Freitag, 27. März 2026

März III

während der rhythmus die stimmung den raum zu gold verwandelt füllt treiben die finsteren gedanken ins abseits auf der bühne schwingt sich die gegenwart in worte in klänge in gesichter mitten ins herz ich habe das heimweh weggesperrt die zugänge verlegt und die schlösser ausgetauscht während der abend aus dem zeitgeflecht fällt sich die überflüssigen fragen auflösen wechselt das licht wird die haut wärmer wächst ein herz in helle aufruhr ich habe das heimweh von der bühne gezogen denke an schopenhauer und denke an das was ich habe während der rhythmus die stimmung den raum zu gold verwandelt und etwas bleibt obwohl die bühne sich leert und die räume gesäumt werden von einer unterschrift einem warmen wort einer schulternden umarmung wird das vermissen nicht weniger erfüllt sich die sehnsucht wechselt das dunkel der nacht in ein mondflackerndes gold


Hermann Josef Schmitz


Das dazugehörige Zitat von Schopenhauer mag ich gerne hier hinterlassen:
«Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt.»
Arthur Schopenhauer (22.02.1788 – 21.09.1860)


Weitere 5 Bücher, die ich gelesen habe, stelle ich hier gerne vor. 
Und wünsche Euch ein ganz schönes und wenig verschneites Wochenende.


«Solothurn ruft nach Vergeltung»
von Christof Gasser

An einem neuen Krimi von Christof Gasser komme ich nicht vorbei. Liegt doch Solothurn quasi vor der Haustür und sind mir und uns viele Orte vertraut. Die Herzdame durfte mit dem Kollegium schon mal eine von ihm geführte Lesung erleben.
Der aktuelle Krimi spielt an den Solothurner Filmtagen, einem renommierten Filmfestival in der Schweiz. Ein Filmemacher mit kosovarischen Wurzeln soll dort für eine umstrittene Dokumentation über Frauenhass und Femizid ausgezeichnet werden, wird aber unmittelbar zuvor ermordet. Es lohnt sich einmal mehr, diesen Krimi zu lesen. Er bietet viel Aktualität in Verbindung mit dem brutalen Mord und die Figur des Chefermittlers Dominik Dornach zeigt viel Verletzlichkeit und Sorge um seine Tochter Pia.


«Der Gott des Waldes»
von Liz Moore

Auf knapp 600 Seiten hat mich «Der Gott des Waldes» von Liz Moore in den Bann gezogen. Es ist eine Mischung aus Roman, Krimi und Thriller. 14 Jahre nach dem Verschwinden des ersten Kindes – einem Sohn – verschwindet jetzt auch in einem Sommercamp die jüngere Tochter einer Oberschicht-Familie, der das Camp gehört und die sich nach einer Auszeit von ihrer Tochter sehnt. Auf verschiedenen Zeitebenen handelnd, in verschiedenen Erzählsträngen und fast ausschließlich aus der Perspektive einer 13jährigen Freundin des verschwundenen Mädchens, der verantwortlichen Betreuerin, der Mutter und einer ermittelnden Polizistin geschrieben, tun sich Abgründe auf. Die Suche nach dem verschwundenen Mädchen und damit verbunden die seinerzeitige Suche nach dem Sohn offenbart die sozialen Verhältnisse, Klassenunterschiede und gesellschaftlichen Normen der 70er Jahre in den USA.
Kommt mit Sicherheit in meine Top 20 von 2026.


«Die vorletzte Frau»
von Katja Oskamp

Die durchaus verhängnisvolle Liebes- und Lebensbeziehung über 19 Jahre von Katja Oskamp mit dem Schweizer Autor Thomas Hürlimann. So groß ist auch der Altersunterschied zwischen beiden, der Studentin und dem Schriftsteller. Aus der Studienbeziehung wird eine Liebesbeziehung wird eine Abhängigkeitsbeziehung mit vielen Erkrankungen von Tosch (so nennt sie Hürlimann im Roman). Das beschreibt Katja Oskamp schonungslos und manchmal so detailliert, dass man darüber weglesen möchte. Das Ende der Beziehung hinterlässt eine Hauptdarstellerin, die zwar einmal mehr die vorletzte Frau bleibt, aber für die Zukunft aufgestellt zu sein scheint.


«Kleine Monster»
von Jessica Lind

Ein Familienroman der besonderen Art von Jessica Lind. Die Geschichte von Pia, deren siebenjähriger Sohn in der Schule – so sagt man – eine Mitschülerin anzüglich belästigt. Zu Beginn stehen die Eltern-Kind-Beziehung ebenso wie die durchaus gegensätzliche Haltung der Eltern zu dem Geschehen im Vordergrund. Dann wird aber zunehmend die Kindheit von Pia, die Versäumnisse und nicht verarbeitete Trauer zum Schwerpunkt des Romans und schaut unter die Teppiche eines vergangenen traditionellen Familienlebens. Das schafft viel Nachdenklichkeit, aber auch Klarheit und zunehmend eine aufgeräumte Lebenssituation von Pia. Hat mir sehr gut gefallen.


«So ist das nie passiert»
von Sarah Easter Collins

Eines der Bücher, die man nicht loslassen mag. Aber eines fand ich neben einer spannenden Familiengeschichte besonders: Eine der Nebenpersonen ist Psychologin und untersucht die Korrumpierung des Gedächtnisses. Und damit verknüpft sich natürlich die Titelgebung. Wie sehr können wir uns auf unsere Erinnerungen wirklich verlassen?
Der Plot: Das britische Mädchen Laika, die Schwester der Hauptfigur Willa, verschwindet vor 20 Jahren spurlos. Willa hat auch nach 20 Jahren die Hoffnung nicht aufgegeben, sie wiederzufinden. Als sie auf einer Dinnerparty einer Französin begegnet, glaubt sie, ihre Schwester in ihr zu erkennen.
Gehörte für mich im März neben dem Buch von Liz Moore zu den besten.