an den
grauen tagen
denen das licht kaum traut
wohne ich stundenweise
hinter den blauen zeilen
eines geschriebenen traums
Hermann Josef Schmitz
Ich hatte ja versprochen, dass es in 2026 mehr Bücher geben wird, die ich gelesen habe und gerne hier vorstelle. Hier kommen die ersten 5 aus diesem Jahr:
«Die Passantin» von Nina George
Eine bekannte
Schauspielerin entscheidet sich spontan und unmittelbar vor dem Einstieg, einen
gebuchten Flug nicht wahrzunehmen. Das Flugzeug stürzt in den französischen
Alpen ab und sie wird für tot erklärt. Ihr Wunsch, schon langen dem Alltag, der
Ehe und der Verpflichtung zu entkommen, geht ungeahnt in Erfüllung. Aber ist
das Leben in der Anonymität eines alten Hauses in Barcelona mit anderen untergetauchten
Frauen das, was sie will? Kann sie sich neu finden, emanzipieren? Und wie
findet sie sich, als sie nach Jahren dort ihrem Mann wieder begegnet?.
Spannend, zornig, rau und aber auch sehr reflektierend, genau hinschauend und
in dem allen sehr lesenswert.
«Katzentage» von Ewald Arenz
Eine leichte und sich gut
anfühlende Erzählung, mehr für mich leider nicht. Der illustrierte Roman kommt
nicht an «Alte Sorten» und «Der
große Sommer» heran. Zwei sich kaum
kennende Kolleg:innen stranden durch einen Bahnstreik unverhofft für mehrere
Tage in Würzburg. Und während sie die Stadt und das Umfeld erkunden, entsteht
eine Verbindung, in der der Wunsch von Peter nach Zuneigung und Nähe mit
Perspektive mit dem Zögern von Paula und ihrem Wunsch nur das Jetzt zu genießen,
konkurriert. Dann taucht eine Katze auf und verändert etwas bei beiden.
«Für Polina» von Takis Würger
Was für ein wunderbarer
Roman. Von Hannes, einem eigenwillig musikalisch begabten Jungen, seiner
selbstbewussten und sich durchs Leben kämpfenden Mutter und dem wilden Mädchen Polina,
in die Hannes sich mit 14 verliebt. Als die Mutter durch einen Unfall stirbt,
trennen sich ihre Wege und Hannes, in dem alles mit Musik verbunden ist, hört
mit dem Klavierspielen auf und arbeitet in der Folge als Klavierträger. Irgendwann
spürt er, dass er Polina wieder finden muss.
Die Rezensionen zu dem Roman sind eher kritisch, ich fand ihn – und bin da
nicht alleine – sehr berührend und natürlich auch ans Herz gehend. Aber das
darf in Zeiten wie diesen sowieso ein gutes Buch.
«Unsere Stimmen bei Nacht» von Franziska Fischer
Von Franziska Fischer habe
ich im letzten Jahr «In den
Wäldern der Biber»
gelesen. «Unsere Stimmen bei Nacht» ist ähnlich wie das erstgenannte Buch eher Feelgood-Literatur
(so nenne ich sie gerne). Grundlage ist eine Wohngemeinschaft, die ein Ehepaar
bildet (die Frau initiiert sie, auch aus Geldgründen, der Mann ist dagegen 😉). Die Verbindung von älteren und jüngeren Menschen
lässt eine Dynamik entstehen, in der viel Selbstfindung geschieht, verborgene
Talente zum Vorschein kommen und gleichzeitig erkennbar ist, dass es brüchig
bleibt, weil es (angedeutet) perspektivisch nicht so bestehen wird bleiben.
«Bödmerenwald» von Silvia Götschi
Silvia Götschi geht für
mich immer 😊. Der Leichenfund eines Mannes lässt eine Verbindung
zu einem Cold Case entstehen. Einem ungelösten Fall, bei dem vier Menschen
spurlos verschwanden und mit ihnen ungelöste Fragen blieben. Valérie Lehmann
und ihr Team lassen nicht mehr nach, diesen Fall zu lösen, in dem es um Betrug,
bezahlte Falschaussagen und insgesamt eine große Tragödie geht. Als Krimi
erneut sehr lesenswert.