I
aber alles blieb
und an jedem wegrand
blieb mir warm
dein wimpernschlag
den ich als letztes sah
und wusste um der liebe
die sich spiegelte
in einer landschaft gläsern
II
aber alles blieb
und in jedem abschied
blieb mir so traurig zärtlichkeit
und wohnte dennoch wiederkehr
sie würde sein ein stilles fest
kapitel eines heimatkundebuchs
ein neu entdeckter augenschwung
die rose tief im seengrund
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 11. Januar 2022
Aber alles blieb
Sonntag, 9. Januar 2022
Januarnacht
erst
in der nacht verliert des tages schuld ihr angesicht ein unberührter schnee
legt sich behutsam auf die laut gewesenen straßen die bäume schmiegen sich am
fluss verschweigen ufer alles ungesprochene des tages der helle schatten eines
sterns webt sich ins unhörbare knirschen der kristalle deine auge schweigt und
dennoch weiß ich um die traurigkeit die hinter der pupille wacht und die sich
nur den träumen anvertrauen kann erst in der nacht löscht sich spiegel der alle
farben nahm und hinter dieser dunkelheit archive anlegt für erinnerungen und
tränen still in alben heftet bis dann ein weites tor aufgeht in dessen eingang
der helle schatten eines sterns sich webt und wir uns im vertrauen auf die
dämmerung des morgens hineinbegeben umarmend aufgenommen werden von einem
schlaf der wie ein dunkles sommerufer geheimnisvoll und aufregend zugleich erst
in der nacht die schwüle schwere an einen frischen wind verschenkt erst dann in
dieser nacht wird etwas unsichtbar und richtet sich zugleich
Hermann Josef Schmitz
Freitag, 7. Januar 2022
Täglicher Vorsatz
eine
wortrose verschenken
wie sich ein der nacht hingebender stern
herzkammern öffnen
gegen die bedenken der zeit
eine kränkung verhindern
im warmen dunkel des eigenen mundes
den schmerz im leben
eines anderen menschen mehr umarmen
Hermann Josef Schmitz
Ich wünsche Euch ein gutes und umarmendes Wochenende und Zeit für das, was für Euch wichtig ist.
Und weil's bei uns weiter keinen Schnee gibt, hier ein kleines Stilleben mit weißen Lilien.
Mittwoch, 5. Januar 2022
Verstummen
sie
stehen
vor der fremdheit
neuer tage
und fürchten sich
sie träumen
ihre träume
nur noch spärlich
und äußern sich
sie seien
wunschlos glücklich
und in der nächte
wachen stunden
verstummen sie
und fürchten sich
vor ihres herzens
eigener fremdheit
und trauen sich
nicht mehr
und längst
sich selbst
nicht mehr
Hermann Josef Schmitz