage vorbeigehen die jahreszeiten wechseln entscheiden an welchem ort die tage erinnern und der liebe ein gefühl geben stark eindringlich und am schönsten ohne worte landschaft werden wie eine hautspur wiederkehrend reifend blühend still werden wenn die tage schneller reisen als die  entscheidungen getroffen werden können zeichen setzen wachsen widerstehen und sich verführen lassen nichts verschieben was jetzt am schönsten ist landschaft werden wenn die vögel sich auf den weg machen flügel wachsen lassen und die eigene sicherheit weitergeben an jene deren herzschlag gekrümmt ist und deren sorgen räume füllen großzügig sein und verschwenderisch landschaft werden im überfluss freuen dankbar und demütig zugleich immer liebend wie eine flüchtige landschaft die alle farben hat eine sichere stimme und heimwege


Hermann Josef Schmitz

Samstag, 8. Februar 2025

Heller werdende Tage

an den entblößten winterufern
machen luftblüten ihre hellen segel bereit
aus dem grauen dickicht grauer monate
gleitet der himmel in ein hungriges blau
schüchtern zeigt sich auf promenaden
die so lange blass gewesene haut
lüftet sich moos wird zu grünendem samt
und ein lichttrommler bringt sich in form




Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 6. Februar 2025

Still lag ich im Tag

still lag ich im tag
der unbemerkt verblutete
zementgraue luftwappen
starrten mit ihrer angst
in die geschlossenen fenster
die scharniere der moral
klapperten im wind der lügen
wütende menschen
bevölkerten die zeitungen
und waren dennoch sprachlos
still lag ich im tag
der unbemerkt verblutete
und füllte den mund
mit hoffnung und trost



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 4. Februar 2025

Februar I

schon lange schläft die angst nicht mehr wären es bloß kränkungen aber es sind der mörder worte die sich gehör verschaffen sich die moralischen grenzen unbemerkt auflösen niemand verkauft mehr aufrichtige hoffnung in seinen programmen werte zerfallen die nachkommen der opfer sind selbst an den gedenktagen bedeutungslos zuwachszahlen sind nur noch erfolg wenn sie das eigene konto anreichern im schaufenster der gesellschaft gibt es keine rettungsboote und keine guten erschütterungen mehr die eskapisten schließen sich ein sie trauen kaum noch sich selbst und haben doch so eine große sehnsucht nach einer nahen ruhigen zeit wo treiben wir hin im stolpernden getriebe der zeit ohne rote linien wo treiben wir hin auf der dauernden suche nach glück und wohlstand wo bleiben die liebe und demut vor der menschlichkeit schon lange schläft die angst nicht mehr und am ende der herzbahn haben sie den untergang vorsorglich ausgeschildert


Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 2. Februar 2025

Lichtverhältnisse

zwischen den leeren zweigen
im luftgrauen raum fliegen krähen
mit ihrem heiseren schreien
zersetzen sie die stille der ungewissen tage
aber im dämmernden zimmer
wärmen sich hände und eine liebende stille
füllt die abschiedsstunde
mit zuversicht hinter einem heiligen himmel
zwischen den leeren zweigen



Hermann Josef Schmitz