meine
träume standen
an weiten ufern und lebten
von der sehnsucht ungestümer zärtlichkeit
durch eine edle ungebrochene meeresrose
sie entblößten sich aus aller scheu
und öffneten die haut
für jene starken wellenblätter einer meeresrose
sie atmeten den duft
in ihre durch die müde zeit
schon fast verlorenen lungen
und lösten sich in eine wirklichkeit
meine große sehnsucht stand
am ufer einer weiten reise
und wurde dort im duft der meeresrose
zu einem ort aus ruhe und aus stolz
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 15. Juni 2021
Die Meeresrose
Sonntag, 13. Juni 2021
Veränderung
den
städten war ich lange schon so fremd geworden
wie scheinbar guten dingen die ich in der nacht verlor
die worte aus dem unsichtbaren mund
vergaß ich ungewohnt und ohne sehnsucht
die stillen orte liebte ich schon lange mehr und mehr
wuchs auf den stufen ihrer vielen jahre
blieb immer hungrig zwischen schmerz und würde
trug ihren sommer lang wie zeilen eines herzschlags
Hermann Josef Schmitz
Freitag, 11. Juni 2021
Mit jedem gleichen Gang
mit
jedem gleichen gang
verändert sich mein blick
sieht in der wiederkehr vertrauter wege
ein neues blütenbild ein schattenkleid
und hinter einem kühnen strauch
liegt eines vogels warme feder
die sich gelöst die sich verschenkt
mit jedem gleichen flügelschlag
verändert sich die luft
wird einmal wellenschlag dann stiller see
ist sie sich selbst genug
wird schwebend gleitend atmend
über alle blätter gräser halme lang
und immer wieder neu in ihrem klang
Hermann Josef Schmitz
Verschenkt Euch dem Juniwochenende, bleibt in Euch und folgt dem frühen Sommer.
Mittwoch, 9. Juni 2021
Wechselmoment
nahm
dir die unsicherheit
all die klaren gedanken die einsichten
hob sie dir die eigenen guten grenzen fort
nahm dir der verschlossene winkel
den gräsernen horizont die wahrscheinlichkeit
wechselten schattenseiten lichtstürze
gab dir die sicherheit
dieses grüne geflecht mohn kornblumen
umarmten die graue seele den stillen verlust
gab dir die sichere zeit vor der ernte
neue gelegenheiten verstummten regengebete
wechselten lichtbühnen fruchtspeicher vogelgesang
für
P. (*03.08.1932)
Hermann Josef Schmitz
Montag, 7. Juni 2021
05062021 // S 01 S // 31:57
von
tausend blättern hallt der klang vergangener regenprozessionen ein murmeln
leiser litaneien legt sich müde in die blüten eines frühen sommers der späte
tag bleibt schwebend zwischen blau und schweren wolken dann kommt ein schritt
und viele hundert weitere dann geht die schwere der gedanken in ein
niemandsland und nur die atemschrift legt viele zeilen an und das erinnern wird
zu einem lichten traum hier wohnt mein herz in dieser blauen schwebe es legt
sich pochend in die hände schönster fassungslosigkeit und ahnt die dunklen
wälder später nächte ahnt ihre unerkannte schönheit und löst die letzte klammer
einer vorgeschriebenen zeit
Hermann Josef Schmitz
Mal wieder ein kurzer Lauf nach vielen Stunden Regen. Und eine Impression am Tag danach in unserem schönen Garten.
Samstag, 5. Juni 2021
Mohngetränkte Tage
mohngetränkte
tage
die worte wirken durch das papier
und legen sich als leichter schatten
auf deine pochende herznaht
wuchernder sommer
regenlinien nähren das grün
und verwittern in aufgegangener zeit
gleich einem eingelösten versprechen
Hermann Josef Schmitz
Einige Meter vom Haus entfernt wächst Mohn so schön wie dort noch nie.
Auf ein blütengetränktes Wochenende.
Donnerstag, 3. Juni 2021
Hingabe
hinter
dem fenster
im stillen licht des flatternden grüns
übernahmst du alle berührung
schutzlos und vertrauend zugleich
gab ich mich hin und wurde geschenk
gedanken lösten sich aus der zeit
alles verschwamm und formte sich neu
hinter dem fenster
blieb das geheimnis beschworenes glück
für Annemarie
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 1. Juni 2021
Leise
leise
werden
wenn du in die wälder eintrittst
dem wachsen der blätter zuschaust
in ungenaue geräusche tauchst
und leise bleiben
auf die behutsamkeit der schritte achten
wenig berühren ausweichen staunen
sich am spiel des grüns nie sattsehen
leise werden
wenn du in die wälder eintrittst
in das rauschen umarmender bäume schwebst
am ufer eines stillen flusses hältst
und leise bleiben
auf die behutsamkeit der schritte achten
aber vor allem auf lichtungen am morgen
diese unberührten altäre der schönheit
leise werden
in dir selbst wenn du die gedanken entlässt
dem atem allen raum schenkst
niemandem mehr genügen musst (auch nicht dir selbst)
und leise bleiben
in dir anhalten und deine eigene lichtung finden
staunen über alles was sie in dir berührt
dich freuen und endlich finden in dir
Hermann Josef Schmitz