Freitag, 26. Juni 2026

Im Malvenhaus wohnen

im malvenhaus wohnen
zwischen rosen und rosmarin
worte erfinden
für eine andere welt
die sich in andere ordnungen fügt
und sich das wilde blühen
behält wie eine seele
in der tiefe des entstehens
im malvenhaus wohnen
in einer betörung
aus farben und licht



Hermann Josef Schmitz



Mit fünf gelesenen Büchern wünsche ich Euch ein schattenreiches und leises Wochenende.

«Drei Wochen im August» von Nina Bussmann

Eine Kuratorin, ihr Kindermädchen, ihre beiden Kinder und die Freundin der Tochter verbringen ihren Urlaub in Haus ihrer Chefin am Atlantik. Die scheinbare Idylle, die schon zum Urlaubsstart keine ist, verändert sich bald. Unbekannte Menschen tauchen auf, in der Nähe wüten Waldbrände und es liegt immer eine Spannung und potentielle Gefahren in und über den Tagen. Manchmal sehr real, manchmal aber auch nur in den Köpfen. Der Roman wird aus der Perspektive der Kuratorin/Mutter und des Kindermädchens beschrieben. Das hat durchaus Spannung und auch unsichere Entwicklungen. Aber ich bin nicht so sehr von der Story gefangen worden.


«Sieben Tage Windstille» von Laure Limongi

Romane, die auf Korsika spielen, üben aus den bekannten Gründen, immer nochmal etwas mehr Faszination aus. «Sieben Tage Windstille» von Laure Limongi ist eine Familiengeschichte, die immer wieder verzweigt und dann und wann (bis zum Schluss) geheimnisvoll bleibt. Huma, die Hauptfigur, die in den 70erJahren geboren wird, erzählt retroperspektiv. Wie sie als Kind ins obere Stockwerk zu ihrer Großmutter „umgesiedelt“ wird, die sich an ihr für etwas rächt, dass Huma nicht zu verantworten hat.
Es gelingt ihr aber zunehmend, sich aus der Umklammerung und den psychischen Übergriffen zu lösen und autonom zu werden.
Ich brauchte bisschen, um ins Buch reinzukommen, aber dann wurde es sehr gut.


«Laute Nächte» von Anne Freytag

Nach «Blaues Wunder» hat Anne Freytag erneut einen sehr berührenden, aber ganz anderen Roman geschrieben. Es geht um eine 4er-WG in Wien, deren Hauptprotagonist den Verlust seiner Freundin, die plötzlich gestorben ist, tief in sich trägt. Es geht viel um Trauer, aber es geht auch um junge Liebe, es geht um ungerade Lebenslinien und die Brüchigkeit des Glücks. In der Trauer von der Hauptperson zeigt sich einmal mehr, dass sie ein so individuelles Gefühl ist wie viele andere. Ohne Ablaufdatum, ohne Regeln, ohne Bewertung.
Erneut eines der Bücher 2026 für mich.
 

«Liebe»
von Thomas Hettche

Thomas Hettches Buch bekommt 2026 auch einen vorderen Platz bei meinen gelesenen Büchern. Die Geschichte einer späten Liebe, die mit einem schwierigen Anlauf startet. Aber wie viel Liebe schaffen kann und welche Innigkeit, Sinnlichkeit und Stärke Liebe im Alter entfachen kann – darüber schreibt Hettche wunderbar und berührend. Und weil die Endlichkeit in dieser Lebensphase zu einem stärkeren Teil dazu gehört, bindet er es auch in die Dialoge, in die Bewegungen und in die Berührungen ein.


«Dunkle Momente» von Elisa Hoven

Ich habe nach der 9. und letzten Episode das Buch von Elisa Hoven, die Strafrechtsprofessorin ist, nachdenklich geschlossen. Es geht um eine Rechtsanwältin, deren starkes Motiv darin besteht, Freisprüche für ihre Mandant:innen zu erreichen. Dass sie dabei manchmal fragwürdig handelt, sich Schuld auflädt und Verantwortung übernimmt, wo sie es nicht sollte, macht den Roman besonders.