Donnerstag, 29. Januar 2026

Hinter den blauen Zeilen

an den grauen tagen
denen das licht kaum traut
wohne ich stundenweise
hinter den blauen zeilen
eines geschriebenen traums



Hermann Josef Schmitz



Ich hatte ja versprochen, dass es in 2026 mehr Bücher geben wird, die ich gelesen habe und gerne hier vorstelle. Hier kommen die ersten 5 aus diesem Jahr:


«Die Passantin» von Nina George

Eine bekannte Schauspielerin entscheidet sich spontan und unmittelbar vor dem Einstieg, einen gebuchten Flug nicht wahrzunehmen. Das Flugzeug stürzt in den französischen Alpen ab und sie wird für tot erklärt. Ihr Wunsch, schon langen dem Alltag, der Ehe und der Verpflichtung zu entkommen, geht ungeahnt in Erfüllung. Aber ist das Leben in der Anonymität eines alten Hauses in Barcelona mit anderen untergetauchten Frauen das, was sie will? Kann sie sich neu finden, emanzipieren? Und wie findet sie sich, als sie nach Jahren dort ihrem Mann wieder begegnet?.
Spannend, zornig, rau und aber auch sehr reflektierend, genau hinschauend und in dem allen sehr lesenswert.


«Katzentage» von Ewald Arenz

Eine leichte und sich gut anfühlende Erzählung, mehr für mich leider nicht. Der illustrierte Roman kommt nicht an «Alte Sorten» und «Der große Sommer» heran. Zwei sich kaum kennende Kolleg:innen stranden durch einen Bahnstreik unverhofft für mehrere Tage in Würzburg. Und während sie die Stadt und das Umfeld erkunden, entsteht eine Verbindung, in der der Wunsch von Peter nach Zuneigung und Nähe mit Perspektive mit dem Zögern von Paula und ihrem Wunsch nur das Jetzt zu genießen, konkurriert. Dann taucht eine Katze auf und verändert etwas bei beiden.


«Für Polina» von Takis Würger

Was für ein wunderbarer Roman. Von Hannes, einem eigenwillig musikalisch begabten Jungen, seiner selbstbewussten und sich durchs Leben kämpfenden Mutter und dem wilden Mädchen Polina, in die Hannes sich mit 14 verliebt. Als die Mutter durch einen Unfall stirbt, trennen sich ihre Wege und Hannes, in dem alles mit Musik verbunden ist, hört mit dem Klavierspielen auf und arbeitet in der Folge als Klavierträger. Irgendwann spürt er, dass er Polina wieder finden muss.
Die Rezensionen zu dem Roman sind eher kritisch, ich fand ihn – und bin da nicht alleine – sehr berührend und natürlich auch ans Herz gehend. Aber das darf in Zeiten wie diesen sowieso ein gutes Buch.  


«Unsere Stimmen bei Nacht» von Franziska Fischer

Von Franziska Fischer habe ich im letzten Jahr «In den Wäldern der Biber» gelesen. «Unsere Stimmen bei Nacht» ist ähnlich wie das erstgenannte Buch eher Feelgood-Literatur (so nenne ich sie gerne). Grundlage ist eine Wohngemeinschaft, die ein Ehepaar bildet (die Frau initiiert sie, auch aus Geldgründen, der Mann ist dagegen 😉). Die Verbindung von älteren und jüngeren Menschen lässt eine Dynamik entstehen, in der viel Selbstfindung geschieht, verborgene Talente zum Vorschein kommen und gleichzeitig erkennbar ist, dass es brüchig bleibt, weil es (angedeutet) perspektivisch nicht so bestehen wird bleiben.


«Bödmerenwald» von Silvia Götschi
Silvia Götschi geht für mich immer 😊. Der Leichenfund eines Mannes lässt eine Verbindung zu einem Cold Case entstehen. Einem ungelösten Fall, bei dem vier Menschen spurlos verschwanden und mit ihnen ungelöste Fragen blieben. Valérie Lehmann und ihr Team lassen nicht mehr nach, diesen Fall zu lösen, in dem es um Betrug, bezahlte Falschaussagen und insgesamt eine große Tragödie geht. Als Krimi erneut sehr lesenswert.