Samstag, 31. Januar 2026

Januar III

ich stand unbeobachtet unter kastanienbäumen im ergrauten winter in den wartezimmern der meinungsforscher zwischen lieferketten und den totengräbern der welt wollte ich keinen platz mehr nehmen unter den stillen kastanienbäumen deren grüne dächer des sommers mir eine vorfreude in den briefkasten meiner sehnsüchte legten lauschte ich dem atmen des kanals regentropfen zeichneten fortwährend winzige ringe auf die oberfläche selten sprachen die bäume aber später am weiher vernahm ich die morsezeichen der wiederkehrenden seerosen auf dem rückweg blieb ich erneut unter den kastanienbäumen stehen die landschaft schien in einem seltsam sepiafarbenem licht wie aus einer vergangenen zeit ich traute den schritten in dieser regenstille fern der wartezimmer in denen sich die selbstgefälligen despoten und schlagzeilendarbieter präsentierten die unberechenbarkeit des lebens war überall aber sie war in dieser einen stunde anders eingehüllt in das atmen des wassers die zeichnungen der regentropfen und die gewissheit einer umarmung


Hermann Josef Schmitz