Freitag, 11. September 2026

In Deinem Hafen

im lichteinfall
eines großen fensters
wirkt dein blick vergessen
das augenpaar verliert seine strenge
und ich schaue
wie sich deine hände
ins unbekannte bewegen
im lichteinfall
eines großen fensters
verliert mein herz
einmal mehr seine ufer
und findet den vertrauten hafen in dir



Hermann Josef Schmitz



Mit dem Blick auf weitere 5 gelesene Bücher wünsche ich Euch ein wunderbares Spätsommerwochenende.


«Regenschatten»
von Seraina Kobler

Seraina Kobler hat «Regenschatten» vor 6 Jahren veröffentlicht und einen starken Erstling auf den Markt gebracht. Anna, die Hauptdarstellerin ist Barkeeperin in Zürich. Auf der Suche nach sich selbst in einem vom Klimawandel dystopisch gewordenen Zürich gerät ihre innere und äußere Welt aus den Fugen. Während Brände in der Stadt wüten (und wie realistisch es einem dann im Jetzt erscheint), das Wasser knapp wird, bringt eine ungewollte Schwangerschaft sie in eine schier haltlose Situation.
Starkes Buch, sehr berührend und nachdenklich machend.


«Mirabellentage»
von Martina Bogdahn

Zufälligerweise heißt hier die Hauptdarstellerin auch Anna und ist die Haushälterin des Ortspfarrers. Als dieser überraschend stirbt, gerät auch hier eine geordnete Welt in Unruhe. Plötzlich sind alle Routinen, Verpflichtungen und sicheren Abläufe in Frage gestellt. Gleichzeitig entwickelt sich für die Haushälterin aber auch eine neue Weite in ihrem Leben. Mit Anfang 50 nimmt sie nochmal Fahrstunden bei ihrem ehemaligen Fahrlehrer. Denn eines muss unter dem Verschluss der Öffentlichkeit geschehen: Die Asche des Pfarrers soll im Meer verabschiedet werden. Wie lässt sich das wohl mit katholischen Wertvorstellungen vereinbaren?
Ein schönes und leicht zu lesendes Sommerbuch mit manchem Augenzwinkern
😉.


«Friesische Inselmorde» von Nina Ohlandt und Jan F. Wielpütz

Die Anzahl der Krimis, die ich lese, hat stetig abgenommen. Aber zwischendrin mag ich gerne auch mal wieder einen lesen. Diesmal als Doppelband. Die Autorin starb 2020, Jan F. Wielpütz übernahm 2021 das literarische Erbe von ihr und setzt die Reihe um John Benthien fort.

Band 1: Nun schweigst auch du
Der Tod einer alten Frau auf der Insel Föhr scheint schnell gelöst zu sein. Für ihren Sohn ist die Mörderin die Nachbarin. Aber der Kommissar glaubt nicht an ihre Schuld, weil er in seiner Recherche auch weitere Verdächtige sieht (Spoiler: dem ist so). Eine Weile ist das alles spannend und gleichzeitig unsichtbar und nimmt dann eine überraschende und starke Wende.

Band 2: Stürmisch die Nacht:
Während John Benthien vor Weihnachten auf seiner Heimatinsel Sylt die stille Zeit genießen will, treibt im Hafen von List ein Kapitän leblos im Hafenbecken. Und weil die Insel vom Sturm abgeschnitten ist, übernimmt Benthien den Fall gemeinsam mit seinem Vater.


«Lügen, die wir uns erzählen»
von Anne Freytag

Es wird nicht mein letztes Anne Freytag-Buch bleiben. Die Hauptdarstellerin (deren Tochter übrigens Anna heiß´t
😉) wird von ihrem Mann verlassen. Sie wollte das selbst zu einer anderen Zeit auch schon mal umsetzen, nachdem sie sich verliebt hatte. Jetzt ist sie mit ihren beiden Teenager-Kindern auf sich selbst gestellt und muss schauen, wie sie den Spagat zwischen allen Herausforderungen schafft. Gleichzeitig stellt sie sich die Frage, wohin die Reise ihres Lebens führen soll und wie sie sich dabei neu orientieren muss.


«Der Lauf der Liebe»
von Alain de Botton

Vorab: Für mich eines der besten Bücher, die ich bisher in diesem Jahr gelesen habe. Alain de Botton, der 2008 mit anderen die School of Life gründete (es lohnt sich, dazu im Internet zu lesen), hat ein Buch über die Liebe im alltäglichen Leben geschrieben.
Der Roman beschreibt ein durchschnittliches Paar in den verschiedenen Stadien ihrer langjährigen Ehe. Und es ist so angelegt, dass es immer wieder analytische (und gut verständliche) Ansätze integriert. Damit regt es an, sich selbst Fragen zu stellen, wie man selbst immer wieder schauen kann, die eigene Beziehung zu entwickeln und zu bereichern. Das fand ich besonders stark an diesem Buch.

Mittwoch, 9. September 2026

Hamburg, Café Cristal

als sie von ihrer heimat sprach
dort in der nähe der großen stadt
lösten sich hinter ihren augen wenige tränen
als sie das bestellte gebäck brachte
legte sie den klang ihrer sprache
wie ein geschenk an den rand des tellers
als sie innehielt schaute nach einem moment
von der strenge der zeit sprach
legte sich ihr herz in eine warme zukunft am meer



Hermann Josef Schmitz

Montag, 7. September 2026

Hamburg, Ludwig-Erhard-Straße 26

in Penny Lane lebt mein moment zurück im dauerregen bleiben diese worte bestehen während von einer grauen wand irritierende botschaften nicht aufhören wollen fragen zu stellen die müdigkeit wird zu einem stundengebet unruhig flattern zeichnungen einer vergangenheit in die gedanken Yellow Submarine kehrt zurück und mit ihm die zeit in der sich eine schale zu lösen begann die fluchtgedanken zu einem mantra wurden aber eine abhängigkeit die andere ablöste lange reihten sich entscheidungen an entscheidungen wegstrecken ließen alternativen ich übersah sie wollte sie nicht sehen Eleanor Rigby kehrt zurück wird gegenwärtig in einer dopplung und passt sich in die gegenwart ohne etwas zu verlieren mit niemandem anders wollte ich jetzt wo die kontrolle in der müdigkeit für einen moment ihre contenance verliert hier sein denn an einem unvorhergesehen tag gab es nur diese eine entscheidung und sie öffnete das herz sperrangelweit All you need is love hat nie seine bedeutung verloren und bleibt gegenwärtig bis in eine unbekannte weite hinein


Hermann Josef Schmitz

Samstag, 5. September 2026

Vorübereilend

I

wir leben in momenten
die nicht mehr zueinander passen
wir lesen hören schauen schnipsel
vergessen das was vorhin noch so farbig war
wir leben in umarmungen
die flüchtig im vorbeigehen wanken



II

die zeit stülpt sich wie ein verlust
über eine verwaiste fremde gegenwart



Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 3. September 2026

Was jetzt zählt

des septembermorgens sanfte kühle
besänftigt das aufgebrachte herz
hochstapler und übergriffige
regieren ihre eigene welt
aber jetzt in der sanften kühle
zählt nur das murmeln des wasserlaufs
der anhaltende ton des einsamen vogels
und die reinigende stille
zwischen den bäumen aus trost



Hermann Josef Schmitz


Dienstag, 1. September 2026

Trost

es liegt ein trost an den ufern des späten sommers
wenn die stille an ihren rändern wieder zu glänzen beginnt
dein staubig gewordenes herz den blick wieder freigeben kann
weil die luft in bewegung gekommen ist
und die schweren gedanken die in der hitze kaum atmen konnten
wieder in schwung geraten sind
es liegt ein trost an den ufern des späten sommers
mit blick auf die silbernen wellen
die das meer auf die großen schatten legen wird
wenn die räume an den frühen abenden aufleuchten
ein leiser traum in den versponnenen ecken aufblüht
und die gedanken unter den bäume ihre schritte lösen



Hermann Josef Schmitz