im
unendlichen blau schaukeln die weißen schatten aber sie die sie die zeit nur
noch im zersprungenen spiegel sehen haben aufgehört sich im staunenden
schweigen zu üben sie leben in dem was sie leben nennen eingehüllt in fremde
systeme verknüpft mit bildmaschinen denen sie die bestimmung übereignet haben
im unendlichen blau schaukeln die weißen schatten aber sie die sie längst den
übermut und die spontaneität verloren haben neue abgründe aufgetan zerreden die
letzte ungetrübte ungefilterte schönheit schon versiegen die quellen die
antagonisten finden schon lange keinen platz mehr in den gedanken wenn es
ungemütlich wird wuchert die wut aus den gesichtslosen gesichtern finden sie gründe
genug für das vermeintliche unrecht immer nur schön die komfortzonen polstern
immer nur schön den eigennutz füttern im unendlichen blau schaukeln die weißen
wolken die worte sind lau und leblos geworden die raststätten des lebens sehen sie nur
im vorbeifahren es gilt die zeit im zersprungenen spiegel auszunutzen dort wo
sich schon lange die wahrheit verfälscht dort wo die maßlosigkeit sich selbst
denkmäler baut inmitten einer unberechenbar gewordenen zeit
Hermann Josef Schmitz
Wortgarage
Sonntag, 12. Juli 2026
Juli I
Freitag, 10. Juli 2026
Bei uns und mit uns
wir gingen
durch
helle und verschattete tage
mal sprachen wir zueinander
dann schwiegen wir
immer blieben wir
bei uns und mit uns
Hermann Josef Schmitz
Auf ein liebevolles Wochenende mit vielen Gelegenheiten im Schatten.
Mittwoch, 8. Juli 2026
Ein Tag wie so viele
ein
tag wie so viele
menschen sterben unschuldig in kriegen
andere verhungern am rand der ungerechtigkeit
die reichen zählen kalorien reduzieren gewicht
spritzen lippen auf stemmen gewichte
legen sich eine zweite welt an
werden gedankenlos hinter ihren hohen zäunen
ein tag wie so viele
nachrichten gleichen sich
verderbnisse unfälle temperaturtabellen
ab und zu ungewöhnliche liebesgeschichten
selten gute ereignisse
ein tag wie so viele
die streitenden sind hässlicher geworden
sie ziehen unerwartet waffen
wenn ihre grenzen überschritten werden
gefühle erkalten
die öffentlichen stellen führen jetzt statistiken
wie viele kleinkinder erschossen wurden
wann werden die tage unzumutbar werden
wann wird sich die erde alles zurückholen
was sie verliehen hatte
ein tag wie so viele
morgen wollen die einen die welt retten
während die anderen ihren untergang feiern
heute hält die einen alles zurück
und die anderen schreiben ihre lügen neu
an einem tag wie so viele
Hermann Josef Schmitz
Montag, 6. Juli 2026
Tiefer
die
seele des lavendels
zittert wenn eine biene
ihre flüchtige heimat wieder verlässt
bis in die wurzeln hinein
zittern blüten und stängel
streifen die durchziehende luft
wandert über meine haut hinweg
zittert staunend mein augenpaar
am rand einer untergehenden welt
Hermann Josef Schmitz
Samstag, 4. Juli 2026
Zwischen den Linien des Lebens
zwischen
den linien des lebens
liegen die ungewissenheiten die geheimnisse
hinter denen menschen sich selbst ihre hürden stellen
bis zur widerstandslosigkeit fremden plänen folgen
zwischen den linien des lebens
liegen die konservierten stimmungen einer anderen zeit
suchen menschen das charisma ihrer vergangenheit
in längst verblassten erinnerungen die schmecken bitter sind taub
zwischen den linien des lebens
liegen bruchstellen kränkungen ein zweckloses verzeihen
entkommen menschen nicht mehr ihrem leben
ihrer selbstgestalteten leere bleiben vergeblich
zwischen den linien des lebens
Hermann Josef Schmitz