Montag, 2. November 2026

Diese zarten Stellen

es gibt sie immer diese zarten stellen
der fluss der stille blätter trägt
die dunkle luft die einen letzten sommertag
in ihren armen hält
die letzte dahlie im grauen licht
die aufgerissen schönen worte
die zwischenseiten die den einen satz behüten
das unentdeckte hinter deiner lippenspur
es gibt sie immer diese zarten stellen
die uns aus einem augenschein
zum unerkannten weinen bringen



Hermann Josef Schmitz

Samstag, 31. Oktober 2026

Oktober III

auf den hellen wassern halmschatten in lichtnischen das leben feiern den stromlinien nachschauen aber eigene wege gehen den verschneiten gipfeln nachschauen dem fall der blätter und sichtbar dem verfall den gedanken eigene wege verordnen im weiterziehen bleiben hinter den erwartungen abbiegen und das leben auf die eigene art feiern die kommende dunkelheit hinterfragen ihre bedeutung ihren überfluss und wieder zurückkommen an helle wasser einzelnen tagen zäune entreißen worte erfinden und neuen sprachklängen begegnen gräber auffinden erinnerungen einteilen in das vergangene das bittere das heitere und die gemeinsamen glücklichen zeiten belassen lieben unbedenklich und grundlos nach vorne blicken an hellen wassern den stromlinien nachschauen und eigene tage bestimmen auch dann unverändert lieben unaufhörlich ohne bedingung zurückgehen in die hinterhöfe und stillen ecken dort wo alles begann an hellen abenden an hellen wassern 


Hermann Josef Schmitz


Zum letzten Oktoberpost gibt es von meiner 100-Bücher-Reise fünf weitere mit kleinen Anmerkungen und eigenen Einschätzungen:

«Ein Samstag im August» von Birgit Bachmann

Manchmal bringt ein Ereignis etwas in Bewegung, was schon sehr lange unter der Oberfläche gärte. So beginnt dieser Roman eines Wochenendes und er beinhaltet vieles an familiären Problemen, an Lebenslügen, Geheimnissen, die zu Tage kommen. Und an den Rändern werden dann andere Themen von außen, wie Missbrauch und Mobbing zum Thema. Gut zu lesen, manchmal etwas an der Oberfläche bleibend und dennoch Fragen hinterlassend.


«Zwei am Meer» von Fanny André

Das war eines der wenigen Bücher, die mich in diesem Jahr nicht überzeugt haben. Zwei Frauen treffen sich am Grab des Sohnes bzw. Ex-Ehemannes nach vielen Jahren wieder. Sie, die immer einen guten Kontakt zueinander hatten, beschließen das zu verwirklichen, was sie immer schon mal machen wollten: eine Reise in die jeweilige Herkunftsgegend, die Normandie und die Bretagne. Das hat Feelgood an vielen Stellen, aber mich hat es leider nicht so angesprochen.


«Und alle so still» von Mareike Fallwickl

Bei aller Kritik, die ich zu diesem Buch gelesen habe: Ich finde es stark, es erzeugt ein Nachdenken auch nach dem Lesen und hat vieles an Aktualität.
Die Hauptfiguren sind ein Fahrradkurier, eine promiske Influencerin und eine Pflegekraft in einem Krankenhaus. Die Arbeitsverhältnisse sind auf unterschiedliche Weise prekär und die Erfahrungen, die alle drei machen, drastisch und von schlimmer Realität. Zwischendrin liest man und muss schlucken und warten, bevor man weiterliest.
Irgendwann im Roman beginnen Menschen zu protestieren, ohne ein Wort zu sagen. Sie verweigern ihre Arbeit und legen sich auf den Boden. Das macht deutlich, was geschieht oder geschehen würde, wenn Menschen Care-Arbeit beginnen zu verweigern.
Neben den drei Hauptfiguren kommen auch eine Gebärmutter und eine Pistole zu Wort. Das ist speziell und gehört zu den losen Verbindungen der Hauptfiguren.


«Im schwindenden Licht» von Werner Köhler

Vier Menschen treffen nach 50 Jahren auf der Insel La Gomera wieder aufeinander. Sie hatten sich dort schon einmal getroffen, initiiert durch den charismatischen Anführer ihrer damaligen Clique. Jetzt sind sie eingeladen worden, Flugtickets liegen bei. Die Einladung ist geheimnisvoll und kommt von einem weiteren Mitglied der damaligen Clique. Sie treffen sich in seinem Haus und erleben, was aus ihnen geworden ist. Ein Buch über verschlungene Lebenswege, Träume und geplatzte Träume, Restillusionen und gebrochene Versprechen. Ein Buch über Entwicklungen und Stillstände und die Begegnung mit dem damaligen Anführer ihrer Clique. Und was es mit der Person auf sich hat, die eingeladen hat, kann ich hier natürlich nicht sagen.
Auf jeden Fall ein Buch über meine Generation, über die Musik der 70er und über mehr buntes Leben, als mir lieb gewesen wäre.
Kommt auf jeden Fall in meine Top 20.  



«Zeit ihres Lebens »
von Dirk Gieselmann

Die Beziehung von Frieda und Georg, die sich im Verborgenen einrichtet. Eine Liebesgeschichte voller Poesie und voller Traurigkeit. Zwei Menschen, die wenige Tage im Jahr über ihren Schatten springen und dann wieder in ihr angestammtes Leben mit und ohne Abhängigkeiten zurückkehren. Ein Roman über den Trost und den Kummer der Liebe und der Einsamkeit. Und ein Buch mit einem Ende, das man aushalten muss.