Sonntag, 16. Februar 2014

Fuerteventura

die flügel schreiender möwen
rauhen vergängliche muster
in die vom meer kommende salzluft
wind schleift kanten
vom ufer aufschwingend
einer anderer schmirgelt mit luft
von den bergen abschwingend
scheinbar kaltes gestein
an der offenen wunde
überschlagen sich wellen
im wiederkehrenden kommen und gehen



Hermann Josef Schmitz




Risco del Paso









Einer unserer Lieblingsplätze – das museo de la sal – ein idealer Platz zum Dasitzen, etwas Trinken (zu unglaublich günstigen Preisen), auf’s Meer schauen und spüren, wie sich der Alltag auflöst.

Im Übrigen gibt es dort auch sehr gutes Meersalz zu kaufen.

Freitag, 14. Februar 2014

Ein kühner Mund

ein kühner mund ist's
der dem mut die zunge reicht
um endlich das zu sagen
was sich hinter angstgeschnürtem schweigen barg
um endlich die so lang geformten worte
nicht mehr hinters licht zu führen
ein kühner mund ist's
der die worte auf der blauen zunge freit



Hermann Josef Schmitz


Aus unserem letzten Fuerteventura-Tag schicken wir Sonne, Salzluft und Leichtigkeit in Euer Wochenende.

Mittwoch, 12. Februar 2014

El Cotillo

am ende des ruppigen weges ein erloschener leuchtturm zwischen kaltem magma immer verkapselt die wildheit der wellen im gleichen rhythmus und doch unbeständig in ihrer form anschwemmungen von sand wellhörner seeigel schwämme graugewordenes blindglas überflussreste erschreckend ein himmel aber keine laternen wellenschleifen hippendes licht ein gedanke über die größe der welt und wohin gehst du einmal wenn die spielplätze des lebens sich schließen wenn die lagerhallen des atems nicht mehr öffnen in welche unvorstellbare weite hinter allen horizonten und sternenparks und dann bleibt nichts und doch alles sie lässt sich nicht unterkriegen zwischen den wellen zerscherbt der gläserne himmel und meine seele bleibt erhalten im warmen schweigen deiner augen


Hermann Josef Schmitz

Montag, 10. Februar 2014

Vom Süden kommend

wie aufgereiht stehen berge
still und ungeschützt
stimmt lauter wind
an ihren kanten seine töne
legt rillen ins zerklüftete gestein
und wie von unsichtbarer hand
legt sich ein wolkenschatten
als dunkler kragen auf den hals
und in den schatten stimmt
der wind sich leiser einen augenblick



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 8. Februar 2014

Berührt

Die Stille lag unter dem Himmel wie zärtlich berührte Haut.


Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 6. Februar 2014

Am kleinen Hügel mit dem Sternennamen

das
das wir sehen
die verbrauchten ablagen
zwischen den schneelosen winterhängen
ein angetriebener fisch
am bitteren ufer
die sich häufende achtlosigkeit
ein quälend scharfer kommentar
und dennoch der gewissenlose verbrauch
die wiederholungen der kaufsünden
schwer wiegt
das alles
aber unermüdlich wächst gras
öffnet sich morgens ein wolkenkuvert
mit leuchtendem inhalt
am kleinen hügel mit dem sternennamen
zittert das vorletzte blatt
bevor du ihm einen namen gibst
den du morgen wieder neu erfindest



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 4. Februar 2014

Schneeblau

ein gläserner wintermorgen türmt sich
anmutig blau liegen schneefrüchte in luftschoten
beiläufig verplompt jemand den frühling



Hermann Josef Schmitz





Sonntag, 2. Februar 2014

Dann bleibt das Meer

dann bleibt das meer
ohne umstände und plan
ausgelassen und unberechenbar
fängt es dich auf
hält es dein schweigen und deine zuversicht
in der weite zwischen blau und blau
eine lichtfalz wie ein versprechen
wenn der tag sich aufrichtet
ein flüsterndes wort
ein gewissen voller klarheit
es braucht keinen weg
du selbst bist das leben
du selbst bist der weg



Hermann Josef Schmitz