Dienstag, 13. Januar 2026

Zwischen

zwischenzeit hinter den überschrittenen grenzen entscheidungen nachspüren dem verstand folgen können wie einer verfassung und zugleich verirrt bleiben zwischen allen gefühlen tage verlieren mit anderen einzelne sätze wechseln im oberflächlichen bleiben weil die reserviertheit mauern zieht und die sätze blockiert vergeblich nach dem erfüllenden suchen neuen ängsten begegnen die ohne anzuklopfen eingetreten sind keine spuren im sich auflösenden schnee hinterlassen während die kälte durch die zwischenzeit dringt den verlust beweinen zwischen gefällten bäumen in einem heimatlos gewordenen wald schwermütig werden und mich freuen wenn du die klinke drückst und die türfalle zurückweicht 

zwischenräume etwas erfrierendes bleibt inmitten des winters in den regalen bieten sie heilmittel für alles an aber die wunde in den zwischenräumen bleibt und es gibt keine heilmittel dafür die wände sind karg selten verweilen menschen unter den schütteren bäumen noch fühlt sich die leere nicht wie ein gewinn an noch fühlt sich die dunkelheit nicht wie eine erfüllung an die schritte haben sich aus dem tempo der vergangenheit geschraubt erinnerungen lagern in gepackten kisten ab und zu schreibt jemand aus dem vorherigen leben und gibt den zwischenräumen einen zwischenraum aus dem gefallenen schnee ragen graszinnen zarte vogelfüsse sprechen ihre eigenen worte und verschwinden ungehört ich seufze in den zwischenräumen auf den verwehten wegen und bleibe der unsicherheit noch eine weile treu 

zwischenzeilen zwischen den zeilen im übergang sprachen die ungeschriebenen worte eine andere sprache aber sie rührten die traurigkeit an legten einen grauen schleier über den verlust tagsüber vergingen die wolken selten etwas von der leichtigkeit war abhanden gekommen allen neidern zum trotz wäre eine fülle von anforderungen schöner gewesen wann ließe sich denn die zeit des verlustes genießen was blieb denn vom dagewesenen außer den fehlenden abschieden wenn sich die stunden sortierten blieben leerstellen mehr als erwünscht später fand ich zeilen von dir aus den vergangenen jahren sie trugen die sicherheit eines versprechens und das blau kommender himmel später schrieb ich von einer liebe kommender jahre

zwischentöne meistens war es zu kalt für illusionen für aussichtstürme und für dieses heilige geschenk einer freien zeit aus schwarzen und bunten scheiben klangen töne die sich über zwischentöne legten wie ein filter immer schwang eine zukunft mit die zu viele fragen trug selten hatte der augenblick hochkonjunktur geliebte menschen blieben in der ferne geliebte plätze orte wälder waren nicht kompensierbar sie trugen bereits die schleife der verabschiedung und der gesang der vögel der leise schritt eines rehs am morgen die melodie von grobem kies der regen auf den stark abfallenden dach fehlte an dem schon so lange anderen vertrauten ort zwischen den tönen fiel schnee schrieben die kristalle ihren eigenen rhythmus ab und zu schaute eine krähe vorbei und hatte keinen blick übrig für die zwischentöne 

zwischenträume die spekulanten der träume nisteten sich wie geheimnisse ein deren schmerz größer als die freude der erinnerung war menschen schrieben gut gemeinte etiketten des lebens selten kamen sie mit ungefragten umarmungen in die leer gewordenen tage nachts fiel unerwartet schnee es gab traurige abschiede platzverweise und jemand nahm die nachrichten der nacht wieder aus dem briefkasten als der morgen früher kam als die vorhersagen schrieben verschwanden die anforderungen routinen und abläufe noch suchte ich umsteigemöglichkeiten um zu bleiben um dich neu zu denken neu zu spüren neu zu erträumen noch suchte ich den rhythmus eines flüchtigen glücks


Hermann Josef Schmitz