ein
anderes blau legt spätes licht
zu einem glanz auf dunkles grün
ein letzter saum vom großen sommer
legt sich ins schwere eines herbstes
drum lass dein herz nochmal ins licht
gib den gedanken einen hellen klang
wirf deine ungewissen sorgen hinter dich
und lass dich ein auf dieses andere blau
Hermann Josef Schmitz
Leuchtend war gestern auch der Étang
de la Gruère. Und das Gedicht vom letzten Freitag könnte nicht passender sein.
Und dazu gibt es die Vorstellung von weiteren 5 gelesenen Büchern aus diesem Sommer:
«Tage am Fluss» von Jochen Mariss
Als ich das Buch von Jochen Mariss sah, hatte ich sofort eine Verbindung
zur Grafik Werkstatt und Foto-Text-Karten, die auch von ihm gestaltet bzw.
Gedichte, die von ihm geschrieben wurden. Und in meinem Fundus liegen noch
welche.
Jetzt schreibt er mit 70 seinen ersten Roman und der ist sehr stark. Weil er
zum einen zwei Menschen unerwartet zusammenbringt, die beide ihre Wunden
tragen. Und weil er zum anderen einen starken Bezug zur aktuellen Klimasituation
hat. Das Buch hat mich überzeugt, es kann gar nicht genug Literatur zu dieser
Veränderung der Natur geben. Gleichzeitig ist es vom Verlauf und der Annäherung
der beiden Menschen, einer älteren Fährfrau und einem jungen Klima-Aktivisten,
dicht und berührend. Kommt auf jeden Fall in meine 20er Liste.
«Die Frau und der Fjord» von Anette Strohmeyer
Ein leises Buch über die Trauer, ein leises Buch über die sehr schöne
Natur in den Lofoten und ein leises Buch über eine Annäherung ans Leben. Gro,
die Hauptperson, die auf einer Bohrinsel gearbeitet hat, verliert ihren Mann
und zieht sich zurück. Sie will in ihrer Trauer über den so großen Verlust niemand
an ihrer Seite, niemand in ihrer Umgebung und keinen Trost. In diesem Trauern kommen
Begegnungen mit der Natur und mit der Rettung eines beinahe ertrunkenen Fischers ganz
leise zu ihr und öffnen eine Stelle in ihr, die sich wieder ins Leben wagt.
Auch das war ein Buch, was mich sehr berührt hat und das meinen Lesesommer
bereichert hat.
«Brünigpass» von Silvia Götschi
Aus der Götschi-Reihe um den Privatdetektiv Max von Wirth ist das der 9.
Band. Und so gut wie Silvia Götschi schreibt und Spannung erzeugt, merke ich auch etwas Wiederholendes. Neben dem Kriminalfall geht es immer auch um die
Beziehung von Max von Wirth und um seine Mutter und immer sind alle drei in die
Fälle involviert.
In «Brünigpass» geht es um ein anonymes Schreiben, das auf eine Leiche in einem
Tunnel hinweist. Wenn das Trio den Fall nicht übernimmt, ist die Mutter von Max
von Wirth in großer Gefahr. Damit entsteht auf über 300 Seiten ein spannender
Krimi, der – wie oft bei Silvia Götschi – viele Abgründe zu Tage bringt.
«schnell LEBEN» von Brigitte Giraud
Die französische Schriftstellerin Brigitte Giraud hat einen autobiografischen
Liebesroman über den Mann geschrieben, den sie 20 Jahre zuvor durch einen Unfalltod
verloren hat. Sie stellt sich zu diesem Zeitpunkt (sie verkauft das Haus, in
das sie 3 Tage nach seinem Tod mit dem gemeinsamen Sohn einzog) der elementaren
Frage «Was wäre gewesen, wenn?». Und bleibt dabei in allen Fragen zu Schicksal
und Schuld, zwischen allem Schmerz und aller unvergänglichen Liebe in einem
nicht enden wollenden Kreisen. Ich bin auch im Nachgang nicht sicher, ob es mir
gefallen hat oder ob ich in einem Zweifel darüber bleibe.
«Die Richtige» von Martin Mosebach
«Die Richtige» von Martin Mosebach, dem
Büchnerpreisträger wollte zu mir. Um mich dann aber nicht so richtig zu
erreichen. Nach dem zweiten Anlauf habe ich es gelesen, aber es fehlt mir etwas,
das ich leider nicht beschreiben kann. Sprachlich großartig, die Geschichte hat auch etwas:
Ein narzisstischer und genialer Maler hat ein neues Modell für seine
Aktmalerei. Dieses Modell wird ihm von einem Unternehmerehepaar, die ihn seit
Beginn seiner Malerei (als er noch keinen Namen hatte) protegieren und
unterstützen, „zugeführt“. Gleichzeitig soll er eine Verbindung des Modells zum
Bruder des Mäzens herstellen. Das gelingt, die beiden heiraten. Aber der Maler
benutzt und verführt das Modell und missbraucht auch ihren Mann für seine
Zwecke.
