Freitag, 23. Oktober 2026

Geschenk

in einer geschenkten zeit leben
den kümmernissen nicht jede stunde einräumen
hinter den plänen anderer verstecke einrichten
und in allem menschen lieben
wege ins innere anlegen und bepflanzen
dann und wann blumen verschenken
in allen jahreszeiten worte in umschläge legen
für überraschungen bereit sein für abzweigungen
aber nicht allen verführungen nachgehen
unbedingt die stille des meeres in dir ufern lassen
den großen stolz der verheißung würdigen
und vor allem dankbar sein
über jeden geschenkten tag


Hermann Josef Schmitz


Mit dem Blick auf weitere 5 gelesene Bücher (die vielleicht inspirieren) wünsche ich allen hier ein schönes Wochenende. 

Und als kleinen Bonus verschenke ich 
«Ein unendlich kurzer Sommer» an die Person, die sich als erstes per Email (Adresse im Impressum) bei mir meldet.


«Ein unendlich kurzer Sommer» von Kristina Pfister

Ein Campingplatz ist der Mittelpunkt des Romans von Kristina Pfister. Aber natürlich sind die Menschen im Mittelpunkt, die dort aus unterschiedlichen Motiven aufeinandertreffen und zueinanderkommen. Jeder von ihnen trägt einen gewesenen oder kommenden Verlust in sich, ob es die Trennung vom Partner, der Tod der Mutter oder die unheilbare Erkrankung ist. Einerseits liest sich das Buch sehr gut, andererseits hat es Tiefe und lässt sowohl Verlust, Abschied als auch Liebe und Freundschaft genügend Raum. Ein Buch, das jahreszeitenunabhängig gelesen werden kann.


«Die Verdorbenen»
von Michael Köhlmeier

Ob ich ein weiteres Buch von Michael Köhlmeier lesen werde, ist eher fraglich. Der Roman eines eher unauffälligen und im übertragenen Sinne blassen Studenten im Marburg der 70er Jahre. Ein Roman über eine eigenwillige und lieblose Ménage à trois. Im Hintergrund und später in der Umsetzung liegt der Wunsch des Studenten, einmal im Leben einen Mann zu töten. Es gibt keinen Grund dafür, aber eine innere Anordnung, das zu tun.


«Geht so»
von Beatriz Serrano

Ein Buch, das zwischen all den gelesenen Büchern dieses Jahres einen anderen Fokus hat: den manchmal satirischen und dann wieder so realistischen Blick auf eine Berufswelt, die sich teilweise selbst beschäftigt, die Strategien des Überlebens zeigt und gleichzeitig ein hohes Maß an Entfremdung im Leben einer 30-jährigen. Das hat teilweise viel Bitternis, denn die Hauptprotagonistin betäubt ihr Leben außerhalb des Berufes mit YouTubes, Psychopharmaka und losen Begegnungen mit ihrem Freundschaft-Plus-Partner.
In einem verpflichtenden Teambuilding-Wochenende eskaliert dann mit dem Einsatz von Drogen alles. Das ist specially und manchmal so nah an der Realität. Und es ist klasse geschrieben. Toller Debütroman von Beatriz Serrano.


«Unsere Suche nach Zärtlichkeit» von Martin Ehrenhauser

Was für ein schöner, leiser und einfühlsamer Roman über die Liebe in verschiedenen zeitlichen Ebenen. Ein schlafloser Uhrmacher in Brüssel, der nachts ehrenamtlich als Telefonseelsorger arbeitet und sehr von dem Anruf einer unbekannten Frau berührt wird. Er versucht der Spur der Unbekannten zu folgen und reist von Brüssel an die Côte d’Azur. Dort trifft er eine Frau, in deren Person er die Unbekannte vermutet. Sie stellt die Strukturen seines bisherigen Lebens auf den Kopf und seine moralischen Vorstellungen auf den Prüfstand. Was das für Folgen hat, wäre hier ein zu großer Spoiler
😉.
Hat mir auf jeden Fall sehr gefallen und hinterlässt auch in den eigenen Gedanken Fragen.


«Von hier aus weiter» von Susann Pásztor

Als ich in der von mir so geliebten Goethe-Buchhandlung in Staufen vor diesem Buch stand, ermutigte mich eine fremde Frau mit den Worten „Unbedingt kaufen“. Das hat sich gelohnt. Auch wenn es ein Roman ist, in dem es einmal mehr um Verlust und Tod geht, aber auch um Suizid und nicht eingehaltene Versprechen. Eine pensionierte Lehrerin, die mit ihrem Mann gemeinsam aus dem Leben scheiden wollte, steht nach seinem selbst initiierten und nicht abgesprochenen Tod plötzlich alleine da und ist voller Wut darüber. Und während sie in der Folge ihren eigenen Suizid plant, tritt ein junger Klempner, der ihre Dusche reparieren soll, in ihr Leben. Es ist ein ehemaliger Schüler von ihr, der ihr von da an eine Wende in ihrem Leben gibt und sie wieder aufrichtet. Dann taucht ein Brief des Verstorbenen auf, der deutlich machen wird, warum es so passierte und anders als es vereinbart war.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Oktober II

bucheckerngewitter in ungedachten zeitschienen eine mühsame reife mit zukünftigen unerwünschten wiederholungen schüttere schattenspaliere abgesänge auf die gute alte zeit was wirklich zählt hinter den grauen bannern wären aufrichtige haltungen und in der aufgehenden stunde genug platz für gute neuigkeiten bucheckerngewitter in ungedachten zeitschienen ohne die bewegung von luft schreitet der verfall des lichts voran es ist zeit die behausungen zu verlassen sich den argumenten der hoffnung zu öffnen die guten taten anzuzeigen wie ein fröhliches verpetzen trostspaliere aufstellen und standhaft bleiben auch wenn das fundament risse zeigt bucheckerngewitter in ungedachten zeitschienen ein übermaß an stille bis das zuhören wieder bedeutung erlangt den gesprochenen worten nicht immer widersprochen werden muss und der wille der menschen verbindlicher sein kann als alles gesagte gegen das unrecht ist liebe immer von wirksamkeit


Hermann Josef Schmitz