als hätten die tropfen
die luft geglättet
dem rauen fluss
die winterhaut entnommen
und ungeahnten schwung
in seinen lauf gelegt
als hätten die tropfen
der stille einen glanz
von leuchtendem grün geschenkt
Hermann Josef Schmitz
Ich wünsche Euch wunderbare Ostertage, viel Freude im Begegnen und Genießen und friedvolle Tage.
Neben Regenzauber-Bildern gibt es heute wieder 4 gelesene Bücher in der Vorstellung:
«Wo wir uns trafen» von
Sofia Lundberg
Manchmal verführen mich die Texte auf der Rückseite eines Buches zum
Kauf. Dieses Mal bleibe ich mit einem ambivalenten Gefühl nur begrenzt
überzeugt. Im Buch geht es um das Trauern um und das Begegnen mit der
Vergangenheit und der Gegenwart zwischen zwei Frauen. Esther, die jüngere,
gefangen im Schmerz der Trennung begegnet, wird von Rut, der Älteren immer
wieder ermutigt, das Gute zu sehen und den Blick nach vorne zu richten.
Gleichzeitig offenbart Rut Esther stückweise die Geheimnisse und das Leben
ihrer tragischen Vergangenheit. Die zentralen Themen sind Liebe und
Freundschaft, für mich hatten sie aber eine gewisse Beliebigkeit.
«Schwarzwälder Schinken» von Ralf H. Dorweiler
Ein Ermittler-Team, das ein wenig anders daher kommt. Reiner Maria
Schleicher, ist Testdieb und sein Hund heißt Dr. Watson. Hier ermitteln sie im
Südbadischen mal mit Hilfe oder gegen den Widerstand eines kauzigen Kommissars.
Ein verschwundenes Mädchen, eine eigenartige Lösegeldforderung, kauzige
Mitmenschen und natürlich auch eine ganze Menge Schwarzwälder Schinken. Neben
allem Tragischen auch immer wieder Humor, eine halbe Liebesgeschichte und eine
Menge Lokalkolorit.
«Jenseits der Couch» von Esther Pauchard
Auch wenn der Krimi bereits 2010 erschienen ist – was für ein Debüt!
Aufmerksam geworden bin ich auf Esther Pauchard (Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie) in einer SWR1 Leute-Sendung. Dort ging es um ihr Buch «Jenseits
der Sprechstunde» (Untertitel «Das Rezept sind Sie»). Das Buch lese ich gerade
und wird bei den nächsten Büchern mit vorgestellt. Ich fand aber auch heraus,
dass es jede Menge Krimis von ihr gibt. «Jenseits der Couch» ist kein typischer
Krimi, die Hauptakteurin Kassandra Bergen, ist eine erfahrene Assistenzärztin
in einer Psychiatrischen Klinik 😉. Sie ermittelt in einem Notfall zunächst aus
medizinischem Interesse auf eigene Faust. Und dann nehmen diese Ermittlungen
eine Dimension ein, die aufgrund des überraschenden Todes der Notfallpatientin
eine hohe Kriminalität einnimmt. Sehr spannend, es gibt noch 6 weitere Bände 😉.
Und ich freue mich, Esther Pauchard am 15. Mai im Stauffacher in Bern live
lesen zu hören.
«Hier. Dort. Fort» von Angelika Waldis
Der Roman von Angelika
Waldis hat seinen eigenen Schwung. Die Hauptdarstellerin flüchtet aus ihrer
routinierten Beziehung immer wieder in ein ihnen „zugefallenes“ Haus. Dort hat
sie einen Blick auf die Renovierungsarbeiten, kann mobil arbeiten und ihren
eigenen Interessen nachgehen. Als der dort tätige Maurer unerwartet
verschwindet, macht sie sich auf Spurensuche. Zunächst vor Ort und dann
entwickelt sich bald daraus ein vielfältiger, berührender und manchmal aber
auch sich dahinziehender Roadtrip. In der Mitte des Buches stand ich kurz vor
der Aufgabe, dann nahm es aber Schwung auf und lohnte sich zu Ende zu lesen.
Samstag, 19. April 2025
Aprilregen
Donnerstag, 17. April 2025
Vom Verlust
unterwegs weine ich
um den verlust der ebenen
die unterschiede die entstanden sind
dort wo sie nicht entstehen sollten
und ersehne gleichzeitig die unterschiede in mir
unterwegs weine ich
um die nicht mehr schließbaren lücken
und die ungewissen fortgänge
mit ihrer fragilität und ungewissheit
unterwegs weine ich
um die verlorenen möglichkeiten
die nachlässigkeiten und nebenwirkungen
die sich als risse in die jahreszeiten einschleichen
unterwegs weine ich
um mich selbst
Hermann Josef Schmitz
Dienstag, 15. April 2025
April II
aufrichtiges mitgefühl war zu
einem tagesordnungspunkt verkommen aufsässig füllte das schweigen den
stundenfluss im schattenblau der bildschirmpräsentationen gediehen die sorgen
während die einen sich um ihren offensichtlichen glanz kümmerten blieben die
unfreundlichen lustvoll in ihrem tal der tränen nachrichten verschnürten die
ordnungen es gab zuwachszahlen bei denen die der versuchung der subtilen
zerstörung nicht mehr widerstanden augen trübten sich wut wuchs in muskeln
hinein längst hatten sich die lügen einen roten teppich ausgelegt an dessen
rändern applaudierten jene die ihrer komfortzonen überdrüssig geworden waren
hielten den atem an staunten ob der gefahrlosigkeit falscher behauptungen und
hatten längst übersehen wie die zeitschnur kürzer wurde weil die brände maßlos
wurden und die hoffnung zum sperrgebiet mutierte draußen vor den türen bot
jemand glückliche tage als sonderangebot an es gab keine nachfrage mehr
Hermann Josef Schmitz
Sonntag, 13. April 2025
Bleib leise
bleib leise in deinen
bewegungen
wenn sich die knospen öffnen
sie spüren die erschütterungen
von zu lauten schritten und stimmen
bleib leise in deinen berührungen
wenn sich die menschen öffnen
sie brauchen zeit zum vertrauen
und wachsen oft in stillen worten hinaus
Hermann Josef Schmitz
Freitag, 11. April 2025
Konstanz
glückliche tage waren das
leuchtend grüne ströme durchwebten
die verbindenden wortreihen
tulpen narzissen blühende bäume
legten einen saum an die aufsteigenden wiesen
unter einem porzellanhimmel aus blau
glückliche tage waren das
sie verbanden die erinnerungen
und wurden doch zu einer neuen gegenwart
am rande der nächtlichen uferschatten
mit dem gewicht tausender schritte
zeichneten die sterne ein momentum der freude
glückliche tage waren das
in ihren schaufenstern freuten sich menschen
farben preschten in blätter flügel auf haut
wurde die festgehaltene zeit zu einem segen
legte sich in den lebenslauf eines jahres
mitten in einer gläsern luftschleife
waren das glückliche tage
Hermann Josef Schmitz
Wie schnell die Tage eilen ... aber ein paar Impressionen aus einem wunderbaren Wochenende in Konstanz & auf der Mainau mag ich gerne hinterlassen.
Auf ein sonniges und begegnendes Wochenende.
Mittwoch, 9. April 2025
17 Jahre Wortgarage
du trägst
die verschriebenen
worte
unter das fenster
leer geworden
erblassen sie
bis zur erinnerung
wir tauschen
du gibst grün
für mein blau
Hermann Josef Schmitz
17 Jahre Wortgarage – seit etwa 1/3 meiner
schreibenden Zeit blogge ich. Und es ist kein Ende in Sicht, es macht mir
Freude, einen Platz für meine Poesie zu haben.
Jedes Jahr blogge ich am 9. April das obige Gedicht. Längst hat sich die
Textfarbe und die Schriftart geändert, aber in seinem Ursprung bleibt es eben
das erste Gedicht, mit dem sich die Wortgarage (damals noch unter einem anderen
Anbieter) auf die Reise gemacht hat. Längst gibt es den ersten Gedichtband
nicht mehr zu kaufen, dafür aber viele andere wie seit Kurzem «Im Garten der
Zeit blieb ich und wuchs».
Ich erinnere mich immer sehr gerne an das Entstehen der Wortgarage am
Nachmittag des 9. Aprils 2008. Meine wunderbare Frau war die Impulsgeberin. Wie
sie überhaupt die Motivation dafür schuf, meinen Gedichten und Prosatexten
einen größeren Raum zu geben und ihnen mehr Begegnung in Büchern und Postkarten
zu verleihen.
Damals war das mein Beginn in der digitalen Welt meine Poesie zu platzieren.
Inzwischen ist das zu einem viel größeren Ort der Begegnung geworden und ich
freue mich über die Vielfalt der Gelegenheiten, über Poesie ins Gespräch zu
kommen. Immer wieder erreiche ich bekannte und unbekannte Menschen – in der
digitalen wie auch unmittelbaren Begegnung. Letztere geben sich manchmal nach
Jahren zu erkennen – durch eine Mail, einen Kauf eines meiner Bücher oder auch
durch eine persönliche Begegnung.
Viel Wirrnis liegt in der jetzigen Zeit, viel Unsicherheit und Sorge – und
gerade deswegen muss Poesie immer einen Platz haben dürfen, den Blick verändern
für einen Augenblick genauso wie für eine lange Zeit. Raum geben für das Schöne
und Zeitlose, Gedanken und Träume anlegen wie einen Horizont, der einmal nah
und einmal weit erscheint und nichts beweisen muss.
All den treuen Wortgarage-Leser*innen danke ich auch heute wieder sehr herzlich
für 17 Jahre des Begegnens und Lesens.
Ich schreibe weiter, es gibt so vieles, für das die Worte einen Platz
haben und dem Leben Wunder und Berührung schenken.
Meiner geliebten Herzdame – der großartigen Glaskünstlerin – danke ich
unverändert für den Impuls zu bloggen, für dieses Begegnen und für die Reise,
die uns gemeinsam inspiriert. Sie ist (m)eine wunderbare Frau und bereichert
mich unverändert und unvermindert in meinem Denken, Wahrnehmen, Spüren und
Lieben des Lebens.
Alles Gute,
herzliche Grüße und auf ein weiteres poetisches Jahr.
Hermann Josef Schmitz
Montag, 7. April 2025
April I
ein heller tag hat die segel
gesetzt horizonte wachsen ins blaue jemand verbindet die erinnerungen von
jahrhunderten mit dem moment der gegenwart häuser mit fremden namen blühen auf
die straßen spüren die worte feuergassen ziehen vorbei an den steilhängen
blühen reben und hören nicht auf dem licht zu vertrauen ein heller tag hat die
segel gesetzt noch stehen platanen völlig entblößt an den promenaden aber sie
spüren die kronen des sommers bereits wissen um glücksritter könige kurtisanen
einer anderen zeit tief in ihnen bleiben die geheimnisse sie könnten chroniken
schreiben wahrheiten entblößen aber sie schweigen und freuen sich an
aufkommenden blau und den luftschwüngen die von der kühlen see kommen ein
heller tag hat die segel gesetzt er hat den despoten den wütenden den düpierten
die luft abgeschnitten und herzlichkeit befohlen ist für einen augenblick in
ihre enttäuschten wurzeln gewachsen und hat den winzigen traum genährt diesen
ungenauen diesen stillgelegten einer anderen zeit und hat die segel gesetzt
Hermann Josef Schmitz




