Sonntag, 28. Juni 2026

Juni III

auf dem höhepunkt des tages verblasst der himmel das wilde herz beruhigt sich die gerade verklungenen tonfolgen berühren auch in der rückblende tief aus der seele unter einer endlich aufgebrochenen kruste bekommen die vielen gefühle stimmen voller kraft liebe und schmerz werden die wunden vieler jahrhunderte gegenwärtig salzlinien wie eine zufälligkeit auf dunklen stoffen ein milchiger sonnenuntergang wandert den grat hinunter atemnöte blättern ab eine weiche routinierte zufriedenheit legt sich auf die kleinen entfernungen von weit her tönen die erntemaschinen aber sie stören nicht auf dem weg unter dem verblassenden himmel dort wo sich im restlicht noch einmal die geschehnisse sammeln während ein luftzug über die aufrechten weizenreihen zieht der blick liebevoll auf den tag zurückschaut sich das wilde herz beruhigt genährt von allem was ihm die stunden geschenkt haben genährt von aller liebe die ihm vorbehaltlos begegnet ist auf dem höhepunkt des tages verlässt in leiser erhabenheit die letzte stunde das lichtgeflecht


Hermann Josef Schmitz