ich stand unbeobachtet unter kastanienbäumen im
ergrauten winter in den wartezimmern der meinungsforscher zwischen lieferketten
und den totengräbern der welt wollte ich keinen platz mehr nehmen unter den
stillen kastanienbäumen deren grüne dächer des sommers mir eine vorfreude in
den briefkasten meiner sehnsüchte legten lauschte ich dem atmen des kanals
regentropfen zeichneten fortwährend winzige ringe auf die oberfläche selten
sprachen die bäume aber später am weiher vernahm ich die morsezeichen der wiederkehrenden
seerosen auf dem rückweg blieb ich erneut unter den kastanienbäumen stehen die
landschaft schien in einem seltsam sepiafarbenem licht wie aus einer
vergangenen zeit ich traute den schritten in dieser regenstille fern der
wartezimmer in denen sich die selbstgefälligen despoten und
schlagzeilendarbieter präsentierten die unberechenbarkeit des lebens war
überall aber sie war in dieser einen stunde anders eingehüllt in das atmen des
wassers die zeichnungen der regentropfen und die gewissheit einer umarmung
Hermann Josef Schmitz