Mittwoch, 22. Juli 2026

Juli II

viel zu früh ist der sommer müde geworden die wolken haben schon lange ihren letzten tanz geregnet wälder ertrinken im licht und du gehst seufzend ohne unterlass seufzend in den frühen morgen an den rainen schweigen die brombeersträucher und tragen zuversichtlich schwarze früchte noch ist die seele unterwegs hängt in der ferne dem klang der heimat nach viel zu oft hast du geglaubt loslassen ginge so einfach aber als du wieder ankamst pochte dein herz vor freude spürtest du die sommerwarme stadt am großen fluss und eine scheinbar verlorene sehnsucht bahnte sich durch lieder und zeilen ihren weg mitten in dein herz viel zu früh ist der sommer müde geworden die abschiede rücken näher seufzend stehst du vor den verlorenen träumen den schwüngen traust du weniger als zu einer anderen zeit seufzend löst du dich von der sehnsucht die sich nicht mehr erfüllen wird die wolken haben sich aufgelöst gras hat seine farbe verloren und wächst nicht mehr aber es muss etwas geben einen traum eine sehnsucht die keinen abschied duldet viel zu früh ist der sommer müde geworden und hat sich hinten an deine herzwand gelehnt


Hermann Josef Schmitz

Montag, 20. Juli 2026

Tiefer

wir reisten durch eine leise fließende zeit
dein staunen und freuen füllte die worte
wir fuhren entlang der geschwungenen hügel
die stunden waren ein geschenk
und legten sich an die ufer neuer erinnerungen
am see mit dem betörenden blick auf die berge
legten wir ein album an etikettierten die momente
sie hatten diese seltene dichte
die aus dem unvorhergesehen geschah
am see mit dem betörenden blick auf die stadt
erhielt die begegnung eine andere tiefe
wuchsen die worte aus einer anderen bedeutung
entstand eine verbindung aus einer
nicht beschreibbaren herzlichkeit



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 18. Juli 2026

Was zählt

sei ohne sorge
wenn deine tage grau und verlegen sind
gib deinen befindlichkeiten bedeutung
und vertraue darauf
dies sind nicht die schweren tage
denen ich versprochen habe
dich immer halten zu wollen 



Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 16. Juli 2026

Köln

I

der sprache folgen und spüren wie das herz sich an einer immer wieder verschlossenen stelle öffnet geschichten folgen der aufopferung von menschen im glauben an das gute inmitten der ungerechtigkeiten trägt der große fluss die jahrhunderte an seinen ufern entlang unter den groß gewachsenen bäumen zwischen unbekannten eine verbindung erkennen und den einen moment nicht verpassen in dem der tag dir ein siegel anbringt ein siegel aus einer nicht fassbaren sicherheit die dir bleibt dort wo du dich in deinen jungen jahren suchtest dem leben eine spur legtest und der sprache folgtest wie heute wenn sich die bestimmungen neu verfestigen ein geduldiger traum nicht aufhört zur sehnsucht zu werden im scherenschnitt des großen domes


II

es ist die sprache und es sind die geschichten die auch nach so vielen jahren nichts von ihrem glanz und ihrer bedeutung verloren haben es sind die langen reisen voll unbestimmter pläne an deren rändern die musik aus deiner stadt wie ein geländer blieb nicht sichtbar und doch immer da es ist ein großes herz dessen gefühl sich in der großen stadt zwischen alle straßenschluchten legt 


Hermann Josef Schmitz




Dienstag, 14. Juli 2026

Köln, Tel-Aviv-Straße

die stadt schläft niemals ganz
zu ruhelos sind viel zu viele menschen
noch vor der ersten hellen stunde
legt sich ein fremdgemachter spiegel
ungefragt auf die erwachenden gedanken
legt einen schatten in den letzten traum
und von den großen litfaßsäulen
versprechen sie dir lebensfreude
mit worten die sie der poesie gestohlen haben
die stadt schläft niemals ganz
doch von den hohen kirchentürmen
legt sich wenn du den glocken folgst
ein stillsein aus jahrhunderten in diesen morgen
nur jene die vom muff und mief vergangener zeiten reden
haben längst ihr staunen über diesen klang verloren
sie suchen alles was sie stört und stören könnte
und gehen doch unter in ihrem dröhnen diesem lärm
von werbung die von litfaßsäulen
pure lebensfreude verspricht



Hermann Josef Schmitz