Sonntag, 21. Januar 2024

Januar I

im tiefsten wintergrau trägt das schneeherz das versprechen in seinem rhythmus was wird kommen wenn die zwiebeln der tulpen ihre blütezeit unter der erde anlegen gewissenhaft farbenreich und vollkommen was wird kommen wenn das schneeherz seine schutzschicht verliert unergründlich gehen die tage wie schritte entlang der ausgefransten zeit die vermeintlichen ikonen halten wertlose reden zu viele züchten die verachtung als wären sie betroffene menschen ohne eine wärmende decke dort in den schneewäldern jenseits der angelegten grenzen als wären sie wiedergeborene flügelschwimmer außenseiter denkende aber in ihrem wintergrau verfettet das zerredete herz und die schicht der selbstachtung ist längst porös geworden im tiefsten wintergrau lehnt sich mein schneeherz an dein ermutigendes wort aus dem rhythmus unter deiner haut dringen die zeilen zu mir werden gestalt werden gesicht werden wirklichkeit im tiefsten wintergrau liebe ich dich für deinen weg


Hermann Josef Schmitz

Freitag, 19. Januar 2024

Über alle Zeit hinaus

die kleine senke wird über alle zeit hinaus
das geheimnis deines letzten gedankens bergen
es über alle zeiten hinweg liebevoll hüten
blumen und gräser werden blühen und vergehen
luftwirbel werden aufbrechen und erlöschen
alle geschriebenen worte werden vergilben
aber die kleine senke wird sich immer erinnern
an den atem den schnees der noch nicht gefallen war



                                                                                   für M.

Hermann Josef Schmitz


Schaut gut zu Euch und Euren Liebsten auch an diesem Wochenende.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Septendecim

im stimmengewirr
bist du ein worthelles blatt
und stark wie ein baum



                                               für Annemarie


Hermann Josef Schmitz



Haikus gehören eher nicht zu den Textformen, die ich schreibe. Ein Haiku, das ja immer 17 Lauteinheiten enthält, passt aber zu den 17 Jahren, die wir gemeinsam durch dieses Leben gehen. Und ich freue mich sehr auf die nächste Wegstrecke, die heute um 22:22 Uhr beginnt. Lass uns auf das Bekannte und Unbekannte der kommenden Zeit vertrauen und weitergehen, voller Liebe und Nähe, voller Freiheit und mit einer spannenden Perspektive.
Das Leben wird uns führen, da bin ich mir sicher. Das Leben werden wir gestalten können, mit allem was in uns ist, vor allem aber der Bereitschaft, uns von Menschen, Natur, Glas und Worten verführen zu lassen.

Danke meine wunderbare Herzdame für alles, für 17 gemeinsame Jahre und für jeden neuen Tag, der uns den Raum zum Lieben gibt. Danke für die Tür, die Du einmal geöffnet hast.


Und ein anderes Gedicht neben dem Haiku hat heute natürlich auch Platz:


die seitenstraßen lieben wir mit ihren eigenen gedanken
und den zerfall eines tulpenstrausses in der letzten stunde
meere erfinden wir aus gläsern und worten
bedingungslos stellen wir uns unseren wirklichkeiten
die zahlen werden üppiger gleich den gesammelten landschaften
und wir haben uns unerschütterlichkeit in den reiseführer geschrieben
wenn sich das jahr neu aufstellt wollen wir die sehnsucht
einer aufbrandenden welle in unserem herzen notieren
wollen wir nicht aufhören das gute zu preisen
anderen menschen einen zugeneigten gedanken hinterlassen
denn nichts ist schöner als von dir im leben verführt zu werden
denn nichts ist schöner als vom leben in dir verführt zu werden
und hinein zu tauchen in einen frischen tag
der um sich greifen wird mit deinem grün und meinem blau



                                                                                              für Annemarie

Hermann Josef Schmitz



Montag, 15. Januar 2024

Von den Trostsuchenden

die trostsuchenden haben sich in den dunklen gängen verirrt
die entliebten leben jenseits der gewünschten erfüllung
nichts ziert die wege mehr die einmal erblühten und richtung hielten
jetzt werden die tage kälter und wortloser
die kalender tragen einen schwarzen flor wie trauersamt
während die trostsuchenden nichts anderes bräuchten
als menschen die mut im gepäck hätten und teilten
als menschen mit wegweisern in ihren händen
die entliebten haben sich den herzkammern entzogen
haben ihre zuversicht vernäht wie ein blindentuch
sind zu den propheten mit den falschen lebensmottos abgebogen
jetzt versammeln sich die unmutigen die entliebten die immer benachteiligten
und suchen schuldige für etwas was sie selbst zum verlust gebracht haben
längst haben die mutigen die lautstärke gelöscht
aber die trostsuchenden haben noch nicht aufgegeben
sie wollen dich finden am ende der dunklen gänge
für ein zuversichtliches wort eine umarmung eine wegweisung
die einer unverstellten wirklichkeit entspringt



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 13. Januar 2024

Dreizehn

In den Wartezimmern der Liebe wachsen die kostbaren Träume.


Hermann Josef Schmitz


Heute blogge ich den Text aus meinem 366-Zeilen-Blog  https://imgartenderzeitbliebichundwuchs.blogspot.com/ gerne parallel hier.