hadern dieses innere ringen an einem so schönen tag
wenn sich begrenzungen auftun die dir schwerfallen zu respektieren sie nennen
es die erfahrung des lebens die all diese begrenzungen kompensiert aber
manchmal hilft dir die erfahrung nicht wenn du an der steinkante stehst
gleichgewicht suchst den inneren feind nicht aus dem haus schicken kannst weil
er die begrenzung ist an einem so schönen tag zwischen bäumen die allem trotzen
steinen die seit tausenden von jahren ihre eigenen geschichten schreiben und
die tief innen die größte wahrheit in sich tragen und dennoch hadern am
leuchtenden wasser hinter der schnelle dort wo das tiefe grün verwurzelt die
steine ihre geschichten neu schreiben am leuchtenden wasser voller poesie
hadern und in diesem inneren ringen den blick für das schöne aber halten im
auge zwischen den fingern an deiner hand tief im herzen und trotz deines haderns
dankbar bleiben wollen
Hermann Josef Schmitz
Wortgarage
Dienstag, 29. September 2026
September III
Sonntag, 27. September 2026
Auf dem Weg zum Col de Bavella
die straßen sind feine linien in diesem weiträumigen geflecht von steinen und bäumen von schattenwolken und tiefgrünen wassern sie zeigen den verlust an ihren rainen stehen die mahnmale überschlagender geschwindigkeit ablenkung und unachtsamkeit und in den einfahrten stehen die verlorenen briefkästen viel zu lange sind sie bereits aufbewahrungsräume für ungehörige briefe für den zorn der werbenden und seltener für die schlagzeilen der seriösen die straßen sind feine linien in diesen unwirtlichen landschaften dort wo die schlagseiten das tempo bestimmen die schrittfequenz verlangsamen und dich zwingen zu schauen in diese landschaften die sich nicht unterkriegen lassen die viel von ihrer eigenen sprache und ihren Farben erhalten haben aber an den straßen in den einfahrten stehen die verlorenen briefkästen sie atmen selten als wähnten sie sich in einem langen schlaf und träumen doch so sehr von dem einen brief der auf dem umschlag eine geschwungene Schrift trägt und innen worte so liebevoll wie ein versprechen so liebevoll wie ein aufwachsender baum ein schlendernder wind so erregend wie die verführung und die liebe zum leben
Hermann Josef Schmitz
Freitag, 25. September 2026
Aufbruch
du nahmst meine schutzlosigkeit
und legtest die träume offen
wir lagen im geflecht einer unbenannten stunde
atem verzweigte sich in den gedankenlosen worten
herzschläge lagerten in deinen händen
unter den schatten der großen kastanien
reifte der kommende
herbst
für Annemarie
Vom korsischen Meer kommen heute Grüße für ein leichtfüßiges Wochenende.
Hermann Josef Schmitz
Mittwoch, 23. September 2026
PortoVecchio
ich suche
den zauber vergangener tage zwischen menschenströmen bleiben die unsicheren
gedanken etwas hat sich verändert nach vielen jahren die unaufmerksamkeit
spiegelt sich an den tischen in den gassen hinter den bildschirmen dort bleiben
die worte flüchtig und die aufgebrachten meinungen versammeln sich im zauber
der alten gemäuer bleiben die alten geschichten unberührt dort wo die stillen
häuser stehen mit ihren ergrauten türen den staubigen fenstern dort wo menschen
den sonntag verschließen ihren heimischen sonntag vor all den menschenströmen
die sich durch die gassen drängen unaufmerksam immer mehr in ihren taschen
rucksäcken als es benötigt aber leer in der eigenen stille die sie verdrängt
haben zum rückzug gebeten haben hier gibt es nichts zu sehen für diese stille
schon lange sendepause wann werden die tage kommen wenn diese stille ihre
daseinsberechtigung einfordert wenn es zeit wird für ein innehalten ich suche
den zauber vergangener tage in einer altgewordenen stadt
Hermann Josef Schmitz
Montag, 21. September 2026
Plage de Pinarello
I
mit den wellen
kamen die worte ins licht
II
die schatten werden
länger
und ihre kanten härter
wann kehren die wunder zurück
jene hinter den wellen
dort wo das meer
seine silbernen scherben sammelt
wann findet sich erlösung
die unter den wassern
dort im verwilderten moos
Hermann Josef Schmitz