Donnerstag, 2. Juli 2026

Bleiben

bleiben
in den ungenauigkeiten des lebens
bleiben
und nicht nach abenteuern suchen
weil das suchen nach abenteuern im
bleiben
möglich ist zwischen tagträumen
sonnenblenden und filterlosen gedanken
bleiben
unter den himmeln der gefahren
bleiben
weil das lieben
nur im lichtflüchtigen bestand hat



Hermann Josef Schmitz


Eine weitere 5-er-Serie meiner gelesenen Bücher kommt hier:

«Strandopfer» von Frank Goldammer

Zwischendrin immer mal wieder ein Krimi auf meiner Lesereise 😉. Frank Goldammer kannte ich noch nicht, aber die Handlung ist gut und bleibt spannend. Ein deutscher Tourist liegt tot am Strand von Swinemünde und in seinem Mund steckt ein großer Bernstein. Die Ermittlungen laufen grenzüberschreitend, das erzeugt zusätzliche Spannungen, unterfüttert mit den persönlichen Themen, die die beiden Ermittler:innen mit sich tragen. So wie sie diese Themen unbeantwortet mit sich tragen, tragen es auch die Freunde, mit denen der Tote sich eine Villa im Urlaub teilte, mit sich. Dass macht es spannend. Was mir nicht gefallen hat, waren die manchmal grenzgängigen Gedanken der deutschen Ermittlerin zu den polnischen Landsleuten, das hat der Krimi nicht nötig.


«Das Trio» von Johanna Hedman

Sind drei einer oder eine zu viel? Der Roman dreier Beziehungen zwischen Thora, August und Hugo – alle um die 20 Jahre alt. Der Beziehung von Thora und August, in die Hugo als Untermieter von Thoras Eltern, gelangt. Sie verbringen viel Zeit miteinander und immer bewegt es sich zwischen Hingezogensein und wieder entstehender Distanz. Immer geht es auch um die Frage des Genügens und des Anerkanntseins, des Richtigmachens inmitten aller Freundschaft und Liebe.
Ein starker Roman, dessen Fragilität und dessen beschriebene unsichere Lebensentwürfe einen Zeitgeist beschreiben, in den ich mich hineinfinden musste.


«Die Riesinnen» von Hannah Häffner

Der Roman über drei Frauengenerationen in einem kleinen Schwarzwaldort. Drei Frauen, die nicht in die Dorfgemeinschaft passen, von Beginn an (da leben noch nicht alle drei – Mutter, Tochter und deren Tochter) und weitgehend ihr Leben ohne Männer leben.
Sie sind sehr groß, dünn und werden Riesinnen genannt, ergänzt durch den Nachnamen Riessberger.
Wenn sie irgendwie auch nicht in die Dorfgemeinschaft passen, so gehören sie dennoch dazu, denn Heimat ist nichts, was man an der Bahnsteigkante abgibt. Über etwa 400 Seiten ist das ein Suchen, ein Lernen, ein Ausbrechen und Zurückkehren. Nicht nur in der Dorfgemeinschaft, sondern auch in den Grenzen der eigenen Verbindungen von Mutter, Tochter und Enkelin.
Für mich auf jeden Fall jetzt schon eines meiner Top10-Bücher 2026.


«Graubündner Schatten»
von Philipp Gurt

Polizeiarbeit in den 50er Jahren mit dem Landjäger Caminada und seinem besten Freund, dem klugen Leutnant Marugg. Während zu Beginn mehrere junge Frauen ermordet werden und mit einer roten Schleife gekennzeichnet werden, kommt es in der Folge zu einem weiteren Mord an einer betagteren Frau auf einer Almhütte, der auf den ersten Blick nicht den gleichen Hintergrund zu haben scheint. Was mir besonders bei Philipp Gurt in dieser Reihe gefällt, ist der Rückblick in die vergangene Zeit, die begrenzten Möglichkeiten in der Ermittlung und die geringe technische Ausstattung, die es seinerzeit gab. Hat mir gut gefallen.


«Restsommer» von Kea von Garnier

Nach den ersten 30 Seiten habe ich das Buch zunächst mal für einige Tage weggelegt. Die Geschichte des 16-jährigen, Dominik der allein mit seinem Vater lebt. Der Vater hat ein Bestattungsinstitut, der Sohn ist bereits unterstützend involviert – das passte nicht in meinen Sommer.
Und dann habe ich einen Restart gemacht und dann festgestellt, wie großartig dieses Buch ist. Wie sich dieser Sommer für den 16-jährigen zu einem Sommer des Aufbruchs entwickelt, zu einem Sommer des Sichfindens und zu einem Sommer, in dem er seine Träume entdeckt und wiederentdeckt.
Ein wunderbares Buch über die Herausforderungen, die in dieser Lebensphase so unterschiedlich sein dürfen und über die Liebe, die ihren Weg finden muss.
Ein weiteres Buch für meine Top-10 2026.

Dienstag, 30. Juni 2026

So

sie haben sich eingerichtet
in ihrer bequemen unzufriedenheit
sie sind geblieben
in ihren übersättigten komfortzonen
manchmal drohen sie
an den gebratenen tauben zu ersticken



Hermann Josef Schmitz