in
einer geschenkten zeit leben
den kümmernissen nicht jede stunde einräumen
hinter den plänen anderer verstecke einrichten
und in allem menschen lieben
wege ins innere anlegen und bepflanzen
dann und wann blumen verschenken
in allen jahreszeiten worte in umschläge legen
für überraschungen bereit sein für abzweigungen
aber nicht allen verführungen nachgehen
unbedingt die stille des meeres in dir ufern lassen
den großen stolz der verheißung würdigen
und vor allem dankbar sein
über jeden geschenkten tag
Hermann Josef Schmitz
Mit dem Blick auf weitere 5 gelesene Bücher (die vielleicht inspirieren) wünsche ich allen hier ein schönes Wochenende.
Und als kleinen Bonus verschenke ich «Ein unendlich kurzer Sommer» an die Person, die sich als erstes per Email (Adresse im Impressum) bei mir meldet.
«Ein unendlich kurzer Sommer» von Kristina Pfister
Ein Campingplatz ist der Mittelpunkt des Romans von Kristina Pfister.
Aber natürlich sind die Menschen im Mittelpunkt, die dort aus unterschiedlichen Motiven
aufeinandertreffen und zueinanderkommen. Jeder von ihnen trägt einen gewesenen
oder kommenden Verlust in sich, ob es die Trennung vom Partner, der Tod der
Mutter oder die unheilbare Erkrankung ist. Einerseits liest sich das Buch sehr
gut, andererseits hat es Tiefe und lässt sowohl Verlust, Abschied als auch
Liebe und Freundschaft genügend Raum. Ein Buch, das jahreszeitenunabhängig
gelesen werden kann.
«Die Verdorbenen» von Michael Köhlmeier
Ob ich ein weiteres Buch von Michael Köhlmeier lesen werde, ist eher
fraglich. Der Roman eines eher unauffälligen und im übertragenen Sinne blassen
Studenten im Marburg der 70er Jahre. Ein Roman über eine eigenwillige und
lieblose Ménage à trois. Im Hintergrund und später in der Umsetzung liegt der
Wunsch des Studenten, einmal im Leben einen Mann zu töten. Es gibt keinen Grund
dafür, aber eine innere Anordnung, das zu tun.
«Geht so» von Beatriz Serrano
Ein Buch, das zwischen all den gelesenen Büchern dieses Jahres einen
anderen Fokus hat: den manchmal satirischen und dann wieder so realistischen Blick auf eine Berufswelt, die
sich teilweise selbst beschäftigt, die Strategien des Überlebens zeigt und
gleichzeitig ein hohes Maß an Entfremdung im Leben einer 30-jährigen. Das hat teilweise
viel Bitternis, denn die Hauptprotagonistin betäubt ihr Leben außerhalb des
Berufes mit YouTubes, Psychopharmaka und losen Begegnungen mit ihrem
Freundschaft-Plus-Partner.
In einem verpflichtenden Teambuilding-Wochenende eskaliert dann mit dem
Einsatz von Drogen alles. Das ist specially und manchmal so nah an der
Realität. Und es ist klasse geschrieben. Toller Debütroman von Beatriz Serrano.
«Unsere Suche nach Zärtlichkeit» von Martin Ehrenhauser
Was für ein schöner, leiser und einfühlsamer Roman über die Liebe in
verschiedenen zeitlichen Ebenen. Ein schlafloser Uhrmacher in Brüssel, der
nachts ehrenamtlich als Telefonseelsorger arbeitet und sehr von dem Anruf einer
unbekannten Frau berührt wird. Er versucht der Spur der Unbekannten zu folgen
und reist von Brüssel an die Côte d’Azur. Dort trifft er eine Frau, in deren Person
er die Unbekannte vermutet. Sie stellt die Strukturen seines bisherigen Lebens
auf den Kopf und seine moralischen Vorstellungen auf den Prüfstand. Was das für
Folgen hat, wäre hier ein zu großer Spoiler 😉.
Hat mir auf jeden Fall sehr gefallen und hinterlässt auch in den eigenen
Gedanken Fragen.
«Von hier aus weiter» von Susann Pásztor
Als ich in der von mir so geliebten Goethe-Buchhandlung in Staufen vor
diesem Buch stand, ermutigte mich eine fremde Frau mit den Worten „Unbedingt
kaufen“. Das hat sich gelohnt. Auch wenn es ein Roman ist, in dem es einmal
mehr um Verlust und Tod geht, aber auch um Suizid und nicht eingehaltene
Versprechen. Eine pensionierte Lehrerin, die mit ihrem Mann gemeinsam aus dem
Leben scheiden wollte, steht nach seinem selbst initiierten und nicht abgesprochenen
Tod plötzlich alleine da und ist voller Wut darüber. Und während sie in der Folge ihren eigenen Suizid plant, tritt ein junger Klempner, der ihre Dusche reparieren
soll, in ihr Leben. Es ist ein ehemaliger Schüler von ihr, der ihr von da an
eine Wende in ihrem Leben gibt und sie wieder aufrichtet. Dann taucht ein Brief
des Verstorbenen auf, der deutlich machen wird, warum es so passierte und
anders als es vereinbart war.