während der rhythmus die stimmung den raum
zu gold verwandelt füllt treiben die finsteren gedanken ins abseits auf der
bühne schwingt sich die gegenwart in worte in klänge in gesichter mitten ins
herz ich habe das heimweh weggesperrt die zugänge verlegt und die schlösser
ausgetauscht während der abend aus dem zeitgeflecht fällt sich die
überflüssigen fragen auflösen wechselt das licht wird die haut wärmer wächst
ein herz in helle aufruhr ich habe das heimweh von der bühne gezogen denke an
schopenhauer und denke an das was ich habe während der rhythmus die stimmung
den raum zu gold verwandelt und etwas bleibt obwohl die bühne sich leert und
die räume gesäumt werden von einer unterschrift einem warmen wort einer
schulternden umarmung wird das vermissen nicht weniger erfüllt sich die
sehnsucht wechselt das dunkel der nacht in ein mondflackerndes gold
Hermann Josef Schmitz
Das dazugehörige Zitat von Schopenhauer mag ich gerne hier hinterlassen:
«Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an
das, was uns fehlt.»
Arthur Schopenhauer (22.02.1788 – 21.09.1860)
Weitere 5 Bücher, die ich gelesen habe, stelle ich hier gerne vor.
Und wünsche Euch ein ganz schönes und wenig verschneites Wochenende.
«Solothurn
ruft nach Vergeltung» von Christof Gasser
An einem neuen Krimi von Christof Gasser komme ich nicht vorbei. Liegt
doch Solothurn quasi vor der Haustür und sind mir und uns viele Orte vertraut.
Die Herzdame durfte mit dem Kollegium schon mal eine von ihm geführte Lesung erleben.
Der aktuelle Krimi spielt an den Solothurner Filmtagen, einem renommierten
Filmfestival in der Schweiz. Ein Filmemacher mit kosovarischen Wurzeln soll
dort für eine umstrittene Dokumentation über Frauenhass und Femizid
ausgezeichnet werden, wird aber unmittelbar zuvor ermordet. Es lohnt sich
einmal mehr, diesen Krimi zu lesen. Er bietet viel Aktualität in Verbindung mit
dem brutalen Mord und die Figur des Chefermittlers Dominik Dornach zeigt viel
Verletzlichkeit und Sorge um seine Tochter Pia.
«Der Gott des Waldes» von Liz Moore
Auf knapp 600 Seiten hat mich «Der Gott des Waldes» von Liz Moore in den
Bann gezogen. Es ist eine Mischung aus Roman, Krimi und Thriller. 14 Jahre nach
dem Verschwinden des ersten Kindes – einem Sohn – verschwindet jetzt auch in
einem Sommercamp die jüngere Tochter einer Oberschicht-Familie, der das Camp
gehört und die sich nach einer Auszeit von ihrer Tochter sehnt. Auf
verschiedenen Zeitebenen handelnd, in verschiedenen Erzählsträngen und fast ausschließlich
aus der Perspektive einer 13jährigen Freundin des verschwundenen Mädchens, der
verantwortlichen Betreuerin, der Mutter und einer ermittelnden Polizistin geschrieben,
tun sich Abgründe auf. Die Suche nach dem verschwundenen Mädchen und damit
verbunden die seinerzeitige Suche nach dem Sohn offenbart die sozialen
Verhältnisse, Klassenunterschiede und gesellschaftlichen Normen der 70er Jahre
in den USA.
Kommt mit Sicherheit in meine Top 20 von 2026.
«Die vorletzte Frau» von Katja Oskamp
Die durchaus verhängnisvolle Liebes- und Lebensbeziehung über 19 Jahre
von Katja Oskamp mit dem Schweizer Autor Thomas Hürlimann. So groß ist auch der
Altersunterschied zwischen beiden, der Studentin und dem Schriftsteller. Aus
der Studienbeziehung wird eine Liebesbeziehung wird eine Abhängigkeitsbeziehung
mit vielen Erkrankungen von Tosch (so nennt sie Hürlimann im Roman). Das
beschreibt Katja Oskamp schonungslos und manchmal so detailliert, dass man
darüber weglesen möchte. Das Ende der Beziehung hinterlässt eine Hauptdarstellerin,
die zwar einmal mehr die vorletzte Frau bleibt, aber für die Zukunft
aufgestellt zu sein scheint.
«Kleine Monster» von Jessica Lind
Ein Familienroman der besonderen Art von Jessica Lind. Die Geschichte
von Pia, deren siebenjähriger Sohn in der Schule – so sagt man – eine
Mitschülerin anzüglich belästigt. Zu Beginn stehen die Eltern-Kind-Beziehung
ebenso wie die durchaus gegensätzliche Haltung der Eltern zu dem Geschehen im
Vordergrund. Dann wird aber zunehmend die Kindheit von Pia, die Versäumnisse
und nicht verarbeitete Trauer zum Schwerpunkt des Romans und schaut unter die
Teppiche eines vergangenen traditionellen Familienlebens. Das schafft viel
Nachdenklichkeit, aber auch Klarheit und zunehmend eine aufgeräumte
Lebenssituation von Pia. Hat mir sehr gut gefallen.
«So ist das nie passiert» von Sarah Easter Collins
Eines der Bücher, die man nicht loslassen mag. Aber eines fand ich neben einer
spannenden Familiengeschichte besonders: Eine der Nebenpersonen ist Psychologin
und untersucht die Korrumpierung des Gedächtnisses. Und damit verknüpft sich
natürlich die Titelgebung. Wie sehr können wir uns auf unsere Erinnerungen
wirklich verlassen?
Der Plot: Das britische Mädchen Laika, die Schwester der Hauptfigur Willa, verschwindet
vor 20 Jahren spurlos. Willa hat auch nach 20 Jahren die Hoffnung nicht
aufgegeben, sie wiederzufinden. Als sie auf einer Dinnerparty einer Französin
begegnet, glaubt sie, ihre Schwester in ihr zu erkennen.
Gehörte für mich im März neben dem Buch von Liz Moore zu den besten.