Sonntag, 25. Januar 2026

Januar II

etwas blieb fremd hinter den zeilen standen mehr fragen als antworten die ausgrenzungen waren nie offensichtlich aber die lücken in den geschändeten wäldern waren ein affront auf eine annäherung an sprache landschaften menschen jahrzehnte hatten sich verfestigt leidenschaften waren trotz entfernungen geblieben hinter den verzollungen der gefühle wurden die jahrzehnte erinnerung in ihnen ließ sich nur noch ein fiktives leben nieder umarmungen fehlten der klang der freundlichen worte die wachsenden jahresringe alles begann von vorne und war nix wie bessher spürtest du  grenzen wie glas in den läden den parks an den ufern zuckten menschen zusammen die dich verstanden denen deine sprache zu eigen war aber sie lebten hinter diesen grenzen bliebst du gast und die wurzeln waren im alter zu müde geworden sich neu einzufinden mühsam blühten die angepassten triebe und du verstandst jene die fremd blieben du verstandst dich selbst der du dir fremd wurdest auf der suche nach dir nach der heimat in dir diesem herzschlag der freude der liebe die nicht nachkamen


Hermann Josef Schmitz


Anm.: «Nix wie bessher» ist ein Song von BAP aus dem Jahr 1996.

Freitag, 23. Januar 2026

Ausstieg

aus der dämmerung des tages
löste sich ein verschwommenes fenster
wir stiegen aus dem grauen luftgeflecht
haut fügte sich lautlos über die gedanken
lippen formten wortlos ihr begehren
in einem weiten raum haftete der atem
wie eine brücke in ein anderes land



Hermann Josef Schmitz


Auf ein berührendes und brückenbauendes Wochenende.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Unsichtbar

im nebelversunkenen morgen
bleiben die augenlider verschlossen
die träume von versöhnung
schaffen es nicht wahr zu werden
im eifer des grauen lichts
verzettelt sich das blau eines fremden himmels
bald ankern die fernen ufer
wie unsichtbare zäune in mir



Hermann Josef Schmitz

Montag, 19. Januar 2026

Dem Lichteinfall treu

januarschnee legt ein stilles gedenken
an die verschmutzten leitplanken
ich schicke dir eine lichtrose
über die zeit hinweg zu deiner seele
dein vermächtnis hat die seiten nicht gewechselt
wir halten ihm unvermindert die treue
der liebe in deinen hell gebliebenen worten
der sanften freude an der schönheit des lebens
januarschnee legt ein stilles gedenken
an den riss der dem lichteinfall treu bleibt



                                                           für M.

Hermann Josef Schmitz