Montag, 19. September 2016

Wandelzeit

wandelzeit
unter den herzschichten
die aufgebrachte sprache
ohne unterlass
im ufergeröll
bleibt das flüstern
der gebrochenen welle
im graulicht
bleibt das flüstern
der sich schmiegenden blätter
wandelzeit
unter den hautschichten
der aufgebrachte herzschlag
ohne unterlass



Hermann Josef Schmitz




Stilleben im Blauen Haus:



Samstag, 17. September 2016

Septemberregen

jetzt gibt der regen frei
was sommerlang verborgen war
wäscht von den worten ihre patina
kommt wahres und verlorenes
wächst auf ins graugezogene morgenlicht
die blätter und die halme glänzen
wie ein festgebet im herbstgesang
hingegen künden fahle wolken
vom abschied und von langen abenden
du bist bereit für einen neuen gang
nur an dem strauch der blaue blüten trägt
weinst du wenn vom zweig sich wieder eine löst
und hältst für einen augenblick ganz still



Hermann Josef Schmitz

Donnerstag, 15. September 2016

Freisein

den strengen formen zärtlichkeit geben und sie ineinander fügen die farben entwickeln sich in einem spektrum das sich aufgeweitet hat zwischen dem leuchten der entschmerzte tag entwurzelter mohn an den rändern festgehaltener menschen und das leid das sich nicht versteckt das leid einer anderen zeit eines anderen gesichtes und doch der gegenwart gültig die strengen formen in zärtliche worte legen wie ein überschlagenes bein und die bedeutung der dinge in der tiefe suchen fern jeden uferblattes das sich flüchtig verändert und keine angst mehr haben vor den ungesagten möglichkeiten sondern dem fremden gedanken dem absurden dem aufgebrochenen einen räudigen boden bereiten und nichts verformen und in allem die liebe finden und den zweifel wie einen porösen filter im blick behalten und ihn nicht nähren sondern immer die eigene stimme finden die leerräume auffüllen mit träumen sehnsüchten grenzgängen fernweh neuen begegnungen fremden landschaften seiltänze als tägliches brot und mit geschlossenen augen mehr sehen als am hellen tag


Hermann Josef Schmitz



Noch bis Sonntag ist die aktuelle Ausstellung Picasso und Deutschland in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zu sehen. Es lohnt sich unbedingt, da es eine Symbiose zwischen den Bildern von Picasso und vielen deutschen Malern (Beckmann, Dix, Macke etc.) ist.
Und parallel läuft eine Ausstellung mit Bildern von Wilhelm Busch.










Dienstag, 13. September 2016

11092016// S 01 L //58:29

die blätter im taugras erzählen ihre eigenen geschichten während du durch die stille deine schritte anziehst durchzogene wolkenlandschaften und die luft schmeckt nach reifen früchten spätsommerseptembertage ein einziger genuss entlang der verwachsenen wege kaum noch eine sicht auf den verlauf der dinge und die bäume still wie eh und je und all die gräser die niemand beschnitten hat und die zurückgekehrt sind in die wildnis werden tage kommen in denen sie die blätter vor dem aufprall schützen den letzten atemzug bewahren wie ein keusches bild wie eine verletzliche seele und sie werden den bäumen rahmen bleiben all die gräser und halme und du ziehst die schritte an bis zur kurve und der fischer schaut in sich und schweigt an der schleuse vorbei an den maisstädten geordnet und stark geworden und nach der kurve wechselst du das tempo und spürst wie die luft deine blutbahnen flutet und die dunklen gedanken aus der haut strömen und das glück wird zum begleiter steigt die sonne und lässt sich nicht von den kalenderdaten beirren und das leben wird für eine stunde einfach nur schritt um schritt und leerräume schaffen wo sich die gedanken gestapelt haben jetzt ziehen sie aus und du schließt die tür hinter ihnen und die freude überwuchert das herz als du ankommst und sie die tür öffnet sie die du liebst für heute und immer


Hermann Josef Schmitz

Sonntag, 11. September 2016

Störung

an diesen vielen tagen
an denen sie dich zum leuchtturm machten
sehntest du dich selbst
noch so viel mehr
nach einem starken licht


in dieser sehnsucht
nach einem stillen raum
störten sie dich viel zu oft
in dem sie dir worte abrangen
die du selbst nur mühevoll gefunden hattest


das fehlen einer hand
und eines hellen blickes
lähmte dich wie eine stillgelegte ader
und hielt sie doch nicht ab
von ihrem rücksichtslosen nähren


Hermann Josef Schmitz

Freitag, 9. September 2016

Melancholie

jetzt hängen
zweige gräser blüten
schwer hinab
und pralles blau vergeht im knistern
eines blätterfalls
die luft ist weicher
und schweigend  im geruch gereift
entkleidet sich der steine bett
am fluss entlang
und auch an diesem tag
liest einer seines buches letzte seite



Hermann Josef Schmitz



Auf ein Wochenende voller guter Gedanken, Worte und Zärtlichkeiten.