Dienstag, 10. März 2026

Zärtliches Mantra

in der entblößung fandest du
meine unverheilten narben
sie lagen hinter dem wortgeflecht
aber du überwandest
die großen sicherheitsvorkehrungen
und trugst die unbeschwertheit
wie ein zärtliches mantra
in jeden für uns ankommenden tag



                                               für Annemarie

Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 8. März 2026

März I

vorboten dämmernde träume von anemonensiedlungen ein sanfter schwung in den wegen und der frühling der in den wehen liegt zwischen den wirrnissen der kleinen und großen welten dem chor der skeptiker die zutrittssäle verschließen auf gute gelegenheiten lauern glücklich zu sein fragen stellen vernichtende haltungen nicht akzeptieren und von anemonensiedlungen träumen während sie in ihren alltagen fleißig in der gerüchteküche ihre schlechten menüs anrichten längst haben sie die eleganz der diskretion verlernt das liebevolle und klare wort verbunden mit einem verzeihen wenn die pläne aus dem ufer gelaufen sind und das schweigen auch wenn die verführer um aussagen betteln von anemonensiedlungen träumen sich nicht beteiligen wo beteiligung unerwünscht und unmoralisch ist schlupflöcher verschließen für die hetzenden die sabbernd das leid anderer anfachen später will es niemand gewesen sein



Hermann Josef Schmitz

Freitag, 6. März 2026

Lieben wo es unmöglich erscheint

jeden morgen und jeden abend
die hoffnung aufs neue entfachen
wenigstens einmal täglich
einen menschen umarmen
dem alltäglichen einen schimmer anheften
gedichte schreiben wenn der himmel brennt
besonders die kritischen worte sorgfältig wählen
und die wertschätzenden noch viel mehr
das bitten um das gute vor allem
an den dunklen tagen nicht unterlassen
den frieden nie aufgeben
lieben wo es unmöglich erscheint



Hermann Josef Schmitz


Ich wünsche Euch inmitten der Wirrnisse dieser Welt ein liebevolles und sorgsames Wochenende.

Mittwoch, 4. März 2026

Anemonen

I

im dunkeln noch wächst ihre sehnsucht
und mein erhoffen wächst im gleichen schritt
der blick unruhig erkundet jeden winkel
auf etwas das in einem licht aufblüht
er wird bald kommen dieser erste tag
an dem ein weiß voll unschuld
eine erste blüte auf der bodenkrone färbt
und aus den warm gewordenen himmeln
wird diese stunde helles licht umarmen
dann wird sich wieder wie in jedem späten winter
die sehnsucht die so lang im dunkeln wuchs erfüllen
das herz aufweiten und den stillen traum erreichen



II

ich liebe diesen einen tag im jahr
wenn mir in ihrem ersten blühen
anemonen meinen weg zuweisen
wenn ihre unberührten blütenblätter
den wäldern einen ersten glanz verleihen
dem frühling bote sind
und meine sinne atemlos berühren
ich liebe diesen einen tag im jahr
an dem der unschuld weißes gold 
mit ihrem blick ins blaue trifft



Hermann Josef Schmitz