der
sommer hielt so viel verborgen was doch so offensichtlich war jetzt erntet das
mißtrauen erträge und sie haben die messlatte für demütigungen einfach entfernt
spät an den vormittagen liegt die angst mit der gleichgültigkeit immer noch in
einem bett sorgfältig mit medikamenten versorgt auf die richtige dosis kommt es
an sagen die lauten und die menschen mit den breiten schultern kapitulieren
mehr und mehr der sommer hielt so viel verborgen was doch so offensichtlich war
jetzt unterdrücken die stummgewaltigen mit ihren lügen die widerspenstige
wahrheit sie haben die oberflächen plakatiert die tiefe blockiert menschenjäger
und menschenfängerinnen bauen sich auf in ihren hinterhalten haben sie die
flaggen schattiert und sie sehen die wegsehenden sie hören die weghörenden sie
spüren die verstummten auf und gehen laut übers land der sommer hielt so viel
verborgen was doch so offensichtlich war
Hermann Josef Schmitz
Mit besten Wochenendgrüßen folgen hier weitere 5 gelesene Bücher:
«Ghost Stories» von Siri Hustvedt
Ich habe in der Vergangenheit einige Bücher von Paul Auster und Siri Hustvedt gelesen und die Musik ihrer Tochter Sophie Auster mag ich schon lange und habe die beiden letzten Platten in meinem Regal. Ghost Stories ist eines der berührendsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es ist ein Tagebuch über die Erkrankung von Paul Auster und seinen Tod 2024. Siri Hustvedt vereint Erinnerungen, Krankenberichte, Notizen, Briefe, die Paul Auster an seinen Enkel Miles schrieb, der kurz vor seinem Tod geboren wurde. Es ist ein Buch voller Liebe, Zärtlichkeit, einer großen Traurigkeit und auch voller Mut und Spürbarkeit (Paul Auster hatte seiner Frau gesagt, er wolle für sie ein Geist bleiben).
«Sommer
ohne Plan» von Johanna Swanberg
Um einen Weg aus ihrem Burn-out zu finden, erwirbt Cassi eine Waldhütte, fernab von Stockholm. Dort hatte sie ein Restaurant mit großem Perfektionismus geführt. Ohne eigenes Zutun entsteht im Dorf das Gerücht, dass sie ein Selbsthilfe-Guru sei. Cassi lässt sich darauf ein und entblößt damit sich selbst und einige Menschen im Dorf. Das führt zu witzigen Momenten, aber auch zu skurrilen Situationen. Sie schafft ein Klima, in dem sich Menschen offenbaren, sie verändert Beziehungen und entwickelt Therapien, die es nicht gibt. Das Herzstück des Buches ist aber ihre Verbindung zu einem älteren Mann, Pavel, der sie so annimmt, wie sie ist, den sie in ihr Herz lässt und dessen eigenes Schicksal sie zunehmend verbindend. Wie es endet? Auf jeden Fall emotional. Ich fand es lesenswert und berührend, aber es wird es nicht in meine Top 20 schaffen.
«Was ist
in meinem Alter sonst noch üblich?»
von Wencke Mühleisen
Mein zweites und Stand jetzt letztes Buch von Wencke Mühleisen. Sie schafft es nicht, mich zu gewinnen. Es geht um eine langjährige Ehe, in der der Mann seiner Frau am Ende des Italienurlaubs offenbart, seit einiger Zeit eine Verbindung zu einer jüngeren Frau zu haben. Daraus entwickelt sich ein Roman, der viele Fragen über Liebe, Sehnsucht und Begehren im Alter aufwirft und deutlich macht, dass es dafür keine Grenze gibt. Und das es auch mit Mitte 60 Perspektiven für ein neu ausgerichtetes Leben unter diesen Prämissen gibt.
«Der Bademeister ohne Himmel» von Petra Pellini
Vorab: Ich würde das Buch nicht mehr lesen. Nicht, weil es schlecht geschrieben ist (im Gegenteil), auch nicht, weil es nicht mutmachend wäre. Sondern weil ein Schwerpunkt die zunehmende Demenz eines 86jährigen ehemaligen Bademeisters ist. Davon sollte man in seinem nahen Umfeld aus meiner, aber nur aus meiner Sicht nicht betroffen sein, wenn man es liest. Worum es geht? Um die 15jährige Linda, die an schweren Depressionen und Suizidgedanken leidet. Am Leben hält sie ihr Freund Kevin, der hingegen an der Welt und ihrer Entwicklung verzweifelt und der genannte ehemalige Bademeister. Bei ihm verbringt sie Nachmittage, um die Pflegerin Ewa zu entlasten. Dabei gelingt es ihr ganz wunderbar, eine Verbindung des Bademeisters zu seiner Vergangenheit herzustellen und ihn aus seiner eigenen Welt für Momente herauszulösen.
«Alphabet
des Wassers» von Simone Scharbert
Im Juli auf der
Rückreise von Köln sind wir durch das Ahrtal gefahren - zum ersten Mal nach der
Hochwasserkatastrophe 2021. Wir sind keine unmittelbar Betroffenen 🙏 und es macht uns dennoch unverändert betroffen.
Auch weil mein bester Freund in vielen Haushalten erlebt hat, wie sehr Menschen
betroffen waren und sind. Gleichzeitig sind die Hochwasser in Erftstadt,
Schleiden, Bad Münstereifel nie so stark in meiner Wahrnehmung gewesen. Als ich
dann von der sehr geschätzten Simone Scharbert gelesen habe, dass sie das
„Alphabet des Wassers“ geschrieben hat, um der Flut von Erftstadt Worte zu
geben, musste das zu mir. Das Buch begleitet mich seither, sensibilisiert
und berührt mich in den insgesamt 102 Versatzstücken. Simone Scharbert
findet eine besondere Sprache für das Nichtvergessen, eine nachdenkliche und
eine für diese Zeit zutreffende.