auf
den hellen wassern halmschatten in lichtnischen das leben feiern den stromlinien
nachschauen aber eigene wege gehen den verschneiten gipfeln nachschauen dem fall
der blätter und sichtbar dem verfall den gedanken eigene wege verordnen im
weiterziehen bleiben hinter den erwartungen abbiegen und das leben auf die
eigene art feiern die kommende dunkelheit hinterfragen ihre bedeutung ihren überfluss
und wieder zurückkommen an helle wasser einzelnen tagen zäune entreißen worte
erfinden und neuen sprachklängen begegnen gräber auffinden erinnerungen
einteilen in das vergangene das bittere das heitere und die gemeinsamen
glücklichen zeiten belassen lieben unbedenklich und grundlos nach vorne blicken
an hellen wassern den stromlinien nachschauen und eigene tage bestimmen auch
dann unverändert lieben unaufhörlich ohne bedingung zurückgehen in die hinterhöfe
und stillen ecken dort wo alles begann an hellen abenden an hellen wassern
Hermann Josef Schmitz
Zum letzten Oktoberpost gibt es von meiner 100-Bücher-Reise fünf weitere mit kleinen Anmerkungen und eigenen Einschätzungen:
«Ein Samstag im August» von Birgit Bachmann
Manchmal bringt ein Ereignis etwas in Bewegung, was schon sehr lange
unter der Oberfläche gärte. So beginnt dieser Roman eines Wochenendes und er
beinhaltet vieles an familiären Problemen, an Lebenslügen, Geheimnissen, die zu
Tage kommen. Und an den Rändern werden dann andere Themen von außen, wie
Missbrauch und Mobbing zum Thema. Gut zu lesen, manchmal etwas an der
Oberfläche bleibend und dennoch Fragen hinterlassend.
«Zwei am Meer» von Fanny André
Das war eines der wenigen Bücher, die mich in diesem Jahr nicht überzeugt
haben. Zwei Frauen treffen sich am Grab des Sohnes bzw. Ex-Ehemannes nach
vielen Jahren wieder. Sie, die immer einen guten Kontakt zueinander hatten,
beschließen das zu verwirklichen, was sie immer schon mal machen wollten: eine
Reise in die jeweilige Herkunftsgegend, die Normandie und die Bretagne. Das hat Feelgood an vielen Stellen, aber mich hat es leider nicht so angesprochen.
«Und alle so still» von Mareike Fallwickl
Bei aller Kritik, die ich zu diesem Buch gelesen habe: Ich finde es
stark, es erzeugt ein Nachdenken auch nach dem Lesen und hat vieles an
Aktualität.
Die Hauptfiguren sind ein Fahrradkurier, eine promiske Influencerin und eine
Pflegekraft in einem Krankenhaus. Die Arbeitsverhältnisse sind auf
unterschiedliche Weise prekär und die Erfahrungen, die alle drei machen, drastisch
und von schlimmer Realität. Zwischendrin liest man und muss schlucken und
warten, bevor man weiterliest.
Irgendwann im Roman beginnen Menschen zu protestieren, ohne ein Wort zu sagen.
Sie verweigern ihre Arbeit und legen sich auf den Boden. Das macht deutlich,
was geschieht oder geschehen würde, wenn Menschen Care-Arbeit beginnen zu
verweigern.
Neben den drei Hauptfiguren kommen auch eine Gebärmutter und eine Pistole zu
Wort. Das ist speziell und gehört zu den losen Verbindungen der Hauptfiguren.
«Im schwindenden Licht» von Werner Köhler
Vier Menschen treffen nach 50 Jahren auf der Insel La Gomera
wieder aufeinander. Sie hatten sich dort schon einmal getroffen, initiiert
durch den charismatischen Anführer ihrer damaligen Clique. Jetzt sind sie
eingeladen worden, Flugtickets liegen bei. Die Einladung ist geheimnisvoll und
kommt von einem weiteren Mitglied der damaligen Clique. Sie treffen sich in
seinem Haus und erleben, was aus ihnen geworden ist. Ein Buch über verschlungene
Lebenswege, Träume und geplatzte Träume, Restillusionen und gebrochene
Versprechen. Ein Buch über Entwicklungen und Stillstände und die Begegnung mit
dem damaligen Anführer ihrer Clique. Und was es mit der Person auf sich hat,
die eingeladen hat, kann ich hier natürlich nicht sagen.
Auf jeden Fall ein Buch über meine Generation, über die Musik der 70er und über
mehr buntes Leben, als mir lieb gewesen wäre.
Kommt auf jeden Fall in meine Top 20.
«Zeit ihres Lebens » von Dirk Gieselmann
Die Beziehung von Frieda und Georg, die sich im
Verborgenen einrichtet. Eine Liebesgeschichte voller Poesie und voller
Traurigkeit. Zwei Menschen, die wenige Tage im Jahr über ihren Schatten
springen und dann wieder in ihr angestammtes Leben mit und ohne Abhängigkeiten
zurückkehren. Ein Roman über den Trost und den Kummer der Liebe und der Einsamkeit.
Und ein Buch mit einem Ende, das man aushalten muss.