Dienstag, 7. Oktober 2025

Nachsommer

die sonne hat den herbsttagen aufschub gewährt
noch wärmen die meere die haut
katzen liegen träge auf der lauer 
während die ersten läden schließen
blühen die späten sommerblumen ein letztes mal
die sonne hat den herbsttagen aufschub gewährt
die geschichten am morgen sind leichter
unvertäut liegen schiffe in den häfen
ein später duft aus piniennadeln dringt zu mir
und ich sehe den himmel hinter verschlossenen augen 
die sonne hat den herbsttagen aufschub gewährt
deine träume sind leichter geworden
die bewegungen haben noch den besonderen schwung
unerwartet erfüllt sich ein bald unerreichbares sehnen 
hinter den versprechungen sind die umarmungen näher
noch hat die sonne den herbsttagen aufschub gewährt

 

 

Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 5. Oktober 2025

Bonifacio

die weißen felsen hätten viele geschichten zu erzählen von den ewigen winden und den gesängen der meere die weißen felsen hätten viele geschichten zu erzählen von den menschen die mauern erbauten die geduldig blieben in ihren schicksalen deren friedhöfe den schönsten blick auf das meer erhielten und inmitten der geschäftigkeit sich anmutig und still erheben lang hatten wir die begegnung ersehnt und jetzt wandern wir mit worten und gedanken durch die monate erzählen von den besonderheiten und beiläufigkeiten des lebens die sorgen bekommen einen namen und die liebe ist ein starkes gerüst das den stürmen standhält hochgeschwindigkeitsluftzüge haben den himmel aufgeklart auf den wellen schwimmen lichtscherben wie gebrochene musiknoten immer wieder ändert sich der ton die klangfolge der schrei einer möwe hallt lange nach und zwischendrin werden die stimmen schrill die stimmen der menschen denn die schönheit der himmel der meere der friedhöfe hat nie etwas schrilles sondern trägt die unbeabsichtigte und unbedingte liebe in sich jetzt wandern wir schweigend an die ufermauern fragen stehen im raum die keine antworten erbitten sondern nur eine umarmung in gedanken das zählt dieser geschenkte tag diese erfüllende stunde dieses betörende licht und wenn der fährmann ruft bleibt die erinnerung liebevoll freundlich und immer mit einem lachen hinter einer kurvigen welle

 

 

Hermann Josef Schmitz

Freitag, 3. Oktober 2025

Aléria

eine andere zeit die uns in ein anderes leben trägt inmitten der vergangenheit menschen die im jetzt einer anderen zeit leben über dem ausgeblühten sommer schweigen die jahrtausende in ihren mauerresten und erzählen gleichzeitig vom leben von der vergänglichkeit vom bestehen und von der liebe der menschen zwischen den fundamenten eine andere zeit und doch eine beständige zeit eine voller sorgen und eine ohne sorgen eine voller sorgsamkeit zu den himmeln meeren und tieren in der ferne liegen silberscherben aus licht auf den leisen wellen fremde sätze schlendern durch die provisorischen gänge im schatten des kleinen bistro sitzen wir atmen in die geschichte der jahrtausende hinein staunen über all die schönheit die menschen schon immer für sich erfanden entdeckten an der sie innehielten und wagen kaum hineinzudenken in eine zukunft die sich dem fortschritt so sehr verschrieben hat in der die menschen alles tun um alles zu erreichen und schon längst zurückgeworfen sind in ihre wohnwaben aus kälte edlem stumpfsinn und den blick verloren haben für die silberscherben die liebe zu den meeren himmeln und den menschen um sich und in sich


Hermann Josef Schmitz

Mit besten Grüßen aus Korsika wünsche ich Euch ein ganz schönes Wochenende im Jetzt.

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Pinarello

I

 

seidene luftströme 

unter den schatten der pinien 

wuchern die verführungen

 

 

II

 

unter den wassern 

haben sich wellen verewigt

gleiten bewegungen 

durch samtwarmes meer 

werden antworten überflüssig

 

 

III

 

in einem tag bleiben 

der nur dem leben folgt

in einem tag bleiben

der dich durch seine stunden führt

und dir selbst sicher bleiben 

wenn die dunklen fragen 

im nichts ankern

 

 

Hermann Josef Schmitz