Freitag, 6. Februar 2026

Von Löwen und Menschen

die löwen brüllen ohne unterlass
sind wütend und aus den adern trieft adrenalin
und während du im stillen staunst
zieht eines lächelns milde an ihrem herz entlang


die löwen dröhnen ohne unterlass
sind standhaft in den einkaufszeilen
und während sie den raum befüllen
wächst ungesehen ein gedicht auf ein papier


die löwen bluten ohne unterlass
sind helden sich in ihren eigenen welten
und während sie den schmerz verdrängen
löst zärtlich sich der schatten einer wolke



Hermann Josef Schmitz


Auf ein entspanntes Wochenende mit viel Energie und freien Straßen, wo sie vonnöten sind.


Dazu gibt es schon wieder 5 gelesene Bücher in der Vorstellung:

«Der stille Freund» von Ferdinand von Schirach

Bisher habe ich Bücher Ferdinand von Schirach vor allem mit dem Schwerpunkt von Verbrechen mit Blick auf die strafrechtlichen Perspektiven und die damit oftmals verbundenen Dillemata gelesen. Die waren stark und auch in der Verfilmung z.B. von «Sie sagt. Er sagt.» sehr spannend.
«Der stille Freund» neben dem Titel auch die erste von 14 Erzählungen, Texten, Portraits dieses Buches. Schwerpunkt ist die Verletzlichkeit von Menschen, in den ganz schönen und auch den scheiternden Erfahrungen. In dem entsteht ein berührender Bogen von Leben und Tod, an verschiedenen Orten dieser Welt und mit Menschen, zu denen von Schirach eine Verbindung hatte und hat.


«Lückenbüßer» von Volker Klüpfel/Michael Kobr

Der 13. Band um Adalbert Kluftinger ist seit Langem mal wieder ein Buch des Duos Klüpfel & Kobr, dass mir geschenkt wurde und ein wunderbarer Mix von Krimi und humorvollem Roman ist. Die Romane wurden teilweise auch verfilmt (mit Herbert Knaup in der Rolle des Kluftingers 😊).
Der Titel steht für die neue Herausforderung, in die man Kluftinger quasi gedrängt hat: Lückenbüßer, um die Liste der Gemeinderatskandidaten zu füllen. Als er von der Kandidatur seines Intimfeindes erfährt, entwickelt sich ein ungeahnter Ehrgeiz. Aber: er hat einen Fall als Interims-Polizeipräsident zu lösen: Ein Einsatz in den Bergen läuft aus dem Ruder, ein Polizist kommt ums Leben.



«Unten im Tal» von Paolo Cognetti

Die Geschichte zweier ungleicher Brüder in der abgeschiedenen Bergwelt der Piemontesischen Alpen. Beide haben sich viele Jahre nicht gesehen und treffen nach dem Tod des Vaters wieder aufeinander. Des Vaters, der zwei Bäume für seine beiden Söhne vor seinem Haus pflanzte. Eine Lärche für Luigi, den bodenständigen, in der Region verwurzelten Sohn. Und eine Fichte für Alfredo, den rauen, streitsüchtigen Sohn, der lange Zeit seine Heimat verlassen hatte.
Es gibt kein richtiges und kein aufrichtiges Begegnen, weil jeder in seiner Persönlichkeit, in seinen Haltungen und Standpunkten verankert bleibt.


«Blaues Wunder» von Anne Freytag

Großartig, ein großartiges Kammerspiel auf einer Luxusyacht im Meer bei den Philippinen. Ein Urlaub zu siebt, ein Chef einer Münchner Privatbank, der die beiden größten Kontrahenten um eine entscheidende Position mit seiner Frau, seinem Sohn und den beiden Ehefrauen zusammenbringt. Was zunächst nach einem luxuriösen Urlaub mit Hochglanzflair aussieht, bekommt eine ungeahnte Dynamik. Das was großes Glück zu sein scheint, ist Rolle, ist Inszenierung und es bleibt lange unklar, wohin diese Reise wirklich führt. Geschrieben ist es immer aus der Sicht der drei Frauen, die keine Karriere gemacht haben, sondern sich in den Dienst der Karriere ihrer Männer gestellt haben und doch viel mehr Macht haben, als es auf den ersten Blick scheint.
Kommt auf jeden Fall in meine Top20-Liste.


«Der ehrliche Finder» von Lize Spit

«Der ehrliche Finder» war mein 10. Buch, das ich im Januar gelesen habe und es berührte mich vor allem (Achtung: Spoiler) durch seinen tragischen Schluss. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen dem klugen, aber so einsamen Jimmy und Tristan, dem kosovarischen Flüchtlingsjungen. Als der Familie von Tristan die Abschiebung droht, entsteht eine besondere Dynamik und Spannung zwischen den beiden Jungen, die einen klaren, ihnen aber alles abverlangenden Plan haben, der am Ende hätte aufgehen können.