Samstag, 31. Dezember 2022

Fährfrau und Leuchtturm

tage kamen und gingen
zeit war nie fassbar
himmel dunkelten und hellten auf
meere schwankten und uferten
worte blieben ungewiss
aber wir reisten entgegen der befürchtung
ließen uns vom schönen verführen
und hielten den glauben an das gute hoch
wir liebten und verführten uns
den unbeschriebenen luftzügen entlang
mal warst du mir fährfrau
mal warst du mir leuchtturm
und schriebst du die routen neu
blieb ich nie ungewiss
denn hinter allen grenzen liebten wir uns
verführt von allem schönen im leben


                                                           für Annemarie
                                                           mit einem herzvollen Danke für 2022



Hermann Josef Schmitz


Zu diesem Jahresende gibt es traditionell wieder ein Liebesgedicht an meine wunderbare Frau, mit der ich auch in diesem Jahr behütet durch unser gemeinsames Leben gegangen bin und in deren Liebe und Sein ich mich sehr aufgehoben fühle. Und die in den Zeiten, in denen es mir nicht gutging, oft weite Wege in Kauf genommen hat. Dafür bin ich immer wieder von Herzen dankbar.

Wenn ich auf das Jahr 2022 schaue, dann kann ich gar nicht so genau sagen, welche Seite der Waage schwerer wiegt, die sorgenvolle oder die lebensfrohe. Zum einen ist die Zerbrechlichkeit dieses Planeten weiter im Zunehmen und ich habe eine nicht zu beschreibende Sorge in mir, wenn ich an die Generationen denke, die jetzt auf die Welt gekommen sind wie meine beiden Enkelkinder. Der Verbrauch der Ressourcen, das sich verändernde Klima und aber vor allem auch die Art und Weise wie Menschen miteinander an Rücksichtnahme verlieren.
Gleichzeitig bin ich so dankbar für all das Schöne, was hier in den beiden Ländern, in denen ich leben darf, in denen wir leben dürfen, für uns erlebbar ist. Und dass bei allem die Natur den Widerständen trotzt und sich täglich zu neuer Schönheit aufschwingt.
Lernen musste ich in 2022 wie kostbar Gesundheit ist und was verloren geht, wenn sie mich einschränkt. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, irgendwann wieder joggen zu gehen, aber ich sehe bis jetzt nicht so richtig den Streif am Horizont. Und auch gemeinsame Märkte im Winter werde ich nicht mehr realisieren können.

Zugenommen haben und selbstverständlicher geworden sind wieder die Begegnungen mit den Menschen, die uns am Herzen liegen. Und auch hier sind wir dankbar, dass wir niemand verloren haben, der uns ganz nahesteht und wir selbst das Corona-Virus weiterhin nicht bekommen haben. Wenngleich der Infekttsunami am Jahresende auch bei uns anhielt. Feiern konnten wir mit einem tollen Fest im Sommer unseren 10. Hochzeitstag im Park der Kantonalen Gartenbauschule im Oeschberg, unserem so geliebten Allzeitpark. Gerne wären wir mehr gereist, das ließ im Sommer die Bandscheibe nicht zu, aber im Herbst waren die 10 Tage auf Korsika ein Traum für uns. Den wir in 2023 wiederholen werden.
Hingegen konnten wir einige tolle Konzerte erleben, Wolfgang Niedecken’s BAP gehören dazu (vor allem auch das Konzert am 30. März, seinem Geburtstag, der jetzt auch der Geburtstag meines Enkels Fred ist
😊), die Festivals in Bad Rappenau-Bonfeld und in Spiez und ich habe mich gefreut, die Indie-Band Paradision zum ersten Mal live in Heilbronn zu sehen.

Was unverändert bleibt ist die Lust am Schreiben, das Lesen und die weiter zunehmende Liebe an Schallplatten. Das alles genieße ich sehr. Und ich habe auch 2022 die Erfahrung gemacht, dass ein Leben ohne Amazon weiterhin problemlos möglich ist. 2022 habe ich wieder die gute Erfahrung von 2019 gemacht: es ist ganz einfach möglich, ein Jahr lang keine Kleidung und keine Schuhe zu kaufen und dabei gut angezogen zu bleiben
😀

Jetzt stehen wir vor dem Beginn von 2023 – und es bleibt noch ungenauer und fragiler. Aber wir selbst entscheiden, wieviel Stabilität wir immer wieder in uns schaffen, wieviel Energie wir für Gutes und Schlechtes verwenden und wieviel wir davon an uns heranlassen. Dafür bleibt die Beziehung zu meiner Herzdame das schönste uns liebevollste Fundament – weil es uns trägt, weil wir gut zueinander schauen und in der Liebe geborgen sind.

Allen, die hier lesen danke ich immer wieder von Herzen dafür. Ich danke Euch für Eure Treue und das Einlassen auf die Worte. Ich wünsche Euch einen guten und hoffentlich gesunden Jahresabschluss, eine wagende, zuversichtliche, behütete, mutige und auch verführerische Reise ins neue Jahr. Schaut gut zu denen, die es gerade nicht gut haben, zündet vor allem im übertragenen Sinne Lichter an, bleibt gesund und vor allem: bleibt in der Liebe.

Ganz herzliche Grüße von


Hermann Josef Schmitz