im lichteinfall
eines großen fensters
wirkt dein blick vergessen
das augenpaar verliert seine strenge
und ich schaue
wie sich deine hände
ins unbekannte bewegen
im lichteinfall
eines großen fensters
verliert mein herz
einmal mehr seine ufer
und findet den vertrauten hafen in dir
Hermann Josef Schmitz
Mit dem Blick auf weitere 5 gelesene Bücher wünsche ich Euch ein wunderbares Spätsommerwochenende.
«Regenschatten» von Seraina Kobler
Seraina Kobler hat «Regenschatten» vor 6 Jahren veröffentlicht und einen
starken Erstling auf den Markt gebracht. Anna, die Hauptdarstellerin ist
Barkeeperin in Zürich. Auf der Suche nach sich selbst in einem vom Klimawandel
dystopisch gewordenen Zürich gerät ihre innere und äußere Welt aus den Fugen.
Während Brände in der Stadt wüten (und wie realistisch es einem dann im Jetzt
erscheint), das Wasser knapp wird, bringt eine ungewollte Schwangerschaft sie
in eine schier haltlose Situation.
Starkes Buch, sehr berührend und nachdenklich machend.
«Mirabellentage» von Martina Bogdahn
Zufälligerweise heißt hier die Hauptdarstellerin auch Anna und ist die
Haushälterin des Ortspfarrers. Als dieser überraschend stirbt, gerät auch hier
eine geordnete Welt in Unruhe. Plötzlich sind alle Routinen, Verpflichtungen
und sicheren Abläufe in Frage gestellt. Gleichzeitig entwickelt sich für die
Haushälterin aber auch eine neue Weite in ihrem Leben. Mit Anfang 50 nimmt sie nochmal
Fahrstunden bei ihrem ehemaligen Fahrlehrer. Denn eines muss unter dem Verschluss
der Öffentlichkeit geschehen: Die Asche des Pfarrers soll im Meer verabschiedet
werden. Wie lässt sich das wohl mit katholischen Wertvorstellungen vereinbaren?
Ein schönes und leicht zu lesendes Sommerbuch mit manchem Augenzwinkern 😉.
«Friesische
Inselmorde» von Nina
Ohlandt und Jan F. Wielpütz
Die Anzahl der Krimis, die ich lese, hat stetig abgenommen. Aber
zwischendrin mag ich gerne auch mal wieder einen lesen. Diesmal als Doppelband.
Die Autorin starb 2020, Jan F. Wielpütz übernahm 2021 das literarische Erbe von
ihr und setzt die Reihe um John Benthien fort.
Band 1: Nun schweigst auch du
Der Tod einer alten Frau auf der Insel Föhr scheint schnell gelöst zu sein. Für
ihren Sohn ist die Mörderin die Nachbarin. Aber der Kommissar glaubt nicht an
ihre Schuld, weil er in seiner Recherche auch weitere Verdächtige sieht
(Spoiler: dem ist so). Eine Weile ist das alles spannend und gleichzeitig
unsichtbar und nimmt dann eine überraschende und starke Wende.
Band 2: Stürmisch die Nacht:
Während John Benthien vor Weihnachten auf seiner Heimatinsel Sylt die stille
Zeit genießen will, treibt im Hafen von List ein Kapitän leblos im Hafenbecken.
Und weil die Insel vom Sturm abgeschnitten ist, übernimmt Benthien den Fall gemeinsam
mit seinem Vater.
«Lügen, die
wir uns erzählen» von Anne Freytag
Es wird nicht mein letztes Anne Freytag-Buch bleiben. Die
Hauptdarstellerin (deren Tochter übrigens Anna heiß´t 😉) wird von ihrem Mann verlassen. Sie wollte das selbst
zu einer anderen Zeit auch schon mal umsetzen, nachdem sie sich verliebt hatte.
Jetzt ist sie mit ihren beiden Teenager-Kindern auf sich selbst gestellt und
muss schauen, wie sie den Spagat zwischen allen Herausforderungen schafft.
Gleichzeitig stellt sie sich die Frage, wohin die Reise ihres Lebens führen
soll und wie sie sich dabei neu orientieren muss.
«Der Lauf der Liebe» von Alain de Botton
Vorab: Für mich eines der besten Bücher, die ich bisher in diesem Jahr
gelesen habe. Alain de Botton, der 2008 mit anderen die School of Life gründete
(es lohnt sich, dazu im Internet zu lesen), hat ein Buch über die Liebe im
alltäglichen Leben geschrieben.
Der Roman beschreibt ein durchschnittliches Paar in den verschiedenen Stadien
ihrer langjährigen Ehe. Und es ist so angelegt, dass es immer wieder analytische
(und gut verständliche) Ansätze integriert. Damit regt es an, sich selbst Fragen
zu stellen, wie man selbst immer wieder schauen kann, die eigene Beziehung zu
entwickeln und zu bereichern. Das fand ich besonders stark an diesem Buch.
Wortgarage
Freitag, 11. September 2026
In Deinem Hafen
Mittwoch, 9. September 2026
Hamburg, Café Cristal
als sie von ihrer heimat sprach
dort in der nähe der großen stadt
lösten sich hinter ihren augen wenige tränen
als sie das bestellte gebäck brachte
legte sie den klang ihrer sprache
wie ein geschenk an den rand des tellers
als sie innehielt schaute nach einem moment
von der strenge der zeit sprach
legte sich ihr herz in eine warme zukunft am meer
Hermann Josef Schmitz
Montag, 7. September 2026
Hamburg, Ludwig-Erhard-Straße 26
in Penny Lane lebt mein moment zurück im dauerregen bleiben diese
worte bestehen während von einer grauen wand irritierende botschaften nicht
aufhören wollen fragen zu stellen die müdigkeit wird zu einem stundengebet
unruhig flattern zeichnungen einer vergangenheit in die gedanken Yellow Submarine kehrt zurück und mit ihm die zeit in der sich eine schale zu
lösen begann die fluchtgedanken zu einem mantra wurden aber eine abhängigkeit
die andere ablöste lange reihten sich entscheidungen an entscheidungen wegstrecken
ließen alternativen ich übersah sie wollte sie nicht sehen Eleanor Rigby
kehrt zurück wird gegenwärtig in einer dopplung und passt sich in die gegenwart
ohne etwas zu verlieren mit niemandem anders wollte ich jetzt wo die kontrolle
in der müdigkeit für einen moment ihre contenance verliert hier sein denn an
einem unvorhergesehen tag gab es nur diese eine entscheidung und sie öffnete
das herz sperrangelweit All you need is love hat nie seine bedeutung
verloren und bleibt gegenwärtig bis in eine unbekannte weite hinein
Hermann Josef Schmitz
Samstag, 5. September 2026
Vorübereilend
I
wir leben in momenten
die nicht mehr zueinander passen
wir lesen hören schauen schnipsel
vergessen das was vorhin noch so farbig war
wir leben in umarmungen
die flüchtig im vorbeigehen wanken
II
die zeit stülpt sich wie ein verlust
über eine verwaiste fremde gegenwart
Hermann Josef Schmitz
Donnerstag, 3. September 2026
Was jetzt zählt
des septembermorgens
sanfte kühle
besänftigt das aufgebrachte herz
hochstapler und übergriffige
regieren ihre eigene welt
aber jetzt in der sanften kühle
zählt nur das murmeln des wasserlaufs
der anhaltende ton des einsamen vogels
und die reinigende stille
zwischen den bäumen aus trost
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 1. September 2026
Trost
es
liegt ein trost an den ufern des späten sommers
wenn die stille an ihren rändern wieder zu glänzen beginnt
dein staubig gewordenes herz den blick wieder freigeben kann
weil die luft in bewegung gekommen ist
und die schweren gedanken die in der hitze kaum atmen konnten
wieder in schwung geraten sind
es liegt ein trost an den ufern des späten sommers
mit blick auf die silbernen wellen
die das meer auf die großen schatten legen wird
wenn die räume an den frühen abenden aufleuchten
ein leiser traum in den versponnenen ecken aufblüht
und die gedanken unter den bäume ihre schritte lösen
Hermann Josef Schmitz