- I
die stadt empfängt dich mit warmen farben und blühenden straßen
II
einmal mehr betört das schwarze gold deine sinne aus den umtriebigen wochenendperspektiven voller routine auswege finden tonfolgen wieder erkennen in eine andere zeit deine frühere zeit eintauchen hinausfallen und hineinfallen in die sorgfältigen erinnerungen die in den vorderen regalen die die sich einen weg bahnen zwischen koblenz und loulė bis ins jetzt
III
sie haben die seltenen hochhäuser mit dem glanz von kacheln eine andere würde gegeben sie haben den seltenen hochhäusern einen platz im pulsierenden leben ermöglicht
IV
deine leichtigkeit gibt den grauen tagen ein warmes gesicht
Hermann Josef Schmitz
Wortgarage
Montag, 13. April 2026
Loulė
Samstag, 11. April 2026
Lagos, Algarve
- I
dieses genaue finden und dieses ungenaue suchen auf einer kleinen reise in den tag dem unbekannten eine tür öffnen unter dem grau geschliffenen himmel steht jahrtausende altes gestein schicht um schicht viele dekaden über das schweigen flattern seit jeher die wellen tragen ihr licht in alle fugen und überdauern alle erkennbare endlichkeit
II
an häuserufern vergehende farben die gefliesten fassaden überdauernde schönheit auf das kleine das scheinbar geringe schaute ich im vorbeigehen blühten die farben in den verborgenen winkeln
III
von dir sehen lernen wenn die tage regentropfen in die kalender schreiben von dir innehalten lernen und dich an manchen tagen lieben wie lange zuvor
Hermann Josef Schmitz
Donnerstag, 9. April 2026
18 Jahre Wortgarage
du trägst
die verschriebenen
worte
unter das fenster
leer geworden
erblassen sie
bis zur erinnerung
wir tauschen
du gibst grün
für mein blau
Hermann Josef Schmitz
18 Jahre – die Wortgarage wird volljährig 😊. Sie bleibt auch nach dem weitgehenden Ausstieg aus dem Beruf unverändert ein
wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Die Reise der Wortgarage geht
unverändert weiter, an Worten, Gedanken, Ideen, Sätzen mangelt es mir nicht.
Vor allem aber macht es mir Freude, hier einen Platz für meine Poesie zu haben.
Jedes Jahr blogge ich am 9. April das obige Gedicht. Längst hat sich die
Textfarbe und die Schriftart geändert, aber in seinem Ursprung bleibt es eben
das erste Gedicht, mit dem sich die Wortgarage (damals noch unter einem anderen
Anbieter) auf die Reise gemacht hat. Längst gibt es den ersten Gedichtband
nicht mehr zu kaufen, aber über die Jahre hinweg sind viele neue Bücher und
Karten entstanden. Gegen Ende dieses Quartals wird es neue Bücher geben,
geplant ist ein Gedichtband und ein Buch mit ungeschliffener Kurzprosa.
Ich erinnere mich immer sehr gerne an das Entstehen der Wortgarage am
Nachmittag des 9. April 2008. Meine wunderbare Frau war die Impulsgeberin. Wie
sie überhaupt die Motivation dafür schuf, meinen Gedichten und Prosatexten
einen größeren Raum zu geben und ihnen mehr Begegnung in Büchern und Postkarten
zu verleihen.
Damals war das mein Beginn in der digitalen Welt meine Poesie zu platzieren.
Inzwischen ist das zu einem viel größeren Ort der Begegnung geworden und ich
freue mich über die Vielfalt der Gelegenheiten, über Poesie ins Gespräch zu
kommen. Immer wieder erreiche ich bekannte und unbekannte Menschen – in der
digitalen wie auch unmittelbaren Begegnung. Letztere geben sich manchmal nach
Jahren zu erkennen – durch eine Mail, einen Kauf eines meiner Bücher oder auch
durch eine persönliche Begegnung.
Viel Unfrieden und Zerstörung liegt in der jetzigen Zeit, viel Unsicherheit und
Sorge – und gerade deswegen muss Poesie immer einen Platz haben dürfen, den
Blick verändern für einen Augenblick genauso wie für eine lange Zeit. Raum
geben für das Schöne und Zeitlose, Gedanken und Träume anlegen wie einen
Horizont, der einmal nah und einmal weit erscheint und nichts beweisen muss. In
allem auch immer begleitet von der Liebe, meiner Liebe zu den Menschen, der
Natur, den Worten.
All den treuen Wortgarage-Leser*innen danke ich auch heute wieder sehr herzlich
für 18 Jahre des Begegnens und Lesens.
Ich schreibe weiter, es gibt so vieles, für das die Worte einen Platz
haben und dem Leben Wunder und Berührung schenken.
Meiner geliebten Herzdame – der großartigen Glaskünstlerin – danke ich
unverändert für den damaligen Impuls zu bloggen, für dieses Begegnen und für
die Reise, die uns gemeinsam inspiriert. Sie ist (m)eine wunderbare Frau und
bereichert mich unverändert und unvermindert in meinem Denken, Wahrnehmen, Feiern
und Lieben des Lebens.
Alles Gute,
herzliche Grüße und auf ein weiteres poetisches Jahr.
Hermann Josef Schmitz
Mittwoch, 8. April 2026
Bitter
sie reden sich fadenscheinig
an dem begangenen unrecht entlang
auf dem doppelten boden
der bezahlten absicherung
kann ihnen nichts passieren
den ruinierten ruf
übertönt bereits am nächsten tag
eine andere lüge
zwischen zwei stühlen
leben sie heiter ohne moral
Hermann Josef Schmitz
Montag, 6. April 2026
Erleuchtete Nächte
wenn sich töne und worte aufmachen
verbindungen entstehen
wo vorher keine waren
wenn zu späterer stunde die domglocken
eine lange lebensgeschichte einläuten
es gibt sie diese erleuchteten nächte
wenn etwas geschieht
weil es geschehen muss
ohne abstimmung ohne einen plan
wenn sich worte und töne aufmachen
die stunde beseelt ist
von gegenwart und erinnerung
dankbarkeit zum geschenk wird
und etwas in einem selbst aufgeht
nicht suchend aber findend
verbindungen entstehen
zwischen den sternen
die in den menschen wohnen
Hermann Josef Schmitz
Eine dieser erleuchteten Nächte liegt schon wieder eine Woche zurück, aber sie wirkt unverändert. 30. März 2026 - was für ein Tag und Abend in Köln. Danke!

Samstag, 4. April 2026
Erklärung
ich liebe dich
weil etwas immer in dir
unvollständig bleiben mag
nicht alle tage
sich nach dem erfüllen
sehnen müssen
und deine liebe dennoch
in allen ihren zimmern wohnt
weil immer auch die zimmer
nie perfekt sein wollen
wie liebe ich dich doch
so unvollständig
und darin gut zu dir
denn wenn du liebst
dann liebst du auch
das was in brüchen lebt
dann liebst du auch
den teil in dir
der unvollständig bleibt
dem schwachen dient
dort wo du dir
im ganzen selbst genügst
dafür in allem liebe ich dich
für
Annemarie
Hermann Josef Schmitz
Ich wünsche Euch erfüllte, segensreiche, liebevolle und glückliche Osterfeiertage.
Donnerstag, 2. April 2026
Versuch
während der wind in den bäumen
seine eigene sprache spricht
versuchen ein gedicht über den frieden zu schreiben
aber was sagen zu dieser rohheit der menschen
dem verlust der liebe an allen ecken und enden
sich den inneren wortlosen tumulten stellen
und nicht die richtigen sätze finden können
aber wissen dass die anemonen mit ihren weißen säumen
trost schenken können und flügel für die gedanken
während das licht in den bäumen
ein nest anzulegen versucht
sich nicht an etwas gewöhnen das nicht normal werden darf
das skandalöse nicht schlucken
sondern unverändert im blick behalten
und dennoch keine richtigen wege finden
um dieser koalition der zögerlichen entgegenzutreten
aber wissen die liebe ist der einzige schattenriss
der auch im dunklen zu einem leuchten wird
daran glauben und sich daran halten
während der wind in den bäumen
seine eigene sprache spricht
Hermann Josef Schmitz
