Donnerstag, 9. April 2026

18 Jahre Wortgarage

du trägst
die verschriebenen
worte
unter das fenster
leer geworden
erblassen sie
bis zur erinnerung
wir tauschen
du gibst
grün
für mein blau


Hermann Josef Schmitz


18 Jahre – die Wortgarage wird volljährig
😊. Sie bleibt auch nach dem weitgehenden Ausstieg aus dem Beruf unverändert ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Die Reise der Wortgarage geht unverändert weiter, an Worten, Gedanken, Ideen, Sätzen mangelt es mir nicht. Vor allem aber macht es mir Freude, hier einen Platz für meine Poesie zu haben.   

Jedes Jahr blogge ich am 9. April das obige Gedicht. Längst hat sich die Textfarbe und die Schriftart geändert, aber in seinem Ursprung bleibt es eben das erste Gedicht, mit dem sich die Wortgarage (damals noch unter einem anderen Anbieter) auf die Reise gemacht hat. Längst gibt es den ersten Gedichtband nicht mehr zu kaufen, aber über die Jahre hinweg sind viele neue Bücher und Karten entstanden. Gegen Ende dieses Quartals wird es neue Bücher geben, geplant ist ein Gedichtband und ein Buch mit ungeschliffener Kurzprosa.

Ich erinnere mich immer sehr gerne an das Entstehen der Wortgarage am Nachmittag des 9. April 2008. Meine wunderbare Frau war die Impulsgeberin. Wie sie überhaupt die Motivation dafür schuf, meinen Gedichten und Prosatexten einen größeren Raum zu geben und ihnen mehr Begegnung in Büchern und Postkarten zu verleihen.
Damals war das mein Beginn in der digitalen Welt meine Poesie zu platzieren. Inzwischen ist das zu einem viel größeren Ort der Begegnung geworden und ich freue mich über die Vielfalt der Gelegenheiten, über Poesie ins Gespräch zu kommen. Immer wieder erreiche ich bekannte und unbekannte Menschen – in der digitalen wie auch unmittelbaren Begegnung. Letztere geben sich manchmal nach Jahren zu erkennen – durch eine Mail, einen Kauf eines meiner Bücher oder auch durch eine persönliche Begegnung.

Viel Unfrieden und Zerstörung liegt in der jetzigen Zeit, viel Unsicherheit und Sorge – und gerade deswegen muss Poesie immer einen Platz haben dürfen, den Blick verändern für einen Augenblick genauso wie für eine lange Zeit. Raum geben für das Schöne und Zeitlose, Gedanken und Träume anlegen wie einen Horizont, der einmal nah und einmal weit erscheint und nichts beweisen muss. In allem auch immer begleitet von der Liebe, meiner Liebe zu den Menschen, der Natur, den Worten.

All den treuen Wortgarage-Leser*innen danke ich auch heute wieder sehr herzlich für 18 Jahre des Begegnens und Lesens.  Ich schreibe weiter, es gibt so vieles, für das die Worte einen Platz haben und dem Leben Wunder und Berührung schenken.

Meiner geliebten Herzdame – der großartigen Glaskünstlerin – danke ich unverändert für den damaligen Impuls zu bloggen, für dieses Begegnen und für die Reise, die uns gemeinsam inspiriert. Sie ist (m)eine wunderbare Frau und bereichert mich unverändert und unvermindert in meinem Denken, Wahrnehmen, Feiern und Lieben des Lebens.

Alles Gute, herzliche Grüße und auf ein weiteres poetisches Jahr.

Hermann Josef Schmitz


Mittwoch, 8. April 2026

Bitter

sie reden sich fadenscheinig
an dem begangenen unrecht entlang
auf dem doppelten boden
der bezahlten absicherung
kann ihnen nichts passieren
den ruinierten ruf
übertönt bereits am nächsten tag
eine andere lüge
zwischen zwei stühlen
leben sie heiter ohne moral



Hermann Josef Schmitz

Montag, 6. April 2026

Erleuchtete Nächte

es gibt sie diese erleuchteten nächte
wenn sich töne und worte aufmachen
verbindungen entstehen
wo vorher keine waren
wenn zu späterer stunde die domglocken
eine lange lebensgeschichte einläuten
es gibt sie diese erleuchteten nächte
wenn etwas geschieht
weil es geschehen muss
ohne abstimmung ohne einen plan
wenn sich worte und töne aufmachen
die stunde beseelt ist
von gegenwart und erinnerung
dankbarkeit zum geschenk wird
und etwas in einem selbst aufgeht
nicht suchend aber findend
verbindungen entstehen
zwischen den sternen
die in den menschen wohnen



Hermann Josef Schmitz


Eine dieser erleuchteten Nächte liegt schon wieder eine Woche zurück, aber sie wirkt unverändert. 30. März 2026 - was für ein Tag und Abend in Köln. Danke!


Samstag, 4. April 2026

Erklärung

ich liebe dich
weil etwas immer in dir
unvollständig bleiben mag
nicht alle tage
sich nach dem erfüllen
sehnen müssen
und deine liebe dennoch
in allen ihren zimmern wohnt
weil immer auch die zimmer
nie perfekt sein wollen
wie liebe ich dich doch
so unvollständig
und darin gut zu dir
denn wenn du liebst
dann liebst du auch
das was in brüchen lebt
dann liebst du auch
den teil in dir
der unvollständig bleibt
dem schwachen dient
dort wo du dir
im ganzen selbst genügst
dafür in allem liebe ich dich


                                                           für Annemarie


Hermann Josef Schmitz


Ich wünsche Euch erfüllte, segensreiche, liebevolle und glückliche Osterfeiertage.

Donnerstag, 2. April 2026

Versuch

während der wind in den bäumen
seine eigene sprache spricht
versuchen ein gedicht über den frieden zu schreiben
aber was sagen zu dieser rohheit der menschen
dem verlust der liebe an allen ecken und enden
sich den inneren wortlosen tumulten stellen
und nicht die richtigen sätze finden können
aber wissen dass die anemonen mit ihren weißen säumen
trost schenken können und flügel für die gedanken
während das licht in den bäumen
ein nest anzulegen versucht
sich nicht an etwas gewöhnen das nicht normal werden darf
das skandalöse nicht schlucken
sondern unverändert im blick behalten
und dennoch keine richtigen wege finden
um dieser koalition der zögerlichen entgegenzutreten
aber wissen die liebe ist der einzige schattenriss
der auch im dunklen zu einem leuchten wird
daran glauben und sich daran halten
während der wind in den bäumen
seine eigene sprache spricht



Hermann Josef Schmitz