Donnerstag, 15. Januar 2015

Durch Wälder gehen

durch die dunklen wäldern ging mitten im winter ein kind
leicht ging es mit ruhigem gewissen über die verschneiten wege
war in sich und ging ohne angst
nichts fürchtete es in der dunkelheit
kein schatten und kein wind der durch die kahlen bäume spazierte
sie waren seine wächter hielten die zeit
wie ein ruhiges wachsen und vergehen
unter ihrer rauhen haut behüteten sie die geheimnisse
und versiegelten sie in lebenslanger stille
nur manchmal wenn jemand die haut schürfte
schaute ein laut hinaus ein seufzen ein verlangen
bekamen die geheimnisse ein kleines gesicht
in den dunklen wäldern stand mitten im winter ein kind
morsches licht brach über die straßen hinein
wie ein gebrochener spiegel fand sich ein kind
zu anderer zeit ein grau gewordener mann
ging leicht mit ruhigem gewissen über die verschneiten wege
war in sich und ging ohne angst durch die dunklen wälder



Hermann Josef Schmitz