I
muschelsäume und ein nie gehörtes tosen dort wo sich die wellen brechen ziehen
wolken mit einer seltenen eleganz über den himmel hinweg sand trägt die farben
der felsen salzluft dingt auf die haut legt sich in die verschwiegenen
atemworte mit leichtem schritt wanderst du von ufer zu ufer und schenkst mir
verführungen zum leben
II
schaumnetze sich überschlagende wellen und immer dieses schleifen das knistern
der kiesel muscheln sandperlen lichtströme luftfäden eine graue wolkenstadt dazwischen
blausilber und der flug der möwen mit flüchtigem schattengewand
III
später werde ich an diese stunde denken wenn die grauen wolken überhand nehmen
wollen später werde ich den geruch der salzluft noch immer erahnen später wird
diese stunde immer noch unsere stunde sein
Hermann Josef Schmitz
Damit enden die Algarve-Texte ... es gibt aber genug andere Poesie, die weiter zuverlässig hier Platz findet.
Wortgarage
Sonntag, 19. April 2026
Albufeira
Freitag, 17. April 2026
Silves
wie es sich wohl leben mag hinter den
gedrungenen häusern umrahmt von einer festung wie es sich wohl leben mag
inmitten der ströme fremder menschen und geräusche wie es sich dort wohl froh
werden lassen kann viel leichter vielleicht im hintergrund der orangenplantagen
viel einfacher als wir denken und viel tiefer verwurzelter in all den
verlässlichen strukturen den einfachen abläufen und den vorgehensweisen von tag
zu tag wir folgen den engen kopfsteinpflasterstraßen und den unbekannten
richtungen männer mit sonnengebrannten gesicht und der ewigen zigarette kommen
entgegen frauen die mit stolzem blick ihren weg wählen während in den
gedrungenen häusern das leben eine andere akzeptanz hat eine demut in den
gebeten liegt und die tage nicht andauernd ihr glück suchen müssen weil es
bereits in den blühenden hinterhöfen angekommen ist
Hermann Josef Schmitz
Mit einem weiteren Text unserer Woche an der Algarve, heute über den Ort Silves, wünsche ich Euch ein sonniges und unaufgeregtes Wochenende.
Mittwoch, 15. April 2026
April I
Praia de Falésia
sie tragen mehr seele in ihren bewegungen als ihr getragener wille verrät
nichts gibt ihnen unbedingte freude die ansprüche sind hoch die fremden
ansprüche die sie sich angeeignet haben die ihnen zugesprochen wurden und so
leben sie zug um zug und versäumen die anspruchslose zeit der erfüllung weit
weg von architektonischen meisterleistungen in denen sie wohnen den kalendern
verpflichtet den ordnungen und verordnungen in der ferne liegt die
anspruchslose zeit der erfüllung zwischen dem kommen und gehen der wellen
zwischen den heiseren worten der möwen ihrer freiheit in den luftströmen aber
sie leben für ein leben der ansprüche der trends und der zunehmenden bildschirmzeit
in den nächten liegen sie wach die gedanken laufen sturm die sterne haben
keinen zutritt mehr und so träumen sie längst ins leere und so versäumen sie
die anspruchslose zeit der erfüllung dort wo die verbindungen nichts anderes
benötigen als warmes licht auf der haut und die unbedingte bereitschaft sich
vom leben verführen zu lassen
Hermann Josef Schmitz
Ein paar Eindrücke von diesem wunderbaren Flecken an der Algarve.
Montag, 13. April 2026
Loulė
die stadt empfängt dich mit warmen farben und blühenden straßen
II
einmal mehr betört das schwarze gold deine sinne aus den umtriebigen wochenendperspektiven voller routine auswege finden tonfolgen wieder erkennen in eine andere zeit deine frühere zeit eintauchen hinausfallen und hineinfallen in die sorgfältigen erinnerungen die in den vorderen regalen die die sich einen weg bahnen zwischen koblenz und loulė bis ins jetzt
III
sie haben die seltenen hochhäuser mit dem glanz von kacheln eine andere würde gegeben sie haben den seltenen hochhäusern einen platz im pulsierenden leben ermöglicht
IV
deine leichtigkeit gibt den grauen tagen ein warmes gesicht
Hermann Josef Schmitz


