die straßen sind feine linien in diesem weiträumigen geflecht von steinen und bäumen von schattenwolken und tiefgrünen wassern sie zeigen den verlust an ihren rainen stehen die mahnmale überschlagender geschwindigkeit ablenkung und unachtsamkeit und in den einfahrten stehen die verlorenen briefkästen viel zu lange sind sie bereits aufbewahrungsräume für ungehörige briefe für den zorn der werbenden und seltener für die schlagzeilen der seriösen die straßen sind feine linien in diesen unwirtlichen landschaften dort wo die schlagseiten das tempo bestimmen die schrittfequenz verlangsamen und dich zwingen zu schauen in diese landschaften die sich nicht unterkriegen lassen die viel von ihrer eigenen sprache und ihren Farben erhalten haben aber an den straßen in den einfahrten stehen die verlorenen briefkästen sie atmen selten als wähnten sie sich in einem langen schlaf und träumen doch so sehr von dem einen brief der auf dem umschlag eine geschwungene Schrift trägt und innen worte so liebevoll wie ein versprechen so liebevoll wie ein aufwachsender baum ein schlendernder wind so erregend wie die verführung und die liebe zum leben
Hermann Josef Schmitz