im malvenhaus wohnen
zwischen rosen und rosmarin
worte erfinden
für eine andere welt
die sich in andere ordnungen fügt
und sich das wilde blühen
behält wie eine seele
in der tiefe des entstehens
im malvenhaus wohnen
in einer betörung
aus farben und licht
Hermann Josef Schmitz
Mit fünf gelesenen Büchern wünsche ich Euch ein schattenreiches und leises Wochenende.
«Drei Wochen
im August» von Nina
Bussmann
Eine Kuratorin, ihr Kindermädchen, ihre beiden Kinder und die Freundin
der Tochter verbringen ihren Urlaub in Haus ihrer Chefin am Atlantik. Die scheinbare
Idylle, die schon zum Urlaubsstart keine ist, verändert sich bald. Unbekannte
Menschen tauchen auf, in der Nähe wüten Waldbrände und es liegt immer eine
Spannung und potentielle Gefahren in und über den Tagen. Manchmal sehr real,
manchmal aber auch nur in den Köpfen. Der Roman wird aus der Perspektive der
Kuratorin/Mutter und des Kindermädchens beschrieben. Das hat durchaus Spannung
und auch unsichere Entwicklungen. Aber ich bin nicht so sehr von der Story gefangen
worden.
«Sieben Tage Windstille» von Laure Limongi
Romane, die auf Korsika spielen, üben aus den bekannten Gründen, immer
nochmal etwas mehr Faszination aus. «Sieben Tage Windstille» von Laure Limongi
ist eine Familiengeschichte, die immer wieder verzweigt und dann und wann (bis
zum Schluss) geheimnisvoll bleibt. Huma, die Hauptfigur, die in den 70erJahren
geboren wird, erzählt retroperspektiv. Wie sie als Kind ins obere Stockwerk zu
ihrer Großmutter „umgesiedelt“ wird, die sich an ihr für etwas rächt, dass Huma
nicht zu verantworten hat.
Es gelingt ihr aber zunehmend, sich aus der Umklammerung und den psychischen
Übergriffen zu lösen und autonom zu werden.
Ich brauchte bisschen, um ins Buch reinzukommen, aber dann wurde es sehr gut.
«Laute Nächte» von Anne Freytag
Nach «Blaues Wunder» hat Anne Freytag erneut einen sehr berührenden,
aber ganz anderen Roman geschrieben. Es geht um eine 4er-WG in Wien, deren
Hauptprotagonist den Verlust seiner Freundin, die plötzlich gestorben ist, tief
in sich trägt. Es geht viel um Trauer, aber es geht auch um junge Liebe, es
geht um ungerade Lebenslinien und die Brüchigkeit des Glücks. In der Trauer von
der Hauptperson zeigt sich einmal mehr, dass sie ein so individuelles Gefühl
ist wie viele andere. Ohne Ablaufdatum, ohne Regeln, ohne Bewertung.
Erneut eines der Bücher 2026 für mich.
«Liebe» von Thomas Hettche
Thomas Hettches Buch bekommt 2026 auch einen vorderen Platz bei meinen
gelesenen Büchern. Die Geschichte einer späten Liebe, die mit einem schwierigen
Anlauf startet. Aber wie viel Liebe schaffen kann und welche Innigkeit, Sinnlichkeit
und Stärke Liebe im Alter entfachen kann – darüber schreibt Hettche wunderbar
und berührend. Und weil die Endlichkeit in dieser Lebensphase zu einem stärkeren
Teil dazu gehört, bindet er es auch in die Dialoge, in die Bewegungen und in
die Berührungen ein.
«Dunkle Momente» von Elisa Hoven
Ich habe nach der 9. und letzten Episode das Buch von Elisa Hoven, die
Strafrechtsprofessorin ist, nachdenklich geschlossen. Es geht um eine Rechtsanwältin,
deren starkes Motiv darin besteht, Freisprüche für ihre Mandant:innen zu
erreichen. Dass sie dabei manchmal fragwürdig handelt, sich Schuld auflädt und Verantwortung
übernimmt, wo sie es nicht sollte, macht den Roman besonders.
